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Grenzen des Zumutbaren – Aux frontières du tolérable

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Edited By Lena Seauve and Vanessa de Senarclens

Literarische Texte thematisieren nicht nur Grenzen, sie sind durch immanente Grenzen konstituiert. Die Rede ist von historisch variablen Grenzen des Sag- oder Zeigbaren, die nach moralischen oder ästhetischen Kriterien definiert und wahrgenommen werden. Der Band nähert sich den «Grenzen des Zumutbaren» aus einer zugleich poetologischen und rezeptionsästhetischen Perspektive. «Grenzen des Zumutbaren» werden in literarischen Texten historisch reflektiert, gleichzeitig implizieren und provozieren Grenzen stets auch die Möglichkeit oder den Versuch ihrer Überschreitung. Dieser Sammelband nimmt sowohl durch Grenzen definierte epochale Selbstverständnisse als auch Strategien der Transgression in Erzähltexten und Dramen der französischsprachigen Romania vom 16.-21. Jahrhundert in den Blick.

Les textes littéraires se constituent et organisent leurs effets autour de frontières, tantôt explicites, tantôt implicites. Dans cet ouvrage, il est question de l’acceptable et du tolérable pour le lecteur et le spectateur, ainsi que des déplacements et des modifications de ces conceptions esthétiques et morales au fil des époques et au gré des sensibilités littéraires. Il porte donc sur les «frontières du tolérable» , à la fois comme une catégorie poétologique, ainsi que dans la perspective de la réception des œuvres. Les «frontières du tolérable» mettent en jeu des régimes d’historicité; elles constituent aussi pour les auteurs des seuils à repousser et autour desquels expérimenter.

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Schuld und Zumutung. Thomas Bernhards Heldenplatz und Michel Houellebecqs Soumission

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Jan Knobloch

Abstract: Comparing the scandal around Thomas Bernhard’s play Heldenplatz (1988) with the fierce debates surrounding the publication of Michel Houellebecq’s novel Soumission (2015), the article highlights the discursive nature of the limits of the tolerable. In both cases, the discursive construction, manipulation and displacement of a limit is part of a strategy of exclusion, the work of art becoming an exemplary arena in which national identity is being negotiated. Starting from a juridical definition, the article establishes “Zumutbarkeit” as a form of appropriateness: the appropriateness of demanding the reader or the spectator to meaningfully engage with the work of art. If a work is deemed “unzumutbar”, on the other hand, different forms of refusal of reception become available.

In der Umweltpolitik oder den Arbeitswissenschaften richtet sich der Begriff der Zumutbarkeit auf ein Maß „noch tolerierbarer Belastungen“.1 Er kann beispielsweise auf die Frage Anwendung finden, ob gewisse umweltfreundliche Entsorgungstechniken einem Unternehmen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zuzumuten sind, oder der Beurteilung dienen, ob ein gewisses Arbeitsverhältnis menschengerechten Maßstäben entspricht. Juristische Diskurse knüpfen diese Belastungsgrenze zudem eng an die Frage nach Schuld. So definiert ein einschlägiges Fachlexikon Zumutbarkeit als

[…] die Angemessenheit einer Anforderung an ein bestimmtes Verhalten. Ist ein Handeln oder Hinnehmen (Dulden) nicht zumutbar, so kann strafrechtlich ein Entschuldigungsgrund gegeben sein. Die Zumutbarkeit gilt für viele Rechtsverhältnisse und Tatbestände, z. B. im Strafrecht bei Unterlassungsdelikten (Hilfeleistung nach Unfall). Bei Fahrlässigkeitsdelikten entfällt regelmäßig der...

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