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Vornamen als Indikatoren gesellschaftlicher Entwicklungen

Nachgewiesen an einer Ahnenlinie vom 17. Jahrhundert bis 2018

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Inge Pohl

Mit dem Verständnis von Vornamengebung als eines sozialen Akts widmet sich die Studie Vornamen in einer im Jahr 2018 existenten Familie und deren Ahnenlinien bis ins 16./17. Jahrhundert zurück. Die Problematik besteht darin, dass sich das gesellschaftspolitische Determinationsgefüge der Ahnenfamilien um 1800 mit der Ansiedlung in einer deutschen Sprachinsel im polnischsprachigen Umfeld sowie im Jahr 1945 mit deren Auflösung grundlegend verändert hat. Im Rahmen einer soziolinguistisch orientierten Onomastik weist die Autorin diachron-synchron nach, dass in den gewählten Vornamen tradierte private Motivationen und die reaktive Kundgabe einer gesellschaftsbezogenen Meinung der Namengeber mitschwingen. Auf die diskontinuierliche gesellschaftspolitische Entwicklung reagieren die Sprachinselbewohner gegenläufig mit Sprachbewahrung, nicht mit erwartbaren qualitativen Wechseln der Vornamengebung.

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3 Diachrone Analyse der Vornamen bei vier verschiedenen Familien innerhalb einer Ahnenlinie

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Bei der diachronen Analyse lasse ich mich von folgenden Fragen leiten:

Welche Traditionen in der VN-Gebung der betreffenden Familien lassen sich für die Zeit vor/bis 1800 erkennen (z.B. bezüglich der intrafamiliären Nachbenennung, der Aufnahme von Fremdnamen, der Bevorzugung bzw. Meidung bestimmter VN u.Ä.)?

Inwieweit hat die regionale Verlagerung der betreffenden Familien aus Baden, Sachsen, dem Elsass nach Südpreußen und nach dem II. Weltkrieg in das Nachkriegsdeutschland Einfluss auf die VN-Gebung? Gibt es Ausgleichstendenzen während der gemeinsamen Siedlungszeit in Südpreußen? Welche Assimilationsbestrebungen an die Kontaktsprache sind im anthroponymischen Bereich festzustellen?

Inwieweit stimmt die analysierte VN-Gebung bei den betreffenden Familien mit der regulären Entwicklung der VN überein, wie sie in der Fachliteratur für das deutsche Sprachgebiet angegeben wird (vgl. Nübling u.a. 2012; vgl. Kurzdarstellung im Kap. 2.1.2)?

Für die diachrone Analyse habe ich die VN zeitlich-regional, meinem Erkenntnisinteresse entsprechend, in drei Zeitspannen eingeordnet:

I. Zeitspanne: Zeitraum von der ersten mir bekannten, dokumentarisch belegten Geburt eines Familienmitglieds bis zur letztgenannten Geburt in Baden, im Elsass und in Sachsen vor der Siedlung in Südpreußen bei Familie Wi: 1660–1809 (17. - Anfang 19. Jh.) bei Familie Ko: 1710–1840 (18. - Mitte 19. Jh.) bei Familie Hei: 1633–1819 (17. - Anfang 19. Jh.) bei Familie Kow: 1760–1813 (18. - Anfang 19. Jh.)62

II. Zeitspanne: Zeitraum von der ersten mir bekannten, dokumentarisch belegten Geburt...

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