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Zur Poetologie der «stanzen» Ernst Jandls

Lydia Haider

Wie kann ein möglichst genaues und vollständiges Bild der stanzen-Poetologie aussehen? Dieses Buch unternimmt eine ausführliche Zusammenfassung der bisherigen Forschungsergebnisse als Grundlage für die daran anschließende Analyse der Performance, der unveröffentlichten stanzen-Texte, der Beziehungen der Texte im stanzen-Band und in peter und die kuh sowie für die Erörterung eines durchgängigen «Dritten»-Motivs. Gleichermaßen werden literaturkritische Fragen beleuchtet, unter anderem: Warum sind die stanzen immer wieder lesbar? Was macht sie zu Literatur? Worin liegt ihre Außergewöhnlichkeit? Die CD most der Band Attwenger wird ebenfalls betrachtet.

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1 Nur „a glaana/literarischer schmäh“?

1 Nur „a glaana/literarischer schmäh“15?

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Ernst Jandl übertritt mit den stanzen auf doppelte Weise eine gesellschaftlich definierte Grenze und begibt sich in einen Tabubereich: mit der Thematisierung und Beschreibung gesellschaftlich nicht akzeptierter Vorgänge oder Gegenstände über die Form des Dialekts.16 Gefährlich ist das dahingehend  – so Franz Josef Czernin  – da in oder mit den stanzen „das Wechselspiel der Identität mit und der Unterscheidung von ihrem Gegenstand nicht auf angemessene Weise vollzogen werden kann“, und das eben in einem Tabubereich „mit äußerst heftigen Empfindungen oder mit stark wirksamen Werturteilen beziehungsweise Regelungen, etwa Verboten, verbunden“17 ist. Kann als zentraler Aspekt der so markanten Radikalität der Texte das unverhältnismäßig hohe Maß an „Identifikation der Darstellung mit dem Dargestellten oder des Dargestellten mit der Darstellung“18 gesehen werden?

In vielen Fällen ist dieses angemessene Maß, so Czernin, auch mit dem „gelingen“ oder „misslingen“ von Texten verknüpft19 und hinsichtlich der Stanzentexte führt das möglicherweise dazu, dass etwa Fritz Popp auch Stanzen findet, „deren Banalität schwer zu übertreffen ist“20 oder die Neue Kronen Zeitung Jandls böse Gstanzln21 titelt.

Gleichermaßen kann hier auch das Gegenteil der Fall sein, indem „die Distanzierung, die semiotische Differenz vom Gegenstand, allzusehr die Oberhand gewinnt“22 und die in vielen Bereichen gewohnte Nähe einfach nicht zustande kommen kann. Ist es die „Komplexität des Verhältnisses“, so Czernin, von Darstellung und Dargestelltem, die an den stanzen bewegt? Diese Annahme ←11 | 12→berücksichtigt auch die Rolle...

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