Show Less
Restricted access

Textimmanente Wahrnehmung bei Gajto Gazdanov

Sinne und Emotion als motivische und strukturelle Schnittstelle zwischen Subjekt und Weltbild

Series:

Ingeborg Jandl

Sinne und Emotion bilden das Prisma jeder Selbst- und Welterfahrung und prägen die im Individuum verankerte Subjektivität. Der russische Emigrationsschriftsteller Gajto Gazdanov (1903-1971) rückt Wahrnehmungen so stark in den Vordergrund, dass die Handlung oft von einem Übermaß an Deskription in den Hintergrund gedrängt wird. Diese Studie beleuchtet Motive sinnlicher und emotionaler Erfahrung unter Berücksichtigung interdisziplinärer Konzepte aus Psychologie, Psychoanalyse, Philosophie und den Naturwissenschaften und fragt nach der Systematik ihrer motivischen Repräsentation, ihrer Wechselbeziehung sowie eines davon abzuleitenden Weltbilds. Das Forschungsfeld eröffnet Zugang zu Mechanismen der empirischen Realität, was auch für andere Disziplinen neue Perspektiven und Erkenntnisse verspricht.

Show Summary Details
Restricted access

Vorwort

Extract



Die vorliegende Studie wurde im Jänner 2018 als Dissertation an der Universität Graz eingereicht und im Mai 2018 ebendort approbiert. Sie geht auf mein durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) finanziertes DOC-Projekt Wahrnehmungsprozesse als Textstrategie der Subjekt(ab)bildung bei Gajto Gazdanov (01.08.2014–30.09.2016) zurück.

Zu dieser Zeit beschäftigte mich besonders der Zusammenhang zwischen Individuum und Außenwelt; sinnliche und emotionale Wahrnehmung betrachte ich mit Kant als Schnittstelle, an der die Konzeptualisierung sowohl des Subjekts als auch seiner äußeren Realitätserfahrung stattfindet. Trotz unterschiedlicher Terminologie wird Wahrnehmung in allen wissenschaftlichen Disziplinen reflektiert, da sie jenen Ungenauigkeitsfaktor bedingt, der mit Kant die absolute Erkenntnis verhindert. Mein interdisziplinärer Theorieentwurf ergab sich aus meinen Studien der russischen und französischen Philologie sowie der Psychologie und Philosophie. Die scheinbare Unvereinbarkeit dieser Disziplinen, die einander sowohl hinsichtlich ihrer Methodik als auch ihres Erkenntnisinteresses mit einem gewissen Unverständnis gegenüberstehen, bot sich mir seit Langem als Herausforderung dar.

Die unterschiedliche Rezeption von Michail Bachtin als Philosoph oder als Vordenker der Narratologie macht dies auf eindrückliche Weise deutlich, denn während Bachtins Denken textimmanente Strukturen in Analogie zu solchen der Lebenswelt begreift, verwendet die literaturwissenschaftliche Ontologie (Wolf Schmid u.a.) dieselben Quellen mit dem Anliegen, die Trennung zwischen beiden zu verdeutlichen, um sich, im zweiten Schritt, auf Texte zu beschränken. Diese klare Trennung bildet eine wichtige Grundlage für den Wissenschaftlichkeitsanspruch der Narratologie, sind doch die inneren Ordnungen von Texten einsehbar und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.