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Dimensions of Linguistic Space: Variation – Multilingualism – Conceptualisations Dimensionen des sprachlichen Raums: Variation – Mehrsprachigkeit – Konzeptualisierung

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Edited By Lars Bülow, Ann Kathrin Fischer and Kristina Herbert

This volume focuses on the use and structure of the German language in Austria. In addition, the aim of the book is to compare the linguistic conditions in Austria with those in other German speaking countries. The 20 articles present current findings from the research fields of variation, contact and perception.

Der Band widmet sich schwerpunktmäßig der Verwendung und Struktur der deutschen Sprache in Österreich. Ziel des Sammelbandes ist es außerdem, die sprachlichen Verhältnisse in Österreich mit denjenigen in anderen deutschsprachigen Ländern zu vergleichen. In 20 Beiträgen werden daher aktuelle Forschungsergebnisse aus den Forschungsbereichen Variation, Kontakt und Perzeption vorgestellt.

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Varietäten als Prototypen: eine perzeptionslinguistische Modellierung am Beispiel des Südfranzösischen (Marie Luise Jansen)

Marie Luise Jansen

Varietäten als Prototypen: eine perzeptionslinguistische Modellierung am Beispiel des Südfranzösischen

Abstract: The aim of this article is to operationalise the modelling of varieties as prototypes (cf. Christen 1998; Kristiansen 2008; Pustka 2009). For this purpose, I conducted an accent identification test with 192 stimuli and 177 listeners. Its overall question was whether the regional varieties of the two major cities of Southern France, Toulouse and Marseille can be distinguished. The results of the test show that such a distinction is not easy: the listeners could not identify the provenance of most speakers. The listeners’ answers show that younger, more educated speakers (whose pronunciation has presumably already undergone the process of standardisation) were more likely to be perceived as Toulousains, and older, less educated, male speakers as Marseillais. Thus, the preferred informants in traditional dialectology, non-mobile older (rural) males (cf. Chambers/Trudgill 2004: 29), have a perceptual reality and their accent can be regarded as the centre of the prototype of Southern French.

1 Einleitung

Im romanistischen Diskurs der Varietätenlinguistik, in den sich der vorliegende Beitrag eingliedert, nimmt der Begriff der Varietät einen zentralen Stellenwert ein (vgl. z. B. bei Koch/Oesterreicher 2011). Jedoch fehlt in dieser Tradition eine Operationalisierung eben dieses Begriffs. Die Frage danach wurde bereits zu Beginn der modernen Sprachwissenschaft vom Schweizer Dialektologen Gauchat 1903 aufgeworfen:

Ein unrichtiges Verfahren ist es ferner, wenn man zuerst eine Definition aufstellt und erst nachher sucht, ob so ein Ding vorhanden sei. Das hat man aber tatsächlich mit den Dialekten getan. Man hat gesagt, ein Dialekt müsse charakteristische Merkmale enthalten, die sonst nirgends vorkommen, er müsse von den Nachbardialekten durch ein an ganz bestimmten Orten durchgehendes Zusammenfallen mehrerer (wenigstens zweier) Lautgrenzen deutlich geschieden sein. Innerhalb des Dialekts müsse eine ungetrübte lautliche Einheit herrschen. Da dies nicht vorkomme, gebe es keine Dialekte. […] Trotzdem besitzen alle Angehörigen eines Dialekts etwas Gemeinschaftliches, an dem man sie erkennt, das in ihnen, wenn sie in der Fremde zusammentreffen, ein freudiges Heimatgefühl weckt. (Gauchat 1903: 96)←429 | 430→

Die kognitive Soziolinguistik (vgl. z. B. Kristiansen 2008) und die romanistische perzeptive Varietätenlinguistik (vgl. z. B. Pustka 2009) haben nun unabhängig voneinander vorgeschlagen, Varietäten nicht nur als soziale Konstrukte in den Repräsentationen der Sprecher zu definieren, sondern diese auch mit Hilfe von Prototypen zu modellieren. Sie gehen davon aus, dass zum einen prototypische Sprecher, zur gleichen Zeit aber auch prototypische ‘Arten zu sprechen’ in den Repräsentationen der Sprecher zu finden sind. Mein Artikel nimmt genau diese Position ein und soll zur methodischen Weiterentwicklung dieser Ansätze beitragen, indem er ebensolche Prototypen mit Hilfe von Perzeptionsexperimenten ermittelt. Die theoretisch interessante Frage lautet dabei, ob die im Zentrum des Prototyps angesiedelten exemplarischen Vertreter einer Varietät zwangsläufig NORMs sind („nonmobile, older, rural males“, Chambers/Trudgill 2004: 29; vgl. auch Abschnitt 2.2.2).

Konkreter Untersuchungsgegenstand sind die als Varietäten verstandenen Akzente (vgl. Abschnitt 2.1) der beiden größten Städte Südfrankreichs, Toulouse und Marseille. Ziel der Studie ist, mit Hilfe eines Perzeptionstests herauszufinden, ob französische Hörer diese beiden Akzente unterscheiden können oder ob es lediglich einen einzigen südfranzösischen Akzent gibt; ob wir also von mehreren südfranzösischen Varietäten oder lediglich von einer einzigen sprechen können. Die Ergebnisse des Perzeptionstests zeigen, dass es auf die Frage nach den innermeridionalen Unterschieden keine eindeutige Antwort gibt: Vielen Hörern bereitet es Schwierigkeiten, die Akzente zu unterscheiden; manche Sprecher werden aber sehr wohl als Sprecher der jeweiligen Region erkannt. Zudem lässt sich beobachten, dass soziale Akzente bisweilen als regionale Akzente interpretiert werden. So stellen die NO(R)Ms tatsächlich die prototypischeren Sprecher dar, jedoch nur im Fall des medial sehr präsenten accent marseillais, der auch als exemplarisch für das Südfranzösische an sich gilt. Es wurden jedoch nicht nur die NO(R)Ms aus Marseille der Stadt Marseille zugeordnet, sondern auch diejenigen aus Toulouse. Hieraus lässt sich schließen, dass wir es nicht nur mit prototypischen Sprechern, sondern auch mit prototypischen regionalen Varietäten zu tun haben: Der Akzent von Marseille kann als Prototyp des Südfranzösischen gesehen werden.

Der Beitrag ist wie folgt strukturiert: Zunächst arbeitet er in Abschnitt 2 den Stand der Forschung zum Begriff der Varietät auf, stellt dann das Konzept der Prototypen vor und skizziert im Anschluss die sprachliche Situation Südfrankreichs. Abschnitt 3 ist der Methodik gewidmet: der Beschreibung des Korpus und der Durchführung des Tests. Die Ergebnisse und ihre Diskussion folgen in Abschnitt 4.←430 | 431→

2 Stand der Forschung

Der Stand der Forschung gliedert sich wie folgt: In Abschnitt 2.1 stelle ich auf Basis der Literatur zum Begriff der Varietät eine neue, kognitive Definition des Begriffs Akzent vor. Den hierfür vorgeschlagenen Prototypenansatz beschreibe ich in Abschnitt 2.2. In Abschnitt 2.3 stelle ich die sprachliche Situation in Südfrankreich dar, im Hinblick auf das okzitanische Substrat, die Prozesse der Nivellierung und Standardisierung sowie die Perzeption der innermeridionalen Variation.

2.1 Der Begriff der Varietät

Der Begriff der Varietät ist eng mit den verschiedenen Dimensionen der Sprachvariation verbunden. Diese Dimensionen erfuhren zu unterschiedlichen Zeitpunkten besonderes Interesse. Bereits zu Beginn der Sprachwissenschaft im 19. Jahrhundert machte die regionale Variation einen beachtlichen Teil sprachwissenschaftlicher Forschung aus. Dies führte dazu, dass sich mit der Dialektologie eine eigene Subdisziplin herausbildete (vgl. z. B. der französische Sprachatlas (ALF) von Gilliéron 1902–10). Obwohl manche Dialektologen bereits früh auf die soziale und stilistische Variation hinwiesen und die Frage stellten, ob die regionale Variation gesondert betrachtet werden kann, widmete sich genau diesen Dimensionen erst deutlich später eine eigene Subdisziplin, die Soziolinguistik (vgl. Labov [1966] 2006). Die insbesondere in der deutschsprachigen Romanistik entwickelte Varietätenlinguistik vereinigt die unterschiedlichen Dimensionen (regional, sozial und stilistisch) in einem Modell (vgl. Coseriu 1988; Koch/Oesterreicher 2011; für einen Überblick vgl. Sinner 2014).

Der in diesem Rahmen zentrale Begriff der Varietät existiert nun bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts (vgl. Ammon/Arnuzzo-Lanszweert 2001: 793; Dufter/Stark 2003: 82). Bis heute ist er jedoch nicht eindeutig geklärt (vgl. Hambye/Simon 2004: 399; Berruto 2004: 189; Sinner 2014: 18–28): „a neutral term to apply to any particular kind of language which we wish, for some purpose, to consider as a single entity“ (Chambers/Trudgill: 2004: 5). Während Coseriu (vgl. 1988: 280) in strukturalistischer Tradition in der Varietät noch ein homogenes Subsystem einer historischen Einzelsprache suchte, unterstreichen andere gerade, dass auch innerhalb der Varietäten immer noch Variation herrscht (vgl. u. a. Weinreich/Labov/Herzog 1968). Im soziolinguistischen Ansatz ging es daher zunächst insbesondere darum, die Kovariationen zwischen sprachlichen Varianten in der parole mit nicht-sprachlichen Faktoren quantitativ zu beschreiben (vgl. u. a. Labov [1966] 2006: 4; Berruto 2004: 189). Siedelt man Varietäten allerdings weiterhin auf der Ebene der langue an (vgl. Weinreich 1954: 389), lassen sie sich am ehesten←431 | 432→ als soziale Konstrukte in den mentalen Repräsentationen der Sprecher begreifen (vgl. Hambye/Simon 2004: 399; Pustka 2009: 80; Schmidt/Herrgen 2011: 49–53).

Bei den regionalen Varietäten des Französischen handelt es sich um in der Schule schriftlich vermitteltes Standardfranzösisch mit dem Substrat von Minderheitensprachen und Dialekten. Statt von Varietäten kann man daher auch von Akzenten sprechen. Im Gegensatz zur Germanistik, wo er bisweilen als „vorwissenschaftliche[r] Begriff“ (Lameli 2004: 38) abgetan wird, ist dieser Begriff im englisch- und französischsprachigen Diskurs weit verbreitet (vgl. z. B. Crystal 2008; Chambers/Trudgill 2004; Durand 2009a). Ich setze ihn für meine Untersuchung des Sprecherwissens bewusst ein, um zu unterstreichen, dass es um die phonetischen und phonologischen Aspekte der regionalen Varietäten geht, die von den Sprechern als solche erkannt und bewertet werden (vgl. Pustka 2007: 9).

Ziel des vorliegenden Artikels ist, diesen kognitiven Ansatz methodisch zu operationalisieren (vgl. Abschnitt 1), und zwar speziell im Hinblick auf regionale Varietäten, den „sprachlichen Varietäten par excellence“ (Krefeld/Pustka 2010: 18). Hierbei stellt sich insbesondere die Frage, ob sich die regionale Dimension wirklich isolieren lässt (vgl. dazu auch Hutterer 1994: 94). In der Tat wurde bereits anhand mehrerer Perzeptionsstudien gezeigt, dass bei der Perzeption regionaler Varietäten immer auch soziale Faktoren in Form von soziokulturellen Stereotypen eine Rolle spielen (vgl. Drager 2010: 477; Gnevsheva 2016: 258). Dies kann so weit führen, dass Hörer soziale Akzente regional uminterpretieren: So deckten in Frankreich Hauchecorne/Ball (vgl. 1997) auf, dass der vermeintliche Akzent der Stadt Le Havre in der Normandie lediglich ein typischer französischer Arbeiterakzent ist, der innerhalb Nordfrankreichs kaum lokalisiert werden kann. Auch ließen sich in einer Studie von Boughton (2006) die Akzente der über 700 Kilometer auseinanderliegenden Städte Nancy (Lothringen) und Rennes (Bretagne) nicht unterscheiden. Hier machte sich die Tendenz bemerkbar, dass die als sozial niedriger identifizierten Sprecher dem Norden oder Osten zugeordnet wurden (traditionelle Kohleregionen) und die sozial höheren Sprecher dem Westen oder Zentrum (mit der Hauptstadt Paris).

Neben der Interaktion der Varietätendimensionen stellt weiterhin die Variation innerhalb einer Varietät die Linguistik vor eine große Herausforderung. Da auch innerhalb kleinster Ortschaften soziale und stilistische Variation herrscht (vgl. bereits Gauchat 1905; Martinet 1956; Encrevé 1967), haben sich Sprachatlanten häufig, wenn auch nicht immer, auf die NORMs konzentriert (vgl. Abschnitt 1). Trotz ihrer vielfach kritisierten mangelnden Repräsentativität (vgl. Milroy/Gordon 2003: 24–26; Chambers/Trudgill 2004: 29) dürften sie jedoch eine besonders prominente Rolle in den Repräsentationen der Hörer spielen (vgl. Abschnitt 3).←432 | 433→

2.2 Prototypen in der Sprachwissenschaft

Wie aber sind nun die kognitiven Repräsentationen strukturiert? Die ökonomischste Möglichkeit scheint die Bildung von Kategorien zu sein: „the task of category systems is to provide maximum information with the least cognitive effort“ (Rosch 1978: 28). Nach aristotelischer Tradition werden Kategorien durch bestimmte Merkmale definiert und alle Vertreter dieser Kategorie genießen den gleichen Status. Diesem Ansatz folgt die strukturalistische Merkmalssemantik von Pottier (vgl. 1963) über das Wortfeld der Sitzgelegenheiten. In seinem bekannten Experiment zur Kategorisierung gezeichneter Tassen zeigte jedoch Labov (vgl. 1973), dass solche Kategorien keine eindeutigen Grenzen haben und es gleichzeitig typischere Tassen als andere gibt (vgl. auch Rosch 1975 zum Beispiel Vogel). Im Gegensatz zu diskreten Kategorien sorgt die kontinuierliche Strukturierung um einen Prototypen mit unscharfen Grenzen für eine schnelle Verarbeitung unserer Wahrnehmungen der Welt (vgl. Rosch/Simpson/Miller 1976: 491). Doch entspricht die Strukturierung um einen Prototypen lediglich der alltagsweltlichen Repräsentationen, während die Wissenschaft der strikten aristotelischen Kategorienbildung weiter folgen sollte (vgl. die Diskussion in Christen 1998: 59).

Da es in der Sprachwissenschaft aber auch über die Semantik hinaus um die Modellierung des Sprecherwissens geht, finden sich die Prototypen-Ansätze mittlerweile auch in der Grammatik (vgl. Koch 1998; Goldberg 2006), Phonetik (vgl. Kuhl 1991; Johnson/Flemming/Wright 1993) und in der Sozio- und Varietätenlinguistik (vgl. Christen 1998; Kristiansen 2008; Pustka 2009). Hierbei stellen sich zwei Fragen: die Frage nach der Art der Kategorienbildung (distinktive Merkmale vs. Gestalt; Abschnitt 2.2.1) sowie die nach dem typischen Vertreter einer Kategorie (NORMs; Abschnitt 2.2.2).

2.2.1 Kategorienbildung: distinktive Merkmale vs. Gestalt

Trubetzkoy (vgl. 1939) legte in seinen Grundzügen der Phonologie den Grundstein der strukturalistischen Phonologie nach dem Vorbild der aristotelischen Kategorisierung: Er grenzt Phoneme in Opposition zueinander streng voneinander ab. Gleichzeitig betont er aber auch die Wichtigkeit der Gestalt ganzer Wörter (vgl. auch die Gestaltphonologie von Krefeld 1999):

Natürlich darf man nicht die Sache zu sehr vereinfachen. Man darf sich die Phoneme nicht etwa als Bausteine vorstellen, aus denen die einzelnen Wörter zusammengesetzt werden. Vielmehr ist jedes Wort eine lautliche Ganzheit, eine Gestalt, und wird auch von den Hörern als eine Gestalt erkannt, ebenso wie man etwa einen bekannten Menschen auf der Straße an seiner ganzen Gestalt erkennt. (Trubetzkoy [1939] 71989: 34)←433 | 434→

Die Frage, ob die Perzeption von Varietäten also von einzelnen, besonders salienten Merkmalen abhängt (vgl. Lenz 2010; Purschke 2011; Auer 2014) oder von einer Gesamtgestalt, ist nicht leicht zu beantworten, denn Perzeption besteht aus einem sehr komplexen Zusammenspiel von Bottom-Up und Top-Down-Prozessen (vgl. die Theorie des Hörerurteils von Purschke 2011: 45–88). Für saliente Merkmale spricht, dass die eindeutig einer Varietät zuordenbaren Schibboleths einen besonders wichtigen Beitrag zur Erkennung regionaler Varietäten leisten (vgl. Purschke 2011: 150). Auch durch Stereotypen geleitete Imitationen reproduzieren häufig lediglich einzelne saliente Merkmale, und diese in übertriebenem Maße (vgl. Pustka 2007: 31). Dagegen fällt jedoch auf, dass Laien bei Befragungen zu Akzenten häufig immer wieder dieselben wiederkehrenden Merkmale nennen. Oft können sie zwar feinere Akzentunterscheidungen vornehmen, sind sich aber der differenzierenden Merkmale nicht bewusst (vgl. Pustka 2010: 134, 146 f.).

2.2.2 Typische Vertreter einer Kategorie: NORMs?

Wenn man Varietäten eine Prototypenstruktur unterstellt, ist die zentrale Frage, welche Sprecher am repräsentativsten für eine Varietät sind. Während Rosch 1973 das Rotkehlchen als das typischste Exemplare der Kategorie ‘Vogel’ identifizierte, stellt sich in der Sozio- und Varietätenlinguistik die Frage, ob hier die in der traditionellen Dialektologie bevorzugten NORMs ihren Platz wiederfinden.

Die kognitive Semantik liefert verschiedene Erklärungsfaktoren für die Positionierung der Exemplare zwischen Zentrum und Peripherie der prototypenhaften Kategorisierung: Zum einen ist es möglich, dass sich die in der jeweiligen Lebenswelt häufig vorkommenden Exemplare näher am Zentrum situieren, die selteneren an der Peripherie. Hierbei weist Rosch (vgl. 1973: 143) jedoch selbst darauf hin, dass dieser Erklärungsansatz rein spekulativ ist, da sich die Frequenz in der Lebenswelt nicht so leicht operationalisieren lässt. Zudem teilen die typischsten Vertreter einer Kategorie mit den anderen Vertretern eine große Zahl an Merkmalen: „To be most representative of, or informative about, items in the category, the best examples of the category should be items that are the most like all other category members“ (Rosch/Simpson/Miller 1976: 492). Des Weiteren ist möglich, dass ein gewisser good-old-days effect besteht, den Rosch/Simpson/Miller (vgl. 1976: 502) aber lediglich in einer Fußnote kurz erwähnen, ohne ihn weiter zu erklären. Eine solche Tendenz, eher veraltete Vertreter einer Kategorie als die typischeren zu kategorisieren, lässt sich durch die Materialität des Vergangenen und die Abstraktheit des Wandels erklären:

Die Prozesse permanenten Wandels […] vollziehen sich entweder zu langsam, als daß wir sie als Wandlungsprozesse in einem Leben überschauen könnten, wie etwa die Evolution←434 | 435→ der belebten Natur. Oder aber wir nehmen die Veränderungen nicht als permanente Wandlungsprozesse wahr, obwohl ihre Geschwindigkeit in bezug auf die Dauer unseres Lebens dies erlauben würde. (Keller 2014: 23)

Aus diesem Grund ist es plausibel, dass unsere Repräsentationen tendenziell ‘konservativ’ sind. Dafür sprechen u. a. ‘tote’ sprachliche Metaphern und nicht mehr transparente Phraseologismen wie jemanden im Stich lassen1 oder nicht-sprachliche Metaphern wie das Telefonhörer-Symbol von WhatsApp.

Auch die Dialektologie konzentrierte sich, wenn auch nicht in allen Sprachatlanten, lange auf die vermeintlich typischsten Sprecher, die sog. NORMs, was in neueren soziolinguistischen Ansätzen kritisiert wird (vgl. Abschnitt 1). Nun haben Perzeptionstests jedoch gezeigt, dass nicht alle Sprecher denselben kognitiven Status in der Perzeption haben. Deshalb schlägt Pustka (vgl. 2009: 78) vor, eben die NORMs in das Zentrum des Prototypen-Modells der Varietät zu setzen. Auf den ersten Blick ergeben sich hierbei aber zwei Probleme: Aufgrund der rural-Komponente eignet sich dieser Prototyp nicht für urbane Varietäten, aufgrund der older-Komponente nicht für Jugendsprache. Allerdings zeigt die neuere Forschung, dass auch in den Städten sowohl ältere als auch jüngere männliche Sprecher sprachlichen Neuerungen gegenüber tendenziell resistenter sind als weibliche (wohingegen Frauen tendenziell normgerechter sprechen, vgl. Labov 1991), weshalb Armstrong (vgl. 2001: 41) sie mit den NORMs vergleicht. Zudem können für manche Varietäten auch jüngere Frauen als Prototypen fungieren (vgl. Altendorf 2017 zum Estuary English).

2.3 Das Südfranzösische

Der bekannteste französische Akzent ist der südfranzösische (vgl. Kuiper 1999: 260; Pustka 2010: 123). Dies liegt zum einen an seiner großen Medienpräsenz (z. B. durch die in Marseille spielenden Filme von Marcel Pagnol), zum anderen an der Beliebtheit Südfrankreichs als Urlaubsziel. Studien zum Varietätenbewusstsein haben gezeigt, dass die Franzosen diesen Akzent mit Sonne, Ferien, Lavendel und Olivenöl assoziieren (vgl. Kuiper 1999: 260; Pustka 2010: 137). In den Repräsentationen der Südfranzosen selbst existiert allerdings nicht ein einziger südfranzösischer Akzent, sondern mehrere (vgl. Pustka 2010: 129). Dies erklärt sich insbesondere durch die regionale Variation des okzitanischen Substrats, das ich im Folgenden beschreibe (vgl. Abschnitt 2.3.1), bevor ich auf die Prozesse der Nivellierung und Standardisierung (vgl. Abschnitt 2.3.2) sowie die←435 | 436→ südfranzösischen Akzente in Repräsentationen und Perzeption eingehe (vgl. Abschnitt 2.3.3).

2.3.1 Innermeridionale Unterschiede durch Dialekte des Okzitanischen

Bis vor einem Jahrhundert war die im südlichen Drittel des heutigen Frankreichs gesprochene Sprache das Okzitanische, das sich wiederum dialektal untergliederte: vom Gaskognischen im Westen bis zum Provenzalischen im Osten und dem Limousinischen und Auvergnatischen im Norden (vgl. Kremnitz 1981: 12); heute ist das Okzitanische vom Aussterben bedroht (vgl. Bossong 2008: 123). Selbstverständlich sind die Besonderheiten des Südfranzösischen nicht allein auf das jeweilige Dialektsubstrat zurückzuführen (vgl. Durand 2009b: 127; Boyer 1988: 75). Vermutlich beeinflussen diese alten Dialektgebiete und die an sie gekoppelten Kulturräume jedoch bis heute die Repräsentationen der Sprecher zum Südfranzösischen.

Insbesondere die Provence mit ihrer Hauptstadt Marseille grenzte sich schon immer stark vom übrigen okzitanischen Gebiet ab, da sie erst 1481 in das französische Gebiet eingegliedert wurde (Nizza beispielsweise erst 1860, vgl. Christadler/Uterwedde 1999: 575). Mit der Renaissancebewegung des Félibrige um Frédéric Mistral im 19. Jahrhundert verfestigte sich diese eigene Identität (vgl. Blanchet 2004: 135). Das Zentrum der gesamtokzitanistischen Bewegung ist dagegen Toulouse mit seinem Institut d’Estudis Occitan (vgl. Blanchet/Schiffman 2004: 9). Die übrigen Substratgebiete (Gascogne, Limousin und Auvergne) haben in der sprachlichen Renaissance eine geringere Rolle gespielt, da sie keine prestigeträchtigen urbanen Zentren aufweisen (vgl. Kremnitz 1981: 10 f.). Deshalb liegt der (vermeintliche) Unterschied zwischen Marseille für den Südosten und Toulouse für den Südwesten im Fokus meines Perzeptionstests (vgl. Abschnitt 3).

2.3.2 Nivellierung und Standardisierung

So wie in Nordfrankreich scheint auch in Südfrankreich die Unterscheidung regionaler Varietäten immer schwieriger zu werden (vgl. Armstrong/Pooley 2010: 194). Dies erklärt sich mit vereinheitlichenden Tendenzen sowohl auf horizontaler als auch auf vertikaler Achse: Nivellierung und Standardisierung (vgl. Armstrong 2001: 4; Foulkes/Docherty [1999] 2014: 26). Während die horizontale Nivellierung zwischen den regionalen Varietäten ein Ergebnis regionaler Mobilität ist, erklärt sich die vertikale Standardisierung durch eine Anpassung an die Norm mit ihrem offenen Prestige (overt prestige; vgl. Labov [1966] 2006: 402). Zugleich genießt die regionale Varietät jedoch mit ihren identitätsstiftenden Eigenschaften zumeist verdecktes Prestige (covert prestige; vgl. Labov [1966] 2006: 402). Die←436 | 437→ regionalen Varietäten sterben daher nicht zwangsläufig aus; sie beschränken sich aber möglicherweise zunehmend auf den Nähebereich. Es stellt sich die Frage, wie weit Nivellierung und Standardisierung vorangeschritten sind, und ob überhaupt noch Unterschiede innerhalb Südfrankreichs bestehen. Diese Unterschiede wurden bislang nicht systematisch untersucht (vgl. Pooley 2007: 51). Lediglich Coquillon (vgl. 2005) beobachtet, dass das Schwa in Toulouse länger ist als in Marseille. Auch scheint es in den Nasalvokalen sowie der Prosodie Unterschiede zu geben (vgl. Abschnitt 3.2).

2.3.3 Perzeption und Repräsentationen der südfranzösischen Akzente

In den nicht-sprachlichen Repräsentationen der Franzosen scheint es sowohl eine Gesamtvorstellung von Südfrankreich zu geben (Urlaub, Sonne) als auch Unterschiede zwischen Marseille und Toulouse. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass mit Marseille sowohl Meer und Hafen als auch Kriminalität, Migration und Drogenhandel assoziiert werden, Toulouse hingegen als Universitätsstadt und Luftfahrtzentrum (Airbus) gilt. Auch die sprachlichen Repräsentationen unterscheiden sich entsprechend: Der accent marseillais gilt als vulgär, nicht aber der accent toulousain (vgl. Pustka 2010: 137; Gasquet-Cyrus 2016: 164).

In den bisherigen Perzeptionstests konnten die Informanten die beiden Akzente jedoch nicht so einfach unterschieden (vgl. Coquillon 2005; Woehrling/Boula de Marüil 2005; Pustka 2010). Zwar ordnet ein Großteil der Hörer einzelne Sprecher korrekt zu (v. a. bei Coquillon 2005), jedoch bereitet die Zuordnung der Mehrzahl der Sprecher große Probleme. Aufgrund der jedoch insgesamt nur sehr geringen Teilnehmerzahlen sowie der nicht systematischen Auswahl der Sprecher und Hörer können diese Arbeiten aber lediglich als Vorstudien gewertet werden.

Wichtig ist, dass bei Perzeptionstests häufig verschiedene Effekte zum Tragen kommen, wie der Einverleibungseffekt (vgl. Pustka 2010: 145) sowie der der cultural prominence effect (vgl. Montgomery 2012; Leach/Watson/Gnevsheva 2016). Der Einverleibungseffekt besagt, dass Informanten in Perzeptionstests weniger lokal markierte Stimuli tendenziell in ihre eigene Stadt bzw. in ihre Nähe einordnen. Bei dem cultural proximity effect geht es dagegen darum, dass Akzente von Orten mit hoher kultureller Salienz in Perzeptionstests besser identifiziert werden (vgl. Leach/Watson/Gnevsheva 2016: 193). Wenn nun also ein Ort eine höhere Medienpräsenz aufweist, ist es möglich, dass genau dieser besser identifiziert wird.←437 | 438→

3 Methode

Die Konfrontation mit sprachlichen Stimuli ermöglicht einen direkten Zugang zu den perzeptiven Repräsentationen. Meine Methode zur Untersuchung der Fragen, ob die Varietäten tatsächlich diskriminiert werden können und welche nun die prototypischen Sprecher der südfranzösischen Akzente sind, werde ich im Folgenden beschreiben.

3.1 Korpus

Grundlage des Perzeptionstests ist ein Korpus von Sprachaufnahmen, das ich von Mitte April bis Ende Mai 2015 zusammengestellt habe. Es besteht aus einer Quotenstichprobe von 64 Sprechern in Toulouse und Marseille. Die angestrebte Idee war, je nach Altersgruppe (18–30, 31–65 und über 65), Geschlecht (männlich, weiblich) und Bildungsgrad (mit baccalauréat bzw. ohne) 12 Kategorien pro Stadt zu bilden und für jede Kategorie drei Sprecher aufzunehmen (also insgesamt 2x3x12 = 72 Sprecher). Die Sprecher sind alle in der jeweiligen Stadt (einschließlich öffentlichem Nahverkehrsbereich) geboren und haben dort ihr gesamtes Leben verbracht (max. vier Jahre an einem anderen Ort). Zusätzlich ist jeweils mindestens ein Elternteil im Südosten oder Südwesten geboren (eine stärkere Fokussierung auf die beiden Städte war aufgrund der hohen Mobilität nicht möglich). Da im Feld sowohl Zeit als auch Mittel begrenzt sind, fehlen im angestrebten Raster von 72 Sprechern acht Sprecher (vgl. Tabelle 1). Die Sprecher wurden folgendermaßen kodiert: Der erste Bestandteil verweist auf ihre Herkunftsstadt (T für Toulouse, M für Marseille), die erste Zahl auf die Reihenfolge, in der die verschiedenen Sprecher aufgenommen wurden, und die abschließende Zahl auf das Alter der jeweiligen Person zum Zeitpunkt der Aufnahme.←438 | 439→

Tabelle 1: Sprecher aus Toulouse und Marseille

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All diese Informanten lasen die Wortliste und den Text des Projekts PFC vor (Phonologie du Français Contemporain; vgl. Durand/Laks/Lyche 2002, 2009; Detey et al. 2016). Aufnahmegerät war ein Zoom H4n, mit dem Aufnahmeformat 44,1kHz/16 Bit, bei besonders unruhiger Umgebung zusätzlich ein Headset-Mikrofon von Sennheiser. Die in Stereo erstellten Aufnahmen wurden anschließend für den Perzeptionstest in Mono umgewandelt.

3.2 Stimuli, Aufbau und Teilnehmer des Perzeptionstests

Aufgrund meiner Hypothese, dass die Unterschiede zwischen dem Toulouser und dem Marseiller Akzent neben der Prosodie v. a. im Schwa und in den Nasalvokalen liegen (vgl. Abschnitt 2.3.1), habe ich einen längeren Satz aus dem PFC-Text ausgewählt, der besonders viele Nasalvokale (gefettet) und Schwas (unterstrichen) enthält:

Jusqu’ici, les seuls titres de gloire de Beaulieu étaient son vin blanc sec, ses chemises en soie, un champion local de course à pièd, Louis Garret, quatrième aux jeux olympiques de Berlin en mille neuf-cents trente-six et plus récemment, son usine de pattes italiènnes.←439 | 440→

Zusätzlich habe ich die isolierten Wörter miette ([mijɛtə] statt standardfranz. [mjɛt]) und content ([kɔntaŋ] statt standardfranz. [kɔ̃tɑ̃]) aus der Wortliste als Stimuli (insgesamt 192) ausgewählt. Alle Stimuli habe ich normalisiert, damit sie sich in der Lautstärke nicht unterschieden.

Die online durchgeführte Umfrage begann mit soziodemographischen Angaben und offenen Fragen zu Assoziationen mit den Akzenten der beiden Städte. Darauf folgte der Perzeptionstest. Eine abschließende Frage nach den Unterschieden zwischen den Akzenten von Toulouse und Marseille sollte ermitteln, welche sprachlichen Merkmale den Hörern aufgefallen waren. Im Perzeptionstest mussten die Sprecher pro Stimulus lediglich eine einzige Frage beantworten: „Ce locuteur, vient-il de Toulouse ou de Marseille?“ (dt.: ‘Kommt dieser Sprecher aus Toulouse oder aus Marseille?’) Die möglichen Antwortkategorien waren „Toulouse“, „peut-être Toulouse“, „Marseille“, „peut-être Marseille“, „je ne sais pas“ (dt.: ‘Toulouse’, ‘vielleicht Toulouse’, ‘Marseille’, ‘vielleicht Marseille’, ‘ich weiß nicht’). Da es sich bei der Unterscheidung der innermeridionalen Akzentunterschiede den bisherigen Studien zufolge (vgl. Abschnitt 2.3.3) um eine sehr schwierige Aufgabe handelt, sollten die Informanten auf diese Weise ermutigt werden, eine Antwort abzugeben, auch wenn sie sich nicht sicher sind. Die abgestuften Antwortkategorien entsprechen zudem der kontinuierlichen Kategorisierung des Prototypenansatzes (vgl. Abschnitt 2.2).

Aufgrund der großen Anzahl (192) und der gleichzeitig sehr geringen Variation der Stimuli (ein Satz und zwei Wörter) habe ich diese auf verschiedene Tests mit je 36 Stimuli aufgeteilt. Jeder Teilnehmer hörte den Satz und die Wörter miette und content von jeweils 12 verschiedenen Sprechern.2 Damit Ermüdungserscheinungen und Experimentabbrüche bei der Auswertung später weniger ins Gewicht fallen würden, rotierte die Reihenfolge der Stimuli. Insgesamt dauerte der Test ca. acht Minuten.

Der Test wurde online durchgeführt. Dies hat nicht nur den Vorteil des geringeren Aufwands, sondern bietet auch die Möglichkeit der Randomisierung und Rotation der Stimuli für jeden einzelnen Teilnehmer. Der Nachteil besteht allerdings darin, dass ältere Personengruppen kaum teilnehmen und es damit zu einer systematischen Verzerrung kommt. Auch hat der Forscher keine Kontrolle über die äußeren Experimentbedingungen.3 Der Test lief über das vom Institut für←440 | 441→ Phonetik und Sprachverarbeitung der LMU München programmierte Web-Tool Percy (vgl. Draxler 2011). Vorteil dieser Plattform ist, dass die hier eingebetteten Stimuli auch als .wav-Dateien mit unterschiedlichen Browsern (und sogar mit dem Smartphone) abspielbar sind, was bei vielen anderen Plattformen (z. B. soscisurvey oder ibex.farm) Probleme bereiten kann. Auch ist die Verwendung der Plattform kostenlos und die Betreuung durch die Betreiber sehr gut.

Der Test war von November 2015 bis Mai 2016 online. Um Informanten für den Test zu rekrutieren, sprach ich bei meinen Feldforschungsaufenthalten in Toulouse und Marseille Studenten an den Universitäten an und verteilte Flyer mit QR-Codes für den Test. Zudem machte ich Werbung in verschiedenen Studentengruppen auf Facebook. Insgesamt nahmen 177 Personen am Test teil; 54 wohnten im Südosten, 85 im Südwesten. Es handelte sich überwiegend um Studenten (Durchschnittsalter: 26 Jahre). Zwei Drittel der Informanten waren weiblich und ein Drittel männlich. Es handelte sich also nicht um eine repräsentative Stichprobe.

4 Ergebnisse und Diskussion

Tabelle 2 zeigt Identifikationsraten in % pro Sprecher. Zugrunde liegt die Anordnung der Sprecher in Tabelle 1. Die Identifikationsraten berechnen sich aus den Antworten zu allen drei Stimuli pro Sprecher, in denen die Hörer sich getraut haben, eine Einschätzung vorzunehmen. Die ich weiß nicht Antworten wurden demnach hierfür nicht gezählt. Gleichzeitig wurden die vielleicht Toulouse mit den Toulouse Antworten, sowie die vielleicht Marseille mit den Marseille Antworten zusammengezählt. Eine Identifikationsrate ergibt sich also aus den korrekten Antworten für alle drei Stimuli (ob nun sicher oder unsicher) geteilt durch korrekte Antworten und falsche Antworten. Je höher die Identifikationsrate, desto dunkler ist das Feld.

Das globale Ergebnis des Tests legt nahe, dass die perzeptive Unterscheidung der Akzente von Toulouse und Marseille nicht einfach ist: Von 64 Sprechern wurden nur 30 (also 47 %) von mehr als 54 % der Hörer erkannt (vgl. Tabelle 2).4←441 | 442→

Tabelle 2: Sprecher mit Identifikationsraten

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Die Sprecher, die am besten (von über 75 % der Hörer) erkannt wurden, sind eine junge weibliche Sprecherin aus Toulouse (T16_20, 77 %) und zwei ältere männliche Sprecher aus Marseille (M9_65, 85 % und M2_54, 78 %). Die Stimuli dieser drei Sprecher weisen folgende Auffälligkeiten auf: Während die junge Sprecherin T16_20 eher standardsprachlich spricht (kein nasaler Appendix bei content sowie eine sehr geringe Realisierungsrate finaler Schwas; von acht möglichen finalen Schwas realisiert sie lediglich einen), realisieren beide Herren aus Marseille sowohl nasale Appendizes bei content sowie jeweils fünf von möglichen acht finalen Schwas. Auch die Sprecherin T6_84, die lediglich in 23 % der Fälle für eine Toulousaine und somit in 77 % Prozent der Fälle für eine Marseillaise gehalten wurde, realisiert mit ihren sechs Schwas sogar mehr als die beiden Herren. Ein←442 | 443→ stärkerer südfranzösischer Akzent (hier gemessen anhand finaler Schwas und nasalem Appendix) scheint also dazu zu führen, dass Sprecher nach Marseille eingeordnet werden. Deshalb ist es möglich, dass gerade die Sprecher, bei denen sich die Standardisierung am stärksten bemerkbar macht (weibliche gebildete jüngere Sprecher), eher Toulouse zugeordnet werden, während die älteren ungebildeteren männlichen Sprecher eher Marseille zugeordnet werden.

Wenn man nun beide Städte jeweils für sich betrachtet und die Sprecher in verschiedene Gruppen aufteilt, zeigt sich, dass tatsächlich die Faktoren Alter, Bildungsgrad sowie Geschlecht der Sprecher signifikante Unterschiede in den Identifikationsraten ausmachen (s. u.). Gleiches gilt für die Herkunft der Hörer. In Toulouse führt lediglich das Geschlecht der Sprecher für die korrekte Identifikation zu keinem signifikanten Unterschied und in Marseille der Wohnort der Hörer (vgl. Tabelle 3).

Tabelle 3: Identifikationsraten der verschiedenen Stimuli, geordnet nach Kriterium; Ergebnis von chi2-Test

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Es lässt sich also die Tendenz beobachten, dass in Toulouse eher die jüngeren und gebildeteren Personen – gleich ob Mann oder Frau – korrekt erkannt werden, in Marseille dagegen eher die mittleren und älteren weniger gebildeteren Männer. Diejenigen Marseillais, die tatsächlich erkannt werden, sind somit tendenziell tatsächlich eher die NO(R)Ms (vgl. Tabelle 2). Dies ist mit der höheren Medienpräsenz (vgl. Abschnitt 2.3.3) und dem daraus resultierenden cultural prominence effect (vgl. Abschnitt 2.3.3) des Marseiller Akzents zu erklären.←443 | 444→

In Toulouse kommt dagegen der Einverleibungseffekt (vgl. Abschnitt 2.3.3) zum Tragen: Personen aus dem Südwesten erkennen besser den Toulouser Akzent. Auch lässt sich eine Korrelation zwischen Regionalem und Sozialem beobachten. Der Perzeptionstest bestätigt die bisherigen Ergebnisse zu den Repräsentationen: Mit Toulouse verbindet man tendenziell eine elegantere Sprechweise und mit Marseille einen vulgäreren Stadtakzent (vgl. Abschnitt 4.2). Da die jüngeren gebildeteren Sprecher in beiden Städten mit weniger Akzent sprechen als die älteren weniger gebildeteren Sprecher (Standardisierung; vgl. Abschnitt 2.3.2), werden diese eher Toulouse zugeordnet.

Hieraus ließe sich schließen, dass die prototypischen Sprecher des Toulouser Akzents jung und gebildet sind, während den prototypischen Sprecher aus Marseille genau das Gegenteil ausmacht. Eine andere Interpretation ist allerdings naheliegender: Dadurch, dass die Stimuli lediglich vorgelesene Sprache enthielten, war es für die Hörer nicht möglich, die beiden ohnehin sehr ähnlichen Akzente zu unterscheiden. Deshalb wurden diejenigen Sprecher mit stärker markiertem südfranzösischem Akzent, insbesondere die NO(R)Ms, dem Akzent zugeordnet, der das Zentrum des Prototyps des gesamtsüdfranzösischen Akzents ausmacht: dem accent marseillais.

5 Fazit

Die Ergebnisse des Tests legen nahe, dass das dialektologische Konzept der NORMs, das von der Soziolinguistik stark kritisiert wurde, aus Sicht der Perzeptionslinguistik durchaus seine Daseinsberechtigung hat: NORMs spielen tatsächlich eine wichtige Rolle in den Repräsentationen der Sprecher. Auch wenn der Untersuchungsgegenstand des Perzeptionstests zwei Stadtakzente waren und dieser Begriff demnach nur mit Einschränkung verwendet werden kann, wird die Sprechergruppe der älteren Herren (NO(R)Ms) im Perzeptionstest anders bewertet als die übrigen Sprecher. Es gibt die klare Tendenz, genau diese Sprecher Marseille zuzuordnen. Man kann also die NO(R)Ms im Zentrum des Prototyps des Marseiller Akzents und des südfranzösischen Akzents an sich sehen; letzteres aufgrund des Prototypencharakters Marseilles für ganz Südfrankreich. Ob dies nun daran liegt, dass ein stärker markierter südfranzösischer Akzent, der bei diesen Sprechern zu vermerken ist, eher Marseille zugeschrieben wird, oder ob für die Teilnehmer des Perzeptionstests die außersprachlichen Faktoren (älter, männlich, niedrigerer Bildungsgrad), die sich aber wiederum in Form sozialer Akzente in ihrer Sprache widerspiegeln, ausschlaggebend war, können wir zu diesem Zeitpunkt nicht determinieren. Wenn wir allerdings von letzterem ausgehen, können wir konstatieren, dass in meiner Studie, wie bei der von Boughton←444 | 445→ (2006) zu Nordfrankreich (vgl. Abschnitt 2.1), nicht die regionalen, sondern die sozialen Akzente von den Hörern erkannt wurden. Diese wurden dann jedoch der regionalen und somit falschen Dimension zugeordnet. Es ist also möglich, dass wir es nicht mit einem Prototypen, sondern mit soziokulturellen Stereotypen zu tun haben.

Die Frage, ob man nun tatsächlich von zwei verschiedenen regionalen Varietäten sprechen kann oder ob man von einem gesamtsüdfranzösischen oder zumindest südfranzösischen Stadtakzent ausgehen sollte, kann mit diesem Test nicht eindeutig geklärt werden, auch wenn der große Einfluss der sozialen Stereotype der jeweiligen Stadt auf die Ergebnisse des Perzeptionstests letzteres nahelegt. Fest steht, dass aufgrund der Standardisierung und des Levellings sowie der Tatsache, dass die Stimuli zwar südfranzösische Charakteristika, nicht aber speziell Charakteristika der beiden Städte aufwiesen, Akzentunterschiede zwischen den beiden Städten kaum ausgemacht werden konnten. Es ist möglich, dass die Auswahl der Stimuli zu genau diesem Ergebnis beigetragen hat: Dadurch, dass Stimuli vorgelesener Sprache verwendet wurden, waren die regionalen Merkmale weniger stark ausgeprägt. Deshalb sollte die Frage nach der Einteilung Südfrankreichs in verschiedene regionale Varietäten unter Einbeziehung spontansprachlicher neben gelesenen Stimuli sowie Sprecher vom Land neben den beiden großen Städten noch weiter erforscht werden.

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1 Nach Gehr (vgl. 2014: 25) lässt sich dieser Phraseologismus entweder durch mittelalterliche Turniergepflogenheiten oder durch das Schneidern erklären.

2 Man hörte pro Art des Stimulus 12 Sprecher: pro Stadt je einen männlichen und einen weiblichen Sprecher aus den drei Altersgruppen.

3 Aus diesem Grund wurde ein zweiter Test vor Ort durchgeführt. Überaschenderweise erwiesen sich die Ergebnisse des Offline-Tests allerdings als weniger korrekt als die des Online-Tests.

4 Ich habe die Daten mit dem Statistikprogramm R ausgewertet (R development core team 2008) und für die Signifikanztests den chi2-Test verwendet. Für eine übersichtlichere Darstellung wurden die ich weiß nicht-Antworten nicht in die Identifikationsraten miteinberechnet.