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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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Wer oder was spukt, wenn »es« spukt?: Zur Agency des Unheimlichen in der Erinnerung an Geschichte

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Christoph Leitgeb

Warum fasst österreichische Literatur die Erinnerung an die Zeit vor 1945 immer wieder in denselben Kategorien und Motiven des Unheimlichen, obwohl sich doch die biografischen Erfahrungen der Autorinnen und Autoren in der Zeit fundamental unterscheiden? Eine Antwort auf eine Frage wie diese steht methodisch vor der Schwierigkeit, das »es« als das Subjekt des »Spukens« inhaltlich näher zu bestimmen. Innerhalb der wohl bekanntesten Theorie des Unheimlichen definiert Sigmund Freud dieses Agens psychoanalytisch als individuelle Verdrängung, die wieder aufsteigt ins Bewusstsein; für die französische Postmoderne ist das Agens dann allgemeiner ein Eigensinn von Zeichen, unkontrolliert vom menschlichen Subjekt.

Nimmt man die Frage nach diesem Agens wörtlich, das unheimlich hinter oder neben dem persönlichen Akteur handelt, so liegt der Versuch nahe, Theorien des Unheimlichen mit der Aktantentheorie zu konfrontieren. Gemeint ist damit Bruno Latours Vorstellung, dass sich die Soziologie nicht mehr auf eine streng »moderne«, »analytische« Trennung von Natur und Gesellschaft, »Realität« und »Geist« beziehen sollte, sondern auf Hybrid-Objekte zwischen diesen Polen, die vernetzt mit menschlichen Akteuren Handlungsspielräume definieren. Diese Verknüpfung stellt sich als ebenso problematisch wie ergiebig heraus – nicht nur, weil Latour ausdrücklich Teile der französischen Postmoderne kritisiert, sondern weil er eine neue Perspektive auf die Abhängigkeit der Erscheinung des Unheimlichen von epistemologischen Vorannahmen ermöglicht.

Latours Buch Wir sind nie modern gewesen1 und Theorien von Angst und Unheimlichem nach Freud2 begegnen sich vor allem, indem sie sich auf die ←143 | 144...

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