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"Kontaminierte Landschaften"

Mitteleuropa inmitten von Krieg und Totalitarismus. Eine exemplarische Bestandsaufnahme anhand von literarischen Texten

Edited By Alexander Höllwerth

Der Band befasst sich mit dem schweren Erbe von Krieg und Totalitarismus in Mitteleuropa. Er enthält die Texte von 21 Autorinnen und Autoren aus Tschechien, Polen, Ungarn, Österreich und Deutschland. Diese gehen in ihren Beiträgen der Frage nach, welche Rolle der Literatur bei der Aufarbeitung der Traumata der Vergangenheit zukommt. Besprochen werden die Werke zeitgenössischer Autoren wie Pollack, Weber, Bodor, Topol, Sabuschko u. a. sowie von Autoren, die aus unmittelbarer Zeitzeugenschaft heraus schreiben (Wojdowski, Buczkowski). Dabei soll auch aufgezeigt werden, welchen Beitrag die Literatur bei der Durchbrechung national beschränkter Erinnerungskulturen hin zu einer transkulturellen (mittel-)europäischen Erzählung leisten kann. Gerade heute ist dieses Thema wieder hochaktuell.

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Die „armen Polen“ und das Ghetto. „Kontaminierte Seelenlandschaften“ in der polnischen Literatur

Die „armen Polen“ und das Ghetto.

„Kontaminierte Seelenlandschaften“ in der

polnischen Literatur/Poor Poles versus the

Ghetto. Contaminated Soulscapes in Polish

Literature

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Alexander Höllwerth

Abstract: The study is based on the concept of „contaminated landscapes“ by Martin Pollack and the concept of „landscapes of guilt“ by the philosopher Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz. It analyzes canonical texts by Czesław Miłosz (A Poor Christian Looks at the Ghetto, a poem), Jan Błoński (Poor Poles Look at the Ghetto, an essay), Jarosław Marek Rymkiewicz (Umschlagplatz, an essayistic novel) and Igor Ostachowicz (Night of the Living Jews, a lesser-known novel).

Keywords: contaminated soulscapesCzesław MiłoszJan BłońskiJarosław Marek RymkiewiczIgor OstachowiczPoor Poles Look at the Ghetto

Der von Martin Pollack gewählte Begriff der „kontaminierten Landschaften“ ist ein doppelbödiger Begriff, ein Begriff, der den „Boden“ unter den Füßen auf unheimliche Weise zittern und vibrieren lässt, der das Heimelig-Anheimelnde, das selige Naturidyll vertrauter mitteleuropäischer Kulturlandschaften ins Abgründige gleiten lässt – die Streuobstwiesen, die der Schriftsteller Pollack beim Blick aus der Bibliothek seines südburgenländischen Wohnsitzes sieht, „die alten Zwetschken- und Apfelbäume, dahinter die Felder, je nach Jahreszeit und Frucht verschieden gefärbt, Schlehenhecken und einzelne Bäume, eine Esche, Birken, dann wieder Felder und schließlich den Wald, Mischwald, der den Horizont bildet.“1 Pollack versucht das Schweigen der Erde zu brechen, von dem der polnische Dichter Jerzy Ficowski (1924–2006) in einem der im Band Odczytanie popiołów (1979) (in der deutschen Nachdichtung: Aus der Asche gelesen) abgedruckten Gedichte spricht: „Seit Jahren liegen hier die Erschossenen/im tiefen...

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