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Repräsentationsweisen des Anthropozän in Literatur und Medien

Representations of the Anthropocene in Literature and Media

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Edited By Gabriele Dürbeck and Jonas Nesselhauf

Das Anthropozän mit der Idee der systemischen Zusammenhänge von Mensch, Technologie und Umwelt ist durch Komplexität und disproportionale Skalierungseffekte von planetarischem und tiefenzeitlichem Ausmaß gekennzeichnet. Der Band geht der Frage nach, mit welchen Rhetoriken und Strategien Literatur und Kunst die Komplexität des Anthropozän auf menschliches Maß beziehen. Vor dem Hintergrund der Environmental Humanities untersuchen die 11 Beiträge das interdependente Beziehungsgeflecht von Mensch und agentieller ‹Natur› wie auch die Interaktion von unterschiedlichen zeitlichen, räumlichen und thematischen Skalen in Komposition, Figurendarstellung und Metaphorik (Raumschiff, Gaia, Weltgärtner) mit Bezug auf lokale Umweltprobleme und globale Zukunftsfragen. Mediale Austragsorte sind Erzählung, Epos, Climate und Science Fiction, Heimatroman, Ecodiegesis, Umweltlyrik, Hörspiel, Fotographie, Film und bildende Kunst.

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Sanftmütige Gärtner, oder: postkatastrophische Kulturation im frühen Anthropozän. Geo- und Bionarrative bei Stifter

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Jana Schuster

Abstract: The paper situates Stifter’s geologically inspired prose between anthropocentric and nature-centered ideas in the discourse on Earth’s deep time and man’s future around 1850. Stifter’s program of cultivating the human‘s inner and outer nature is discussed as a proto-ecological project of mutual domestication in the spirit of geologic gradualism.

Als am 29. August 2016 die beauftragte Arbeitsgruppe der International Commission on Stratigraphy beschloss, die aktuelle erdgeschichtliche Epoche nach deren dominantem Faktor offiziell als „Anthropozän“ zu bezeichnen und deren Beginn entgegen früherer Datierungsvorschläge auf den ersten Atombombentest am 16. Juli 1945 festzulegen,1 war die jüngste Wegmarke in der Debatte um die geologische Relevanz des Menschen erreicht. Deren Genealogie führt zurück ins ‚heroische Zeitalter‘ der europäischen Geologie um 1800 und fällt damit, je nach Datierungsoption, in die Vor- oder Frühphase des Anthropozän2 – und sie beginnt mit der fundamentalen Kränkung des menschlichen Selbstverständnisses durch die Entdeckung der geologischen Tiefenzeit:3 Die unvorstellbar lange Dauer der Erdgeschichte – Georges-Louis Leclerc de Buffon hatte 1778 in Les Époques de la Nature mindestens 75.000 Jahre veranschlagt, um 1850 nahm man bereits mehrere hundert Millionen Jahre an – ließ die Menschheitsgeschichte als quantité négligeable erscheinen und eröffnete ←29 | 30→zugleich den Zeitrahmen, innerhalb dessen erst die Evolutionsbiologie konzipiert werden konnte. Zwanzig Jahre nach dem Erscheinen von Darwins Origin of Species (1859) feierte Ernst Haeckel Darwin dafür, „dem Menschen seinen wahren Platz in der Natur angewiesen...

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