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Räume schreiben

Literarische (Selbst)Verortung bei Tanja Dückers, Jenny Erpenbeck und Judith Hermann

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Katrin Dautel

Im Spannungsfeld einer Abwendung von herkömmlichen Raumauffassungen in Zeiten der Globalisierung sowie einer gleichzeitigen ‚Rückkehr‘ des Raumes in Form einer Sehnsucht nach (Selbst)Verortung lässt sich in der deutschsprachigen Literatur der letzten Jahrzehnte eine Hinwendung zu komplexen Gestaltungen literarischer Räume beobachten. Der Raum ist nicht nur Ausdruck von (geschlechtsspezifischen) Machtverhältnissen und Lebensentwürfen, sondern wirkt auch selbst auf die Handlung ein. Auf der Basis verschiedener Raumtheorien, die im Zuge des spatial turn in den Literatur- und Kulturwissenschaften verstärkt Beachtung fanden, untersucht die Autorin Texte von Schriftstellerinnen, die mit dem umstrittenen Etikett «literarisches Fräuleinwunder» versehen wurden, aus raumkonstruktivistischer Perspektive.

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1 Einleitung

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„Der Raum kehrt zurück! Ebenso vollmundig könnte man jedoch erklären: Der Raum verschwindet! Denn unübersehbar ist das gleichzeitige Phänomen der globalen Enträumlichung und Entortung.“1 Mit diesem Spannungsfeld zwischen einer ‚Rückkehr‘ des Raumes und einer gleichzeitigen Auflösung von herkömmlichen räumlichen Paradigmen rekurriert die Kulturwissenschaftlerin Doris Bachmann-Medick in ihren Ausführungen zum sogenannten spatial turn auf die verstärkte Hinwendung zur Kategorie Raum in der human- und kulturwissenschaftlichen Forschung der letzten Jahrzehnte, sowie auf eine gleichzeitige Veränderung des individuellen wie kollektiven Verhältnisses zum Raum in Zeiten der Globalisierung. Ausgehend von einem Zitat des Kulturtheoretikers Fredric Jameson2 konstatiert Bachmann-Medick über die Zeiten der Postmoderne, dass wir in einer Epoche lebten, die vielmehr von Synchronie als von Diachronie geprägt sei, somit von einer Gleichzeitigkeit, die den Raum über die Zeit stelle und im Gegensatz zur vorherigen Bevorzugung des Historischen, der Entwicklung und der Kategorie Zeit stehe.3 Damit gehe auch eine veränderte Rezeption von Raum einher, die nun zu einer „zentralen Wahrnehmungseinheit“4 geworden sei, die die bisherige Vorherrschaft des Paradigmas Zeit überwinde. Besonders bemerkenswert sei an diesem cultural turn die Hinwendung zu einer Alltagskategorie, die sich vom rein Diskursiven des linguistic turn löse und stattdessen auch Fragen nach „Materialität, Handeln und Veränderung“5 einbringe. In diesem Kontext der Hinwendung zu räumlichen Kategorien in den Kultur- und Literaturwissenschaften verortet sich das Thema der vorliegenden ←13 | 14→Forschungsarbeit, die sich mit der literarischen Repräsentation und Konstruktion...

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