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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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Eine verkürzte Parallelaktion: Nicolas Mahlers Mann ohne Eigenschaften

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Martin Reiterer

»[…] die Forderungen, daß man Geschichte erfinden müßte, daß man Ideen-, statt Weltgeschichte leben sollte, daß man sich dessen, was sich nie ganz verwirklichen läßt, zu bemächtigen und am Ende vielleicht so zu leben hätte, als wäre man kein Mensch, sondern bloß eine Gestalt in einem Buch, von der alles Unwesentliche fortgelassen ist, damit sich das übrige magisch zusammenschließe […].« (Robert Musil)1

Musil als Comic? Tausend Seiten auf 150 verkürzt?2 Einen der nicht nur umfangreichsten, sondern vor allem auch komplexesten Romane des 20. Jahrhunderts als Comic adaptiert? – Nicolas Mahler hat neben Der Mann ohne Eigenschaften nach Robert Musil (2013) eine ganze Reihe von literarischen Vorlagen bearbeitet, für die jedoch der Begriff Adaption meist wenig zutreffend und öfter irreführend ←217 | 218→ist. Weit besser eignet sich der Begriff der Inszenierung, wie ihn Monika Schmitz-Emans3 vorgeschlagen hat.

Am vorläufigen Ende dieser Serie steht Mahlers 2017 erschienener Comic Auf der Suche nach der verlorenen Zeit nach Marcel Proust,4 dessen Klassikervorlage Robert Musils Hauptwerk in seiner Monumentalität noch überragt. Zuvor hatte Mahler auch durchaus kürzere Vorlagen inszeniert, angefangen mit Thomas Bernhards Alte Meister (2011) und Alice in Sussex frei nach Lewis Carroll und H. C. Artmann (2013), denen Bernhards Der Weltverbesserer (2014) und Lulu und das schwarze Quadrat frei nach Frank Wedekind (2014) folgten.5 In die Reihe dieser Comicinszenierungen gehört auch das vom Suhrkamp Verlag als »Comic-Geschichte der Philosophie« bezeichnete Buch Partyspa...

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