Show Less
Restricted access

denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

Series:

Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

Show Summary Details
Restricted access

Anleitungen zur (Un-)Tätigkeit im Zirkus der Zwischenkriegszeit

Extract

Katalin Teller

 

 

In der Zwischenkriegszeit explodierte im deutschsprachigen Raum die Zahl der unterhaltenden Zirkusfilme und der anekdotisch-autobiografisch ausgerichteten zirkusgeschichtlichen Darstellungen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, als sich die Niederlage der Mittelmächte bereits abzeichnete, setzte die NS-Propaganda in den Unterhaltungsblättern wie der auch in Österreich vertriebenen Berliner Illustrirten Zeitung oder dem ungarischen Tolnai Világlapja zunehmend auf Fotoreportagen von Raubtierdressur und Artistik aus diversen Zirkussen, wodurch der Verdacht von einem circensischen Ablenkungsmanöver kaum von der Hand zu weisen ist. Dieser Einsatz der Institution Zirkus ist allerdings vor dem Hintergrund eines kunst- und literaturgeschichtlich verbürgten Topos zu lesen, der stark auf die abenteuerlich-antibürgerlichen, stellenweise subversiven, Implikationen des circensischen Milieus abzielte, der also von seiner kanonisierten Gestalt her gerade als propagandaresistent hätte gelten sollen. Aus dieser widersprüchlichen Konstellation rührte denn auch meine Arbeitshypothese her, dass der Zirkus mit der Faschisierung seine tradierten symbolischen Inhalte zunehmend verlieren und bereit sein musste, den autoritären kulturpolitischen Ansprüchen wenn auch nicht aktiv, so doch zumindest opportunistisch zu folgen. Die weiteren Recherchen ergaben jedoch ein viel differenzierteres Bild, das nicht nur von der sprichwörtlichen »Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen«, sondern auch von der teilweisen Verlagerung der überlieferten Funktionen zeugt.

Die Zutaten einer Zirkusvorstellung – TrapezkünstlerInnen, diverse ArtistInnen und JongleurInnen, exotische und weniger exotische Tiere und v.a. die Clowns – waren für belletristische und feuilletonistische Bearbeitungen seit der Etablierung des modernen Zirkus am Ende des 18. Jahrhunderts eine willkommene Projektionsfläche, um...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.