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Von göttlicher Vorsehung bis Zufall

«Tyche» im Werk des Plutarch von Chaironeia

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Jens-Frederik Eckholdt

Der facettenreiche griechische Ausdruck ‚Tyche‘ (Schicksal, Glück, Zufall; auch Name einer Göttin) hat im Werk des Plutarch von Chaironeia (ca. 45 bis 125 n. Chr.) einen großen Stellenwert. Diese Studie arbeitet durch vertiefte Quellenanalysen heraus, welche Bedeutungsfacetten bei Plutarch in verschiedenen Kontexten relevant sind, und verdichtet diese zu Typen. Sie schlägt für diese Typologie in ihrer Bedeutungsweite von göttlicher Vorsehung bis Zufall einen organischen Zusammenhang vor, der an Plutarchs Vorstellungen von den ‚Daimones‘ angelehnt ist. Ein besonderer Fokus ist auf die Erklärung der Geschichte durch Plutarch gelegt: Inwiefern geht er von menschlicher Tüchtigkeit aus und inwiefern sieht er ‚Tyche‘ im Spiel, wenn es um historische Prozesse geht?

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II. Tyche bei Plutarch – eine Analyse ausgewählter Quellen

II. Tyche bei Plutarch – eine Analyse ausgewählter Quellen

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Abstract: In the first chapter of the analysis part seven Vitae of Plutarch are analyzed in order to show his differential use of ‘tyche’. The differential meaning is proved by analyzing the contexts of the several statements. These paradigmatic Vitae emphasize that ‘tyche’ in Plutarch has – roughly spoken – the meaning of providence as well as destiny, chance and Goddess ‘Tyche’.

Plutarch von Chaironeia gehört mit gut 250 nach der Überlieferung, dem so genannten Lamprias-Bibliothekskatalog aus dem 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr. und anderen Quellen, erschlossenen Titeln unbestreitbar zu den Vielschreibern des Altertums, und die ihm zuzuordnende Überlieferung stellt – trotz der großen Verluste an Schriften – eines der reichsten Œuvres dar, die seit der Antike überdauert haben.295 Das umfangreiche, auf Griechisch verfasste Werk gliedert sich in die mit lateinischen Titeln bezeichneten Moralia-Schriften, wobei der Begriff des Moralischen die Verschiedenheit der behandelten Gegenstände und Schriftgattungen einebnet296, und die Biographien. Letzteres Teilwerk besteht wiederum aus mehreren Gruppen: aus den Kaiserviten, den Parallelbiographien297 und sonstigen biographischen Arbeiten.298 Eine chronologische Anordnung der ←99 | 100→Werkgruppen und Einzelschriften ist versucht worden299, stößt aber schnell an Grenzen.

Im ersten Kapitel des Analyseteils (II 1) werden Texte aus der Reihe der Parallelbiographien auf ihre Behandlung der τύχη hin untersucht. Für die Interpretation der Fallbeispiele (II 1.2-5) bedarf es einiger Informationen zu den Lebensbeschreibungen, ihrer Zielsetzung und der Arbeitsweise des Plutarch. Die Werkauswahl für die Einzelstudien ist zu begründen. In das plutarchische Biographienwerk und in die in einer reichhaltigen...

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