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Die Weiblichkeitsbilder in der deutschsprachigen Erzählliteratur von Autorinnen iranischer Herkunft

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Somaiyeh Mohammadi

Diese Arbeit thematisiert zeitgenössische Romane von Autorinnen iranischer Herkunft, darunter Shirin Kumm, Fahimeh Farsaie und Sudabeh Mohafez. Mit Blick auf die Geschichte der iranischen Frauenbewegung und der darin erzählerisch vermittelten Weiblichkeitsbilder fragt sie, inwieweit in diesen Romanen die Darstellung des Iran und der muslimischen Frau westliche Stereotype bedient und inwieweit dies Produkt bewusster Entscheidung und ästhetischer Gestaltung ist. Schritt für Schritt vollzieht die Arbeit kritisch nach, dass und mit welchen literarischen Mitteln die heterogenen Werke dieser Autorinnen politische Maßstäbe des Gastlands antizipieren und so letztlich als literarische Fiktion der öffentlichen Beglaubigung politischer Vor-Urteile dient.

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5 Theoretische Annäherung

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Die Existenz und das Fortbestehen von Stereotypen, Klischees und Vorurteilen werden von den verschiedenen Forschungsansätzen, wie das vorangegangene Kapitel gezeigt hat, als nicht bewusste und nicht willkürliche Prozesse erklärt. Darin formulieren diese Arbeiten einen aussagekräftigen Widerspruch. Wenn Vorurteile etc. unbewusst und erkenntnisleitend wirkten, wären auch die Wissenschaftler davon betroffen. Sie hätten weder ein Bewusstsein von ihrem Gegenstand noch könnten sie zu diesem in analytische Distanz treten. Umgekehrt aber, allein indem sie Vorurteile etc. selbst als Forschungsgegenstand behandeln, machen sie deutlich, dass es sich dabei vielmehr doch um Leistungen handelt, die im und mit Bewusstsein stattfinden. Die Erklärung für die Existenz von Stereotypen etc. muss demnach in etwas anderem gesucht werden. Insofern, darauf deuten die späteren Analysekapitel hin, muss eine Erklärung den gesellschaftlichen Diskurs ins Auge fassen, der die kulturellen Deutungen und Deutungshoheiten zum Gegenstand hat und sie entgegen individuellen Wahrnehmungen und Erfahrungen „stereotypisiert“. Das bedeutet am gegenwärtigen Fall des europäischen Redens über den Iran eine Diskreditierung, die sich pauschal und polemisch gegen alternative, differenzierte Lesarten richtet. Das hiesige Urteil über den politischen Iran wird identisch gesetzt mit seinen Menschen, Sitten und vor allem mit seiner islamischen Religion bzw. anders herum zeigen sich für den Westen in allen mikrostrukturellen Gegebenheiten Beweise für das von ihm selbst herangetragene allgemeine Urteil.

Aus dem Verständnis allgemeiner Gründe von z.B. Stereotypen ist das Spezifische des einheitlichen, negativen Urteils über den politischen Iran nicht ableitbar. Die Forschung...

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