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Die Weiblichkeitsbilder in der deutschsprachigen Erzählliteratur von Autorinnen iranischer Herkunft

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Somaiyeh Mohammadi

Diese Arbeit thematisiert zeitgenössische Romane von Autorinnen iranischer Herkunft, darunter Shirin Kumm, Fahimeh Farsaie und Sudabeh Mohafez. Mit Blick auf die Geschichte der iranischen Frauenbewegung und der darin erzählerisch vermittelten Weiblichkeitsbilder fragt sie, inwieweit in diesen Romanen die Darstellung des Iran und der muslimischen Frau westliche Stereotype bedient und inwieweit dies Produkt bewusster Entscheidung und ästhetischer Gestaltung ist. Schritt für Schritt vollzieht die Arbeit kritisch nach, dass und mit welchen literarischen Mitteln die heterogenen Werke dieser Autorinnen politische Maßstäbe des Gastlands antizipieren und so letztlich als literarische Fiktion der öffentlichen Beglaubigung politischer Vor-Urteile dient.

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13 Schlussbetrachtung

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Die in dieser Arbeit analysierten Romane lassen sich zeitlich und inhaltlich in zwei Gruppen teilen. Die erste Gruppe umfasst Farsaies Roman „Eines Dienstags beschloss meine Mutter Deutsche zu werden“, Kumms „Royadesara“ und die Erzählung „Vor Allâhs Thron“ von Mohafez. Sie entziehen sich zum Teil ausdrücklich einer Einordnung in die diskursiven kulturellen Stereotype. Der Roman von Farsaie bestimmt, wenngleich noch an der westlichen Einteilung von negativem Nahost- und positivem Westbild festhaltend, kulturelle Identität als nicht naturgegeben und durchaus wandelbar; Kumms Roman thematisiert die moderne Suche eines Subjekts nach seiner individuellen Identität jenseits von Herkunft und Kultur; Mohafez schließlich negiert nicht Herkunft und Kultur, weist ihnen jedoch einen Platz als Kulisse und Requisite zu, die aber, als Identität verstanden, der praktischen Bewältigung des Alltags entgegenstehen. Diese Autorinnen scheinen zum einen die kulturelle Lesart ihrer Leserschaft zu antizipieren und vorzuführen, zum anderen sich aber an ganz anderen Gegenständen aufzuhalten. So wie Kumms Roman offensichtlich ein Motiv der westlichen modernen Literatur verfolgt, gehen auch die Texte von Farsaie und Mohafez über das bloße Porträt des Iran bzw. Deutschlands weit hinaus. Insofern stimmen diese Werke mit der Beobachtung Nico Elstes über die Romane deutsch-türkischer AutorInnen in einer Hinsicht überein: In diesen Texten gehen modernes Erzählen und moderne Sujets nicht mit konstruktiven Bezugnahmen auf den geltenden kulturellen Diskurs zusammen.824

Jedoch ist bei den Werken deutschsprachiger Autorinnen iranischer Herkunft eine eklatante Entwicklung zu beobachten. Die später erschienenen Werke sind nicht...

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