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Räume schreiben

Literarische (Selbst)Verortung bei Tanja Dückers, Jenny Erpenbeck und Judith Hermann

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Katrin Dautel

Im Spannungsfeld einer Abwendung von herkömmlichen Raumauffassungen in Zeiten der Globalisierung sowie einer gleichzeitigen ‚Rückkehr‘ des Raumes in Form einer Sehnsucht nach (Selbst)Verortung lässt sich in der deutschsprachigen Literatur der letzten Jahrzehnte eine Hinwendung zu komplexen Gestaltungen literarischer Räume beobachten. Der Raum ist nicht nur Ausdruck von (geschlechtsspezifischen) Machtverhältnissen und Lebensentwürfen, sondern wirkt auch selbst auf die Handlung ein. Auf der Basis verschiedener Raumtheorien, die im Zuge des spatial turn in den Literatur- und Kulturwissenschaften verstärkt Beachtung fanden, untersucht die Autorin Texte von Schriftstellerinnen, die mit dem umstrittenen Etikett «literarisches Fräuleinwunder» versehen wurden, aus raumkonstruktivistischer Perspektive.

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4 Tanja Dückers: Spielzone (1999)

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Hermann inszeniert mit dem Ausprobieren alternativer Lebensmodelle zwar eine Vielzahl an nicht-urbanen Räumen, die in Sommerhaus, später in der Provinz und in ihrem zweiten Erzählband vornehmlich im Ausland verortet sind; durch die mangelhafte Beschäftigung mit der (fremden) Umgebung, die Apathie der Protagonisten und darüber hinaus die scheiternde praktische Umsetzung der Gedankenexperimente bleiben jedoch auch Hermanns Erzählungen „weiterhin Berliner Geschichten, auch wenn sie in Island, Italien oder Nevada spielen“474. In ihrem Debütroman Spielzone475 (1999) – veröffentlicht ein Jahr nach Hermanns erstem Erzählband – entwirft die Berliner Autorin Tanja Dückers eine deutsche Hauptstadt, die sich deutlich von dem in Hermanns Debütarbeiten evozierten urbanen Nicht-Ort und den damit in Verbindung stehenden räumlichen Gegenmodellen unterscheidet. In ihrem Vergleich von vier mit dem Etikett ‚literarisches Fräuleinwunder‘ versehenen Autorinnen (Sibylle Berg, Tanja Dückers, Alexa Hennig von Lange und Judith Hermann) attestiert die Literaturwissenschaftlerin Christina Ujma Hermann und Dückers neben der Thematisierung eines Generationenkonflikts gewisse Gemeinsamkeiten in ihren Debütarbeiten, die sich vor allem in der Ich-Bezogenheit der Protagonist/innen und dem „Alltagsrealismus der Romane“476 bestätigen. Der Kritik, diese Alltagsgeschichten hätten der literarischen Produktion nichts Neues hinzuzufügen, hält sie entgegen, dass die Romane „den Blick auf Bereiche der Gesellschaft [freigeben], die sonst von Literatur und Medien weitestgehend ausgespart werden“477. Dies seien vor allem Themen wie weibliche Sexualität, „wenig freundliche Alltagsgedanken über Männer“478 und eine urbane Alternativszene, die bisher selten literarisch verarbeitet worden seien. Diese Themen...

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