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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit einer egalitären Gesellschaft

Die kritische Rekonstruktion der anti-porn-Debatte im Horizont einer anerkennungstheoretisch profilierten Diskurstheorie

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Anne Weber

Wie gefährdet demokratische Prozesse sind, wurde im Blick auf die soziopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre deutlich. Die Autorin nimmt diese Diagnose ernst und erinnert im Horizont Kritischer Theorie an die Ermöglichungsbedingungen egalitärer Vergesellschaftung. Die problemsensible Rekonstruktion dieser Bedingungen verbindet sich dabei mit der Analyse quantitativ und qualitativ auffälliger Phänomene in der Lebenswelt. Unter feministischen Vorzeichen legt die Autorin den Fokus auf Präsenz und Konsum von Mainstream-Pornographie und die Frage nach der Realität von Geschlechteregalität. In diesem Zusammenhang untersucht sie die potentielle Interdependenz von pornographischen Narrativen, der Habitualisierung anerkennungsvergessener Einstellungen und der Verödung kommunikativer Praxis.

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5.0 Eine kritische Reflexion auf die Diskurstheorie als Modus Operandi emanzipatorischer Vergesellschaftung

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Im Horizont dieser Fragen- und Aufgabenstellung, will ich in den folgenden Kapiteln nun zum einen zeigen, dass eine kritisch-diskursive Reflexion auf die uns gegebene Umwelt möglich ist, d.h. auch habitualisiere, kulturell überlieferte oder anerzogene Einstellungen und Normen grundsätzlich im Sinne einer reflexiven Verflüssigung identifiziert und aufgearbeitet werden können. Damit ist meine Analyse trotz des kritischen Untertons verbunden mit der Überzeugung, dass Menschen die ihnen (sozial) angebotenen Deutungen dekonstruieren und sich somit von unbemerkten oder als notwendig empfunden Restriktionen emanzipieren können. Dieses Vermögen – und damit stelle ich mich in die Tradition der Moderene – lässt sich als Potential der Vernunft rekonstruieren, d.h. ist auch trotz deren dialektischer Vollzugsformen und angesichts der bleibenden moralischen Ambiguität des Menschen das Proprium jedes animal rationale. Der kritisch-dekonstruktivistische Anspruch lässt sich in einer spätmodernen Philosophie verfahrenstheoretisch m.E. überzeugend nur mit Jürgen Habermas’ Diskurstheorie einholen. Damit und im Blick auf die vorausgegangenen Analysen verbunden ist entsprechend die Einsicht, dass Counter Speech im Sinne einer bloßen Meinungsäußerung in einer pluralen, digital fragmentierten und scheinbar kommunikativ bereits verödenden Öffentlichkeit555 nicht gegen die kulturell und sozial habitualisierten Deutungs-Codes ankommen kann. Um nicht als bloßes Geschmacksurteil in der faktischen Perspektiven- und Wertepluralität zu versinken, profitiert die grundsätzliche Fähigkeit zur Dekonstruktion entsprechend nicht nur davon verfahrenstheoretisch unterstützt zu werden, sondern ← 255 | 256 → ist im Sinne einer kritisch-verantwortungsvollen Auseinandersetzung mit den eigenen Deutungs-Codes und denen der Sozialgemeinschaft auf eine rationale Verankerung sogar...

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