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Von göttlicher Vorsehung bis Zufall

«Tyche» im Werk des Plutarch von Chaironeia

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Jens-Frederik Eckholdt

Der facettenreiche griechische Ausdruck ‚Tyche‘ (Schicksal, Glück, Zufall; auch Name einer Göttin) hat im Werk des Plutarch von Chaironeia (ca. 45 bis 125 n. Chr.) einen großen Stellenwert. Diese Studie arbeitet durch vertiefte Quellenanalysen heraus, welche Bedeutungsfacetten bei Plutarch in verschiedenen Kontexten relevant sind, und verdichtet diese zu Typen. Sie schlägt für diese Typologie in ihrer Bedeutungsweite von göttlicher Vorsehung bis Zufall einen organischen Zusammenhang vor, der an Plutarchs Vorstellungen von den ‚Daimones‘ angelehnt ist. Ein besonderer Fokus ist auf die Erklärung der Geschichte durch Plutarch gelegt: Inwiefern geht er von menschlicher Tüchtigkeit aus und inwiefern sieht er ‚Tyche‘ im Spiel, wenn es um historische Prozesse geht?

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I. Einleitung

I. Einleitung

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Abstract: The introduction contains two chapters. In the first one, starting from a statement in Plutarch’s Sertorius and Eumenes (Sert. 1.1), the reader is given an indication of the various meanings of ‘tyche’ in the works of Plutarch, the intention to analyze the different meanings by interpreting several statements and their contexts and finally an overview of the current state of research.

Der kaiserzeitliche griechische Autor Plutarch von Chaironeia (etwa 45 bis 120 n. Chr.)1 lässt seine Parallelbiographie des spätrepublikanischen Römers Sertorius und des frühhellenistischen Griechen Eumenes2 mit dem Satz beginnen:

Verwunderlich ist es vielleicht nicht, dass, während die τύχη [Tyche] in der unendlichen Zeit bald auf diese, bald auf jene Weise dahinfließt, das αὐτόματον [Automaton] häufig zu denselben Begebenheiten hingetrieben wird.

Θαυμαστὸν μὲν ἴσως οὐκ ἔστιν, ἐν ἀπείρῳ τῷ χρόνῳ τῆς τύχης ἄλλοτ’ ἄλλως ῥεούσης, ἐπὶ ταὐτὰ συμπτώματα πολλάκις καταφέρεσθαι τὸ αὐτόματον.3

Die von Plutarch an den Anfang der Parallelbiographie gestellte Äußerung zur ‚τύχη‘ führt unmittelbar zum Thema der vorliegenden Untersuchung, deren Titel Von göttlicher Vorsehung bis Zufall – ‚Tyche‘ im Werk des Plutarch von ←17 | 18→Chaironeia lautet. Der zitierten Äußerung und den sich anschließenden Ausführungen des Plutarch soll im aktuellen Unterkapitel 1.1 der Studie weiter nachgegangen werden, um, auf ein Quellenbeispiel gegründet, im Unterkapitel 1.2 das thematische Feld der Untersuchung anzudeuten und die Fragestellung zu entwickeln. Zu diesem Zweck werden im Folgenden das Prooimion von Plutarchs Sertorius und Eumenes und eine weitere Passage des Sertorius analysiert. Methodisch setzt die Arbeit also bei den Quellen an, deren Auslegung...

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