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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹

Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938

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Edited By Primus-Heinz Kucher and Rebecca Unterberger

Die Oktoberrevolution von 1917 und die Gründung der Sowjetunion zog politisch-ideologisch wie kulturell-künstlerisch im deutschsprachigen Raum hohe Aufmerksamkeit auf sich und polarisierte die intellektuelle Öffentlichkeit. Insbesondere in der Ersten Republik bzw. im ›Roten Wien‹ stießen manche ihrer Impulse auf Resonanz, andere auf dezidierte Zurückweisung. Auch im bürgerlichen Kunst- und Literaturbetrieb, zum Beispiel dem der Musik, des Theaters oder des Films wurden (sowjet)russische Entwicklungen wahrgenommen und diskutiert. Der Band widmet sich solchen Rezeptionsbeziehungen, arbeitet ihre zum Teil erstaunliche Resonanz heraus, verortet sie in zeittypischen Diskursen wie dem des Aktivismus, der Theater- und Musikavantgarde, aber auch, kontrastierend-komplementär, dem des zeitgenössischen Amerika-Diskurses.

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„Hört Moskau!“ Russische Literatur in der Roten Fahne

Stefan Simonek

„Hört Moskau!“ Russische Literatur in der Roten Fahne

Abstract: The essay offers a closer look at the presentation of Russian literature and culture in the daily newspaper Die Rote Fahne [“The Red Flag”] between 1921 and 1930. As a rule, the official newspaper of the Austrian Communist Party did not pay any attention to the aesthetic devices of the Russian avant-garde movement of the 1920s, but interpreted literature in a strictly ideological manner influenced by the politics of the USSR.

Zur Zeit der Donaumonarchie und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg fungierten in Österreich vor allem die großen überregionalen Tageszeitungen Neue Freie Presse, Arbeiter-Zeitung beziehungsweise (in geringerem Ausmaß) Reichspost1 als Informationskanäle in Sachen russischer Literatur und Kultur: Neben anderen Formaten wie etwa der aus der gleichnamigen Wiener Wochenschrift hervorgegangenen Zeit berichteten diese weltanschaulich an das liberale Großbürgertum, die Sozialdemokratie beziehungsweise die Christlich-Sozialen gebundenen Blätter regelmäßig über das russische Kulturleben, über Gastspiele russischer Theatergruppen in Österreich oder über russische Literatur, die zudem durch Fortsetzungsromane und Übersetzungen in ausgewählten Textzeugnissen präsent war. Für die Zeit der Jahrhundertwende hat Stephanie Strini 2010 in einer materialreichen Diplomarbeit die absolute Dominanz von Lev Tolstoj und Maksim Gor’kij (etwa auch gegenüber Fёdor Dostoevskij und Anton Čechov) auf den Seiten der Neuen Freien Presse, der Arbeiter-Zeitung und der Reichspost nachweisen können.2 Zu diesen weltanschaulich deutlich ausdifferenzierten ←369 | 370→Blättern trat nach dem Auseinanderbrechen der Donaumonarchie als weitere eindeutig ideologisch ausgerichtete Tageszeitung ab dem Jahr 1919 die Rote Fahne als Zentralorgan der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Deren Vorgängerin war Die Soziale Revolution, die am 26. Juli 1919 erstmals als Die Rote Fahne – mit einem Foto von Karl Liebknecht auf der Totenbahre als Aufmacher – erschien.3 Die dem Titel nach an der gleichnamigen Tageszeitung der Kommunistischen Partei Deutschlands orientierte Rote Fahne4 wurde nach anfänglich viertägiger Erscheinungsweise seit dem 16. September 1919 täglich herausgegeben.

Als Folge der politischen Konflikte in den dreißiger Jahren stand die Zeitung von März bis Juli 1933 unter Vorzensur und danach kurz unter verschärfter Vorlagepflicht, ehe sie am 10. Juli mit Kolportageverbot belegt wurde; spätere Ausgaben konnten daher nur unregelmäßig und im Ausland, etwa in der Tschechoslowakei, erscheinen.

Eine systematische Durchsicht sämtlicher Jahrgänge5 würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Dies scheint freilich insofern nicht notwendigerweise geboten, als sich eine denkbare Hypothese sehr rasch falsifizieren lässt: die ←370 | 371→Hypothese, dass sich auf den Seiten des Blattes eine breitere, durch die grundlegenden historischen Veränderungen zusätzlich noch befeuerte Berichterstattung zur politisch links orientierten Kunst der russischen Avantgarde finden könnte. Was die kulturpolitische Linie der Zeitung wesentlich prägte, war vielmehr eine weitgehende Hörigkeit in Richtung Moskau, die sich auch über den regelmäßig wiederholten Appell an die Arbeiterschaft, das Moskauer Radioprogramm zu hören, manifestierte: „Hört Moskau!“6

Für eine eigenständige, von den jeweils gerade in der Sowjetunion ausgegebenen politischen Direktiven unabhängige Auseinandersetzung mit neuen künstlerischen Strömungen war in der Roten Fahne offensichtlich kein Platz.7 Deutlich wird dies etwa an der Positionierung gegenüber Lev Trockij: Anfangs noch neben Lenin und Stalin als einer der zentralen politischen und ideologischen Köpfe der bolschewistischen Führung herausgestellt, avanciert er im Zuge seiner politischen Marginalisierung in der Sowjetunion aber rasch zur „Unperson“.

Um dessen ungeachtet einen einigermaßen aussagekräftigen Querschnitt durch die Jahrgänge der Roten Fahne in Bezug auf die Präsenz russischer Literatur zu bieten, orientiert sich der vorliegende Beitrag an den Todesdaten dreier im Kontext von Moderne und Avantgarde zentraler Dichter der russischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts: Aleksandr Blok, Sergej Esenin und Vladimir Majakovskij. Diese drei Autoren bieten sich darüber hinaus auch insofern als produktiver Orientierungspunkt an, als sie stellvertretend für drei zentrale Gruppierungen der russischen Literatur stehen: Blok zählt neben Andrej Belyj und Vjačeslav Ivanov zu den wichtigsten Vertretern des mythopoetischen ←371 | 372→Symbolismus, der im Unterschied zur ersten, frankophilen Generation der russischen Symbolisten insgesamt zur deutschen Kultur hin orientiert gewesen ist. Esenin firmiert als der mit Abstand bedeutendste Repräsentant des russischen Imaginismus, und Majakovskij hat sich gemeinsam mit Velimir Chlebnikov und Aleksej Kručёnych zur Gruppierung der russischen Kubo-Futuristen zusammengeschlossen, der vielleicht bedeutendsten Kraft innerhalb der russischen Avantgarde.

Der frühe Tod Bloks und der Freitod Esenins beziehungsweise Majakovskijs (inklusive der jeweiligen Abschiedsgedichte und Majakovskijs in Gedichtform gekleidete Kritik an Esenins Entscheidung für die Selbsttötung) riefen in der russischen Öffentlichkeit starke Reaktionen hervor.8 In Kombination mit der Berichterstattung über die Beisetzung der Poeten schrieb sich hier das symbolisch aufgeladene Narrativ vom Tod des Dichters fort, für das der Duelltod Aleksandr Puškins im Jahre 1837 prägend blieb.9

Zudem lenkt die chronologische Abfolge der genannten Todesfälle der Jahre 1921, 1925 und 1930 den Blick auf ein Jahrzehnt russischer Literatur in ihren postrevolutionären Evolutionsschritten: vom Kriegskommunismus über die Zeit der NĖP, der „Neuen Ökonomischen Politik“ Mitte der 1920er Jahre, bis hin zur sukzessiven Monopolisierung und Reglementierung des kulturellen Lebens am Ende des Jahrzehnts, die Majakovskij in seinen späten, dystopischen Komödien Klop (dt. Die Wanze) und Banja (dt. Das Schwitzbad) satirisch zur Darstellung gebracht hat. Über die Lebens- und die Kunsttexte der drei Dichter lassen sich somit diese drei „Entwicklungsphasen“ des kulturellen Lebens in der Sowjetunion im ersten Dezennium ihres Bestehens zu Symbolismus, Imaginismus und Futurismus in Beziehung setzen.

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1 Die Rote Fahne im August 1921

Beginnen wir die Sichtung des Materials also im Jahre 1921, als Aleksandr Blok am 7. August in Petrograd – dem ehemaligen St. Petersburg und künftigen Leningrad – im Alter von lediglich vierzig Jahren verstirbt. Drei Tage später findet sich in der Roten Fahne in der Rubrik „Vom Tage“ eine knapp gehaltene Notiz darüber,10 in der Blok als einer der bekanntesten Dichter der letzten Generation bezeichnet wird, dessen auch ins Deutsche übersetztes Revolutionsgedicht Zwölf (im russischen Original: Dvenadcat’) ihn besonders populär gemacht habe. Auffallend ist hier die Verengung der Rezeption auf einen Text, mit dem sich Blok in durchaus ambivalenter Weise mit dem in seiner Wahrnehmung viel eher als eschatologisch-apokalyptische Wende denn als politisches Ereignis zu fassenden Revolutionsgeschehen auseinandergesetzt hat. Zwölf sollte auch späterhin ein zentrales Moment für die Aufnahme Bloks im deutschen Sprachraum bleiben;11 die verschiedenen Übersetzungen des metrisch und motivisch überaus komplexen Poems, wie z.B. von Johannes von Guenther aus dem Jahr 1947 oder von Paul Celan aus dem Jahr 1958, legen davon nachdrücklich Zeugnis ab.12

Die weitere Berichterstattung zur russischen Literatur stand im August 1921 zur Gänze im Zeichen zweier politisch, aber auch literarisch völlig gegensätzlicher Autoren, nämlich Maksim Gor’kijs und Dmitrij Merežkovskijs. Ausgehend von dem bereits um die Jahrhundertwende starken Interesse für das Werk, aber auch die Biographie Gor’kijs13 bringt die Rote Fahne zwischen dem ←373 | 374→9. und 12. August in vier Folgen Gor’kijs Erzählung Die Geburt eines Menschen (russ. Roždenie čeloveka) aus der Sammlung Wanderungen durch Russland (russ. Po Rusi). Der Übersetzer aus dem Russischen wird nicht genannt; angesichts der starken Resonanz, die Gor’kijs Werke im deutschsprachigen Raum gefunden haben, könnte es sich um einen Nachdruck einer bereits andernorts veröffentlichten Übersetzung handeln. Als unausgewiesene Quellen kämen die von August Scholz übersetzte Novellensammlung Wie ein Mensch geboren ward (Berlin 1914) oder die Zeitschrift Die Gleichheit, in der Wie ein Mensch geboren ward 1915 ebenfalls abgedruckt wurde, infrage; ins Auge springt in der Roten Fahne jedenfalls der von Geburt eines Menschen abweichend gewählte Titel.14

Am 16. August stehen in einem Bericht mit dem Titel „Die geistigen Stützen der Konterrevolution“ dann sowohl Gor’kij als auch Merežkovskij im Zentrum der Aufmerksamkeit. Gegenstand ist eine Kontroverse, entfacht durch einen offenen Hilferuf Gor’kijs an Gerhart Hauptmann, der am 18. Juli 1921 unter drei verschiedenen Titeln in drei deutschen Zeitungen (unter anderen im Vorwärts und in der Roten Fahne) erschienen ist.15 Gor’kij bat darum, so rasch wie möglich Brot und Medikamente nach Russland zu schicken, um dem von Missernten geplagten russischen Volk zu helfen.16 Hauptmann antwortete Gor’kij am 25. Juli 1921 und ließ seinen Brief noch im Oktober 1945 von Johannes R. Becher vorlesen: Seine Antwort von 1921 wollte er dann auf die aktuelle Lage Deutschlands unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs bezogen wissen.17

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Am 13. August 1921 reagierte denn auch der mit seiner Frau Zinaida Gippius nach Paris emigrierte Dmitrij Merežkovskij auf Gor’kijs Ersuchen, indem er in der in Paris erscheinenden Zeitung Obščee delo (dt. Die gemeinsame Sache) einen mit „Wiesbaden, am 1. August 1921“ datierten Brief an Hauptmann veröffentlichen ließ.18 Merežkovskij deutet in seinem mit Zitaten und Paraphrasen aus der Bibel unterfütterten Schreiben die Bolschewiken in religiöser Weise als Mächte des Bösen,19 Gor’kij selbst als hinterlistigen Feind des russischen Volkes, dem man kein Vertrauen schenken dürfe, und die Hungersnöte als zielgerichtet eingesetztes Mittel der politischen Unterdrückung durch die neuen Machthaber. Im Artikel der Roten Fahne wird nun in polemischer Absicht folgende Passage aus Merežkovskijs Brief in einer deutschen Übersetzung zitiert, die allem Anschein nach eigens für den Bericht angefertigt worden ist:20

[…] не свергнув советской власти, ничем нельзя помочь миллионам гибнущих людей, так же, как удавленному петлею ничем нельзя помочь, не вынув шеи из петли. […] А правда та, что не только эти миллионы русских людей гибнут от голода, но весь русский народ с ними. Да, весь. Совершается злодейство, от начала мира небывалое: великий народ убивает кучка злодеев и все остальные народы умывают руки или помогают убийцам.21

„Ehe man nicht die Räterepublik gestürzt hat,“ schreibt Mereschkowsky, „kann man den Millionen der zugrundegehenden Menschen ebensowenig helfen, wie einem Erhenkten, ehe man seinen Hals aus der Schlinge befreit hat. … Die Wahrheit ist, daß nicht nur diese Millionen von Russen Hungers sterben, sondern auch das ganze russische ←375 | 376→Volk mit ihnen. Ja! das ganze! Es geschieht ein Verbrechen wie niemals seit Anfang der Welt. Ein Häuflein von Verbrechern ermordet ein großes Volk und alle anderen Völker waschen sich die Hände oder helfen dem Mörder.“22

Diesen Zitaten folgt ein knapp gehaltenes Porträt Merežkovskijs, in dem der Autor über seine Romantrilogie Leonardo da Vinci, Peter und Alexei und Julian Apostata sowie seine publizistischen Schriften vorgestellt wird. Die kulturphilosophische Schrift Grjaduščij cham, die 1907 in der Übersetzung von Harald Hoerschelmann unter dem Titel Der Anmarsch des Pöbels erschienen ist, wird abweichend als Vom kommenden Pöbel wiedergegeben.23 Den publizistischen Werken Merežkovskijs zollt der Reporter insofern Respekt, als er sie als eine eigene Schule und eine Richtung darstellt, und zudem Zinaida Gippius als bedeutende Dichterin präsentiert. Der Gang ins Exil wird kritisch vermerkt und Merežkovskijs religiöser Konzeption abschließend eine lediglich gewendete, strukturell freilich auffällig analog gehaltene Heilserwartung entgegengesetzt. Der immerhin als „entschieden großes Talent“ gewürdigte Merežkovskij und seine Generation erscheinen als eine obsolete Vergangenheit, die nun durch die Klasse des Proletariats ersetzt werde.24

Mit dem Bericht partizipierte die Rote Fahne in jedem Fall an einer auch über das Nachkriegsösterreich hinausreichenden publizistischen Öffentlichkeit. Felix Salten zum Beispiel nahm in seinem im Pester Lloyd veröffentlichten Artikel „Der Angeklagte Gorki“ auf Gor’kijs Offenen Brief und auf Merežkovskijs Reaktion Bezug. Salten verteidigte zwar Gor’kijs ehrliches Anliegen, formulierte aber auch kritische Einwände gegen Gor’kijs literarischen Kosmos und schlug sich schließlich auf die Seite des „europäischen Kulturmenschen“ Merežkovskij, wenn er zu Gor’kij bemerkt:

Mereschkowsky trifft in Gorkij alle die unwissenden, verantwortungslosen, von Plattheiten berauschten, dilettantischen Schwätzer, die sich Macht und Führerschaft angemaßt haben. Wenn die Welt aus tausend Wunden blutet, dann ist der Naive und Selbstlose, der an ihr zum Stümper wird, ebenso verdammenswert, wie der Stümper aus Eigennutz und Niedertracht. Wenn eine einzige falsche Maßregel Hunderttausende ins Verderben ←376 | 377→stürzen kann, ist Ehrlichkeit nicht einmal ein Milderungsgrund, geschweige denn eine Ausrede. Die Zeit ist zu ernst, die Gefahr zu groß.25

Für die Rote Fahne avancierte Merežkovskij ganz offensichtlich rasch zu einem bevorzugten politischen Gegner. So ist sein Name am 27. August erneut gleich auf der ersten Seite des Blattes zu finden, diesmal in einer mit „Wer wird Sowjetrußand helfen?“ betitelten Invektive gegen die adeligen Damen und die Schmarotzer der weißen Emigration:

Das ganze „vornehme“ Gesindel, das in Konstantinopel und in Belgrad, in Paris, in Berlin und Wien ein klägliches Dasein fristet, die Parteien […][,]; die im Exil ihre schmutzige Wäsche waschen, die adeligen Damen, die Gardeoffiziere, die Dichter (Mereschkowsky), die Schmarotzer ohne Beruf – sie alle sehen eine neue Mission vor sich: das russische Volk von neuem an die Kette zu legen.26

2 Die Rote Fahne im Dezember 1925

Am 28. Dezember 1925 erhängte sich der Dichter Sergej Esenin im Alter von nur dreißig Jahren in einem Zimmer des Hotels Angleterre in Leningrad, nachdem er sich zuvor die Pulsadern aufgeschnitten und mit seinem eigenen Blut sein letztes Gedicht Do svidan’ja, drug moj, do svidan’ja geschrieben hatte.27 Paul Celan übersetzte die Zeile späterhin mit: „Freund, leb wohl. Mein Freund, auf Wiedersehen“,28 der aus dem niederösterreichischen Waldviertel stammende Wilhelm Szabo mit: „Freund, ade! Abschied zu nehmen heißt es“.29

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Es kann als symptomatisch für die verengte Konzeption von Literatur, die der Berichterstattung der Roten Fahne insgesamt zugrunde liegt, gedeutet werden, dass sich auf den Seiten des Blattes auch noch zu Beginn des Jahres 1926 kein Nachruf auf Esenin finden lässt. Als gewissermaßen „politisch korrekten“ Ersatz brachte die Rote Fahne dafür bereits am 11. Dezember unter dem Titel „Tod des ältesten Proletarierdichters in Russland“ einen Nekrolog auf den außerhalb Russlands nur wenig bekannten Egor Nečaev.30 Die Neue Freie Presse dagegen veröffentlichte bereits in der Abendausgabe vom 29. Dezember zwar noch keine Nachricht vom Ableben, aber immerhin eine Notiz zum Selbstmordversuch Esenins. Bei dieser Gelegenheit wird Esenin als in seiner Heimat geschätzter Lyriker moderner Richtung gewürdigt, der eine eigene Schule gegründet habe – gemeint ist hier wohl der Imaginismus – und dessen Werke in einer Gesamtausgabe erschienen sind.31

Dass die Rote Fahne anders als bei Blok und später dann bei Majakovskij im Fall von Esenin keine Todesnachricht ins Blatt rückte, mag wohl auch mit der wesentlich später einsetzenden Rezeption des Dichters im deutschen Sprachraum zu tun haben. Freilich enthielt bereits die 1923 von Savelij Tartakover herausgegebene Anthologie Das russische Revolutionsgesicht Textproben von Esenin.32 Eine erste Einzelausgabe von Esenins Gedichten, der dann weitere Auswahlbände folgen sollten, erschien jedoch erst 1958 unter dem Titel Liebstes Land, das Herz träumt leise in Ost-Berlin.33

Während man einen Bericht zum Freitod Esenins in der Roten Fahne also vergeblich sucht, bieten die einzelnen Nummern im Dezember 1925 dafür mehrere anders geartete Zugänge zur russischen Literatur: Gleich zweimal wurde der fünfzehnte Todestag Lev Tolstojs erwähnt, dem sich auch das neue bolschewistische Regime verpflichtet fühlte. Am 4. Dezember druckte das Blatt (mit entsprechender Quellenangabe) Lenins Nachruf aus Nr. 18 der russischen Zeitung Der Sozial-Demokrat vom 16. beziehungsweise 29. November 1910 nach.34 Drei Tage später findet sich unter der Rubrik „Aus dem roten Russland“ eine knappe Notiz zu Feierlichkeiten und Aktivitäten auf Tolstojs Gut Jasnaja Poljana anlässlich des ←378 | 379→fünfzehnten Todestags.35 Über den gesamten Monat erstreckte sich der Nachdruck von Aleksandr Serafimovičs Roman Železnyj potok, der 1925 unter dem Titel Der eiserne Strom. Roman aus der russischen Revolution 1917 in der Übersetzung von Eduard Schiemann36 im Neuen Deutschen Verlag (Berlin) erschienen ist.

Von besonderer Bedeutung ist der Abdruck der Erzählung Sol’ (dt. Salz) aus Isaak Babel’s berühmtem Erzählzyklus Konarmija (dt. Die Reiterarmee): Am 6. Dezember: 1925 hatte der Berliner Malik-Verlag37 eine Übersetzung von Dmitrij Umanskij, der die Texte aus einem russischen Manuskript heraus übertragen hatte, veröffentlicht; die russische Ausgabe erschien erst 1926.38 Im Zeichen der Technik des „skaz“,39 einer Art Sprachmaske, hinter der sich der Erzähler verbirgt, gibt die knappe, mit Überlagerungen von Schriftlichkeit und stilisierter Mündlichkeit gestaltete Erzählung in Briefform den Bericht des Revolutionssoldaten Nikita Balmašev wieder. In dem Schreiben berichtet Balmašev unter anderem auch von einem Streitgespräch mit einer Frau, die ein eingewickeltes Pud Salz als ihr Kind ausgegeben hat, um mit den Kosaken im Zug mitzufahren. Als die Täuschung auffliegt und die Frau den Soldaten vorwirft, nicht an Russland zu denken und lediglich die Juden, Lenin und Trockij retten zu wollen, weist sie Balmašev zurecht und erklärt:

Von den Juden ist jetzt nicht die Rede – Du [sic] schlechte Bürgerin. Die Juden haben mit dieser Sache nichts zu schaffen. Uebrigens von Lenin weiß ich nichts, doch Trotzki ←379 | 380→ist der mutige Sohn des Tambower Gouvernements und ist, obzwar anderen Standes, für die arbeitende Klasse eingetreten. Wie zu Zwangsarbeiten Verurteilte ziehen uns Lenin und Trotzki auf den freien Weg des Lebens hinaus.40

Diese Würdigung Trockijs ist von gleich zweifachem Interesse: Trockij erscheint hier noch in positivem Licht, bevor sich diese Einschätzung schon bald entsprechend der politischen Vorgaben aus der Sowjetunion ändern sollte. Zudem wird den Lesern der Roten Fahne eine unzensierte Version der Erzählung angeboten: Babel’ fiel 1940 nämlich dem Stalinistischen Terror zum Opfer. Nach seiner Rehabilitation konnte die Reiterarmee 1957 zwar erstmals wieder erscheinen, freilich ohne die positive Erwähnung Trockijs, die bis zu den Jahren der Perestrojka tabu blieb.41

Ungeachtet der antireligiösen Ausrichtung der Zeitung fühlte sich die Rote Fahne verpflichtet, ihrer Leserschaft Geschenkvorschläge für das Weihnachtsfest zu machen, die am 19. und 22. Dezember 1925 unter dem Titel „Bücher, die der Proletarier schenkt“ erteilt wurden. Hierfür berücksichtigte man als politische Literatur Schriften von Lenin, Trockij, Bucharin und Stalin,42 und als Belletristik neben Aleksandr Neverovs Erzählband Das Antlitz des Lebens genau jene beiden Bände, die im Verlauf der vorangegangenen Nummern im Blatt selbst präsentiert worden waren: Der eiserne Strom von Aleksandr Serafimovič wurde als „Kunstwerk der neueren russischen Literatur“ gewürdigt, „in dem man das Werden der sieghaften, den Feind zerschmetternden Roten Armee erlebt“. Zu Budjonnys Reiterarmee von Isaak Babel’ ließ man die Leserschaft wissen, dass sich der Autor den Roten Reitern Budennyjs angeschlossen habe und in seinen Erzählungen die Charaktere, Ansichten, Taten und Sorgen dieser tapferen Soldaten der Revolution schildere.43 Bezeichnenderweise wird der Band als durchwegs affirmativ gehaltene Verherrlichung des politischen Umsturzes interpretiert.44 Die Ambivalenzen in der ethischen Wertung des Erzählgeschehens ←380 | 381→sowie Babel’s spezifische Technik des ornamentalen, an der mündlichen Rede orientierten Erzählens als formale Komplexion, die wohl dafür (mit-)verantwortlich sind, dass gerade diese Texte immer wieder aufs Neue literaturwissenschaftlich in den Blick genommen worden sind,45 bleiben in den Geschenktipps der Roten Fahne – nicht weiter überraschend – ausgeblendet.46

Eine solche Unifizierung semantischer Polyvalenz ist natürlich auch dem Medium Tageszeitung geschuldet, korrespondiert aber zudem mit dem ab Mitte der 1920er Jahre wieder stärker artikulierten Herrschaftsanspruch der Partei über den Bereich der Kultur. Ein Beleg dafür ist der am 2. Dezember veröffentlichte Bericht „Über neue Kunst und Wissenschaft in Sowjetrußand“, der eine Rede von Anatolij Lunačarskij, dem Volkskommissar für Bildung, zur neuen revolutionären Kunst und Wissenschaft zum Gegenstand hat.47 Unter Berufung auf Lenin fordert Lunačarskij hier die Übernahme der bürgerlichen Kultur durch das Proletariat als maßgebenden Schritt in Richtung einer eigenen proletarischen Kunst. Wenn in diesem Zusammenhang erwähnt wird, dass die kommunistische Partei Russlands die leninistische Linie in Fragen der Literatur vorgezeichnet habe, so ist die spätere „Verstaatlichung der Literatur“, wie Hans Günther diese monopolisierenden Tendenzen bezeichnet hat, hier bereits im Ansatz erkennbar.48

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3 Die Rote Fahne im April 1930

Am 14. April 1930 nahm sich Vladimir Majakovskij in Moskau im Alter von 37 Jahren das Leben. Das Liebesboot (um eine bekannte Majakovskij’sche Zeile zu zitieren) war am Alltag zerschellt: „ljubovnaja lodka razbilas’ o byt“.49 Dieser auch in der Sowjetunion weithin beachtete Freitod eines Autors,50 der sich nach seinen futuristischen Anfängen in den 1910er Jahren späterhin ganz bewusst in den Dienst einer funktionalen, den sozialen Auftrag der Partei immer mitreflektierenden Ästhetik gestellt hatte, fand auch auf den Seiten der Roten Fahne entsprechende Resonanz. Die Ambivalenzen und inneren Konflikte, die Majakovskijs Entscheidung zugrunde lagen (und wohl auch mit ein Grund für den Selbstmord gewesen sind), blieben dabei jedoch im Zeichen der Parteilinie geflissentlich ausgeblendet.

Die Rote Fahne reagierte auf den Freitod am 18. April 1930 mit dem ausführlichen, beinahe eine gesamte Druckspalte umfassenden Nachruf „Wladimir Majakowskis Ende“. Der mit dem Akronym „Biha“ gezeichnete Beitrag stammt aus der Feder des aus Belgrad gebürtigen und als Redakteur für die Linkskurve tätigen Literatur- und Kunstkritikers Oto Bihalji-Merin. Majakovskij wird hierin eingangs als einer der begabtesten Dichter der Sowjetunion gewürdigt, dessen Schaffen freilich mit einem „leerlaufenden Mechanismus“ verglichen wird. Der Verfasser des Nachrufs belegt seine literaturgeschichtliche Kompetenz durch Verweise auf Guillaume Apollinaire und Filippo T. Marinetti sowie Kubismus und Futurismus, die Majakovskijs künstlerische Anfänge im Zeichen des sprachlichen Experiments mitgeprägt hätten. Dessen ungeachtet habe unter der Maske scheinrevolutionärer Gestalt die Ideenwelt eines radikalen Kleinbürgers weitergelebt, der letztlich nicht an den neuen Daseinsinhalt der siegreichen Arbeiterklasse Anschluss finden habe können. Zudem werden die ideologischen Positionierungen Majakovskijs zu jenen von Aleksandr Blok und Sergej Esenin in Relation gesetzt. Der proletarische Dichter Dem’jan Bednyj findet als positives Gegenbeispiel zu Majakovskij Erwähnung: Majakovskij nämlich habe seine kleinbürgerlich-radikale Poesie nicht im Zeichen des sozialistischen Aufbaus umwerten können und sei daher „den Weg vieler haltloser Nihilisten und kleinbürgerlicher Nachtwandler der Poesie gegangen“.51

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Als konkrete Texte Majakovskijs nennt Bihalji-Merin im Anschluss daran das Poem 150 Millionen, dessen 1924 bei Malik erschienene Übertragung von Johannes R. Becher samt typographischer Gestaltung von John Heartfield am 24. April im Annoncenteil mit Verweis auf den Tod Majakovskijs auch eigens zur Lektüre empfohlen wird,52 das Mysterium buffo und Die Wanze – jeweils in der Inszenierung von Vsevolod Mejerchol’d – sowie die Komödie Das Schwitzbad. Gleich einen Tag später werden unter dem Titel „Die russische Arbeiterschaft ehrt ihren revolutionären Dichter“ die Begräbnisfeierlichkeiten geschildert und einige der Trauerredner namentlich erwähnt, darunter auch Anatolij Lunačarskij.53 Tags darauf druckt die Rote Fahne unter dem Titel „Wladimir Majakowski“ einen Nachruf aus der Pravda ab – mit dem Hinweis, dass es sich bei dem gleichermaßen umfang- wie kenntnisreichen Nachruf vom 18. April um einen Nachdruck aus der Berliner Roten Fahne handle. Die Kompetenz in Sachen Majakovskij ist demnach nicht in Österreich, sondern de facto in Deutschland zu verorten.54

Um einige Tage früher als die Rote Fahne, dafür aber deutlich knapper und distanzierter hatte auch die Arbeiter-Zeitung das Ableben des Dichters55 in einer mit „Selbstmord eines russischen Dichters“ überschriebenen Notiz (15.4.) vermeldet, in der Majakovskij fälschlich der Vorname „Waldemar“ zugesprochen wurde. Eine ausführlichere Würdigung des Dichters auch unter Berücksichtigung seiner Werke wie in der Roten Fahne sucht man in der Arbeiter-Zeitung aber vergebens. Stattdessen erfährt man, dass Majakovskij bis vor Kurzem der „Liebling der maßgebenden kommunistischen Parteikreise in Rußland“ gewesen sei.56 Insgesamt spiegeln die Notiz in ihrer impliziten Distanz und der darin ←383 | 384→enthaltene Hinweis auf die Kommunisten wohl vor allem die tiefen ideologischen Gräben zwischen der österreichischen Sozialdemokratie und der KPÖ wieder.

Die Neue Freie Presse verkündete am 14. April gleichfalls die Todesnachricht und würdigte Majakovskij dabei immerhin als eine der stärksten Hoffnungen der jungen russischen Dichtergeneration. Auch wurde darauf hingewiesen, dass der Dichter ähnlich wie Dmitrij Furmanov und der ehemalige Imaginist Anatolij Mariengof sein Schaffen vorwiegend in den Dienst der bolschewistischen Agitation gestellt habe.57 Anders als in der Arbeiter-Zeitung-Notiz werden hier zudem einzelne Werke Majakovskijs angeführt, namentlich die Dichtungen Krieg und Frieden (russ. Vojna i mir) und das Buch über Lenin (Vladimir Il’ič Lenin), die auch außerhalb Russlands bekannt geworden seien,58 und – wie auch im Nachruf in der Roten Fahne – die Komödie Banja, hier unter dem Titel Dampfbad als satirische Phantasmagorie charakterisiert. Das publizistische Organ des liberalen Bürgertums brachte für den verstorbenen russischen Dichter also ungeachtet dessen politischer Orientierung größere Sympathien auf als die Zeitungen der österreichischen Sozialdemokratie beziehungsweise der Kommunistischen Partei Österreichs.59

Neben der intensiven Berichterstattung zum Ableben Vladimir Majakovskijs hält der April 1930 in der Roten Fahne noch einige weitere Zeugnisse für die Rezeption russischer Kultur bereit, auf die hier abschließend noch kurz hingewiesen sei: In der Sonntagsbeilage vom 6. April findet sich unter dem Titel ←384 | 385→„Die Frau und die Religion“ Gor’kijs Beitrag O ženščine (dt. Über die Frau),60 in dem die Emanzipation der Frau (nicht weiter verwunderlich) an den Sozialismus geknüpft wird: „Von dem Sklavenleben wird die Frau nur durch den Sozialismus, durch die kollektive Arbeit befreit.“61 Vier Tage später wird unter dem symptomatischen Titel „Ein Triumph der Sowjetunion an der Kulturfront“ über ein Gastspiel des Moskauer Kammertheaters am Neuen Wiener Schauspielhaus berichtet. Dass das Moskauer Ensemble nur für drei Tage in Wien gastiert habe, wird eingangs mit der „Festigung des Faschismus“ in Österreich in Zusammenhang gebracht. Dann richtet sich der Blick auf die beiden Stücke, mit denen das von Aleksandr Tairov geleitete Kammertheater aufgetreten ist: Der Neger, im Original All God’s Chillun Got Wings, von Eugene O’Neill sowie Tag und Nacht nach der Operette Le Jour et la Nuit von Charles Lecocq, inkorrekt als „Lecoq“ wiedergegeben. Wenn im Anschluss daran von einem inszenatorischen Primat der Form über den Inhalt gesprochen und näher auf das innovative Bühnenbild eingegangen wird,62 so verlässt die Kritik für einen Moment lang jenen operativ-parteilich grundierten kulturpolitischen Diskurs, der für die Rote Fahne insgesamt charakteristisch ist,63 um danach schrittweise wieder zu ebendiesem zurückzufinden: Die Regiekunst Tairovs wird zwar gelobt, aber unter jene von Vsevolod Mejerchol’d gestellt, die den Anforderungen einer proletarisch-revolutionären Kunst sowohl im Inhalt als auch in der Form bedeutend näherkomme.64

4 Fazit

Gerade die umfangreiche Berichterstattung zum Freitod Majakovskijs und die hierbei artikulierte Kritik an den ideologischen Positionen des verstorbenen Autors mag pars pro toto das ideologisch begrenzte Verständnis von Literatur ←385 | 386→veranschaulichen, das in der Roten Fahne – anders als in der Sowjetunion selbst – ganz offensichtlich von der Gründung der Zeitung an dominierte: Während in der postrevolutionären Sowjetunion in den 1920er Jahren formale Innovationen, künstlerisches Experiment und ein bewusstes Anknüpfen an die gesamteuropäische kulturelle Überlieferung noch möglich waren – erwähnt seien in diesem Zusammenhang Namen wie Boris Pasternak oder Osip Mandel’štam –, verstand die Rote Fahne Literatur von Beginn ihres Bestehens an nicht als autonomen Bereich künstlerischer Äußerung, sondern als Medium ideologischer Zurichtung. In den Nachrufen auf Vladimir Majakovskij wird deutlich, dass das, was Roman Jakobson in seinem grundlegenden Aufsatz „Linguistics and Poetics“ 1960 als die poetische Funktion der Sprache bezeichnet hat, in der Roten Fahne als überlebtes, kleinbürgerliches Bewusstsein gebrandmarkt werden musste. Literatur hatte in der ideologischen Konzeption der Zeitung unabdingbar eine mit Jakobson als konativ zu charakterisierende Funktion, die sich etwa in Form des Vokativs oder Imperativs primär an den Empfänger der Mitteilung richtet.65 Die Rote Fahne firmierte als Zentralorgan der KPÖ sowie als Medium der Agitation und Propaganda, das bestrebt war, auch in das sozialdemokratische und in das politisch nicht organisierte Arbeitermilieu hineinzuwirken und Interessenten und Sympathisanten ein Bild von Theorie und Praxis der kommunistischen Partei zu bieten.66 Sollte es daher im Österreich der Zwischenkriegszeit eine produktive Rezeption der russischen Avantgarde gegeben haben, war die Rote Fahne (zumindest auf Grundlage des für diesen Beitrag durchgesehenen Materials) allem Anschein nach nicht der Ort dafür. In der Roten Fahne wurden die genuinen literarischen Leistungen der russischen Avantgarde, von deren Ausformungen wie Futurismus, Akmeismus oder Konstruktivismus auch auf die russische Literatur nach 1945 zahlreiche wichtige Innovationsimpulse ausstrahlen sollten, jedenfalls kaum berücksichtigt.

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1 Vgl. Ulrich Weinzierl: Die Kultur der ‚Reichspost‘. In: Franz Kadrnoska (Hg.): Aufbruch und Untergang. Österreichische Kultur zwischen 1918 und 1938. Wien–München–Zürich: Europaverlag 1981, S. 325–344.

2 Stephanie Strini: Ein Vergleich der österreichischen Rezeption russischer Literatur in der „Arbeiter-Zeitung“, der „Reichspost“ und der „Neuen Freien Presse“ (1900–1910). Diplomarbeit Univ. Wien 2010. Online unter http://othes.univie.ac.at/12123/1/2010-11-15_0502601.pdf (dieser und alle weiteren Links wurden letztmals am 18.2.2016 eingesehen). Zur Rezeption russischer Literatur in der Zeit vgl. Alois Woldan: Russland und die russische Literatur in der „Zeit“ zwischen 1894 und 1904. In: Johann Holzner, Stefan Simonek, Wolfgang Wiesmüller (Hgg.): Russland – Österreich. Literarische und kulturelle Wechselwirkungen. Bern: Peter Lang 2000, S. 159–175; zur Aufnahme russischer Literatur in österreichischen Zeitschriften der Moderne vgl. weiter auch Susanne Schimek: Die russische Literatur in den Zeitschriften der österreichischen Moderne. Hausarbeit Univ. Wien 1970; für die einschlägige Rezeption nach 1945 vgl. Christine Engel: Die Rezeption russischsprachiger Literatur in der österreichischen Tagespresse (1980–1990). Innsbruck: Verlag des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck 1994, sowie Sarah Schmelzer: Die Rezeption russischer Literatur in „Standard“ und „Presse“ (1998–2002). Diplomarbeit Univ. Wien 2004; zur Rezeption sowjetischer Kinder- und Jugendliteratur vgl. Gertraud Marinelli-König: „Internationalismus“ im Feld der Übersetzung von Kinder- und Jugendliteratur der Zwischenkriegszeit. In: Libri liberorum, Nr. 40/2012, S. 5–12.

3 N.N.: Karl Liebknecht auf der Totenbahre. In: Die Rote Fahne [fortan: RF] (26.7.1919), S. 1. Als Gründe für die Änderung des Namens nennt Gerhard Selber die Angleichung an das Organ der deutschen Bruderpartei sowie eine Mitte des Jahres 1919 erfolgende taktische Neuausrichtung der kommunistischen Partei, nachdem sich die Aussichten auf eine erfolgreiche Revolution im Nachkriegsösterreich verschlechtert hatten (vgl. Alfred Schwarz: Die kommunistische Tagespresse in den Gründungsjahren der ersten österreichischen Republik. Dissertation Univ. Wien 1988, S. 127).

4 Vgl. die entsprechenden Angaben in: N.N.: Die Rote Fahne (Österreich). Online unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Rote_Fahne_(Österreich); vgl. Gerhard Selber: Parteilinie oder Blattlinie: die Zentralorgane der beiden Arbeiterparteien von 1918–1933. Diplomarbeit Univ. Wien 1991, S. 113–131.

5 Über die Datenbank „ANNO“ der „Österreichischen Nationalbibliothek“ sind die einzelnen Ausgaben der Roten Fahne online abrufbar, wobei Die Soziale Revolution hier bereits unter die Rote Fahne subsumiert ist.

6 Vgl. etwa die Ausgabe vom 13.4.1930, wo auf S. 8 am oberen Seitenrand rechts neben der Überschrift „Arbeiter-Radio“ Sendemasten mit der graphischen Erläuterung „Moskau“ abgebildet sind; weiter unten auf der Seite findet sich dann unter dem Titel „Hört Moskau!“ eine Notiz, die auf eine Sendung der sowjetischen Gewerkschaften hinweist, in der ausländische Bauarbeiter u.a. auch aus Österreich über ihre Situation in der Sowjetunion berichten. Vgl. dazu: Jurij Murašov: Das elektrifizierte Wort. Das Radio in der sowjetischen Literatur und Kultur der 20er und 30er Jahre. In: ders./Georg Witte (Hgg.): Die Musen der Macht. Medien in der sowjetischen Kultur der 20er und 30er Jahre. München: Fink 2003, S. 81–112.

7 Diese Orientierung in Richtung Sowjetunion dürfte nicht zuletzt auch mit der finanziellen Unterstützung der Roten Fahne von ebendieser Seite her zusammenhängen: „Auf der anderen Seite existierte die ‚Fremdfinanzierung‘, die Subventionierung der Presse aber auch der Partei aus Finanzmittel [sic] der Komintern und damit vor allem der Sowjetunion. Dieser ‚Geldfluß‘ aus der Sowjetunion wurde immer wieder als ein beliebtes Argument einer ‚Rußlandhörigkeit‘ der KPÖ verwendet.“ (Selber, Parteilinie, S. 126.)

8 Zum Tode Bloks vgl. Avril Pyman: The Life of Aleksandr Blok. Vol. II: The Release of Harmony 1908–1921. Oxford–London–New York: Oxford University Press 1980, S. 374–380; zu Bloks Begräbnis vgl. Wolfgang Stephan Kissel: Der Kult des toten Dichters und die russische Moderne. Puškin – Blok – Majakovskij. Köln–Weimar–Wien: Böhlau 2004, S. 97–103.

9 Zu Puškins Begräbnis als kulturellem Faktum der russischen Kultur bis 1921 (das Todesjahr Bloks) vgl. Kissel, Kult des toten Dichters, S. 23–95; zur ideologischen Funktionalisierung des Dichtertodes gerade auch Puškins im sowjetischen Kontext vgl. Rainer Grübel: Gabe, Aufgabe, Selbstaufgabe: Dichter-Tod als Opferhabitus. Zur Genese des sowjetischen Personenkultes aus Dichtertod, Lenin- und Puškingedenken. In: Klaus Städtke (Hg.): Welt hinter dem Spiegel. Zum Status des Autors in der russischen Literatur der 1920er bis 1950er Jahre. Berlin: De Gruyter 1998, S. 139–204.

10 N.N.: Vom Tage. Der Dichter Alexander Block gestorben. In: RF (10.8.1921), S. 6.

11 Der Bericht in der Roten Fahne konnte sich auf gleich zwei vorangehende Übersetzungen des Poems von Arnold Ulitz (diese unter dem Titel Die Ballade der Zwölf) und von Reinhold von Walter stützen, die bereits 1920 erschienen waren; 1921 folgte eine weitere Übertragung des Poems von Wolfgang E. Groeger, vgl. M[argarete]. Baade: Zur Aufnahme von Aleksandr Bloks Poem „Die Zwölf“ in Deutschland. In: Zeitschrift für Slawistik, Nr. 2/1964, S. 175–195, hier S. 179, bzw. Nr. 4/1964, S. 551–573.

12 Vgl. die Übertragung von Guenthers in Alexander Block: Die Zwölf. Ausgewählte Dichtungen. Übertragung u. Nachwort v. Johannes von Guenther. Stuttgart: Reclam 1966, S. 3–15; die Übertragung Celans in Paul Celan: Gesammelte Werke. Bd. 5. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1986, S. 11–45. Zu Celans Auseinandersetzung mit Bloks Poem vgl. Christine Ivanović: Das Gedicht im Geheimnis der Begegnung. Dichtung und Poetik Celans im Kontext seiner russischen Lektüren. Tübingen: Max Niemeyer 1996, S. 159–177. Eine weitere Übersetzung der Zwölf von Alfred Edgar Thoss findet sich: in Alexander Block: Kreuzwege. Gedichte und Poeme. Ausgewählt u. hg. von Alexander Kluge. München: Heyne 1984, S. 94–106.

13 Vgl. Ilse Idzikowski/Gerhard Schwarz: Entwicklung und Wandel des Goŕkij-Bildes in Deutschland 1899–1965. In: Maxim Gorki in Deutschland. Bibliographie 1899 bis 1965. Zusammengestellt u. annotiert v. E[rwin] Czikowsky, I[lse] Idzikowski und G[erhard] Schwarz. Berlin: Akademie 1968, S. 9–31; zur deutschen Gor’kij-Rezeption vgl. H[elger] Vogt: Die zeitgenössische deutsche Literaturkritik zum Frühwerk Maxim Gorkis. In: Zeitschrift für Slawistik, Nr. 2–4/1958, S. 590–619.

14 Vgl. die Angaben in: Czikowsky u.a., Gorki in Deutschland, S. 130 bzw. 132. In der Auflistung deutscher Titelfassungen von Gor’kijs Werken ist die Geburt eines Menschen nicht verzeichnet (vgl. ebd., S. 348).

15 Vgl. die Angaben in: ebd., S. 146. Die Hungersnot und die internationalen Hilfsmaßnahmen waren auch kontinuierlich Gegenstand der Berichterstattung in der Arbeiter-Zeitung, die unter der Rubrik „Tagesneuigkeiten“ z.B. sogar ein entsprechendes Gedicht von Alfons Petzold ins Blatt rückte (Alfons Petzold: Rußland 1921. In: Arbeiter-Zeitung (4.8.1921), S. 4).

16 Vgl. N.N.: Hilfsaktion für Rußland. Online unter: http://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/1a1/wir/wir1p/kap1_2/kap2_64/para3_3.html.

17 Am 5.8.1921 wurde Hauptmanns Antwort in der Pravda veröffentlicht (vgl. J. Stuart Durrant: An Unpublished Letter from D.S. Merezhkovsky to Gerhart Hauptmann. In: Germano-Slavica, Nr. 1–2/1995–96, S. 125–134, hier S. 127).

18 Zum Motiv der Atlantiden im Werk Merežkovskijs und Hauptmanns vgl. G. A. Time: Dve „Atlantidy“ (G. Gauptman i D. Merežkovskij: neprednamerennyj dialog). In: Russkaja literatura, Nr. 1/1991, S. 111–133.

19 Dieser Zugang korrespondiert augenfällig mit Merežkovskijs ebenfalls 1921 in deutscher Übersetzung in München erschienenen Schrift Das Reich des Antichrist: Russland und der Bolschewismus.

20 Zur Rezeption Merežkovskijs in Deutschland vgl. die bibliographischen Abgaben in: Werner Schweikert: Die russische Literatur und die Literaturen der früheren Sowjetrepubliken in deutscher Übersetzung. Eine Übersicht über deren Rezeption in deutscher Sprache. Teil I: 1880–1965. Flein b. Heilbronn: Verlag Werner Schweikert 2003, S. 27 bzw. 53f.

21 D.S. Merežkovskij: Carstvo antichrista. Stat’i perioda ėmigracii. Pod obščej redakciej A.N. Nikoljukina. Sankt-Peterburg: Izdatel’stvo Russkogo Christianskogo gumannitarnogo instituta 2001, S. 164f. Laut Durrant blieb der Brief unveröffentlicht (vgl. Durrant, Unpublished Letter, S. 127); dies widerspricht freilich den Angaben in der zuvor angeführten Ausgabe von Merežkovskijs Schriften. Zudem wäre dann schwer zu erklären, wie die Rote Fahne an das Schreiben gelangen und es auszugsweise in deutscher Übersetzung veröffentlichen konnte.

22 N.N.: Die geistigen Stützen der Konterrevolution. In: RF (16.8.1921), S. 3.

23 Die Übersetzung erschien bei Piper.

24 Aus weltanschaulich entgegengesetzter Perspektive heraus firmiert Merežkovskij Jahre später dann in der Reichspost als Zeuge der Anklage gegen den bolschewistischen antireligiösen Terror; in einem längeren Beitrag finden sich gleich drei entsprechende Zitate des russischen Autors (vgl. H. Birnbaum: Moskaus Kampf gegen Gott. Die Mitschuld Europas. In: Reichspost (9.4.1930), S. 1f.).

25 Felix Salten: Der Angeklagte Gorkij. Aus dem Archiv des Pester Lloyd. Online unter: http://www.pesterlloyd.net/html/1921saltengorkiangeklagt.html.

26 N.N.: Wer wird Sowjetrußland helfen? In: RF (27.8.1921), S. 1f.

27 Zu Esenins letzten Lebenstagen und seinem Begräbnis vgl. Fritz Mierau: Sergej Jessenin. Leipzig: Reclam 1991, S. 416–436; Stanislav Kunjaev/Sergej Kunjaev: Sergej Esenin. Moskva: Molodaja gvardija 1995, S. 505–563; zu Esenins Gedicht Do svidan’ja, drug moj, do svidan’ja vgl. P. Glušakov: Igra so smert’ju v stichotvorenii Sergeja Esenina „Do svidan’ja, drug moj, do svidan’ja …“. In: Voprosy literatury, Nr. 6/2014, S. 276–300.

28 Celan, Gesammelte Werke, S. 277; zu Celans Auseinandersetzung mit Esenins Werk vgl. Ivanović, Geheimnis der Begegnung, S. 129–158.

29 Sergej Jessenin: Trauer der Felder. Gedichte. Nachdichtungen von Wilhelm Szabo. Salzburg-Bad Goisern: Stifterbibliothek Salzburg und Verlag der Neugebauer PRESS Bad Goisern 1970, S. 65. Zu Szabos Übersetzungen vgl. Antonia Zembaty: Wilhelm Szabo als Übersetzer von Sergej Esenin. Diplomarbeit Wien 2013; zu deutschen Esenin-Übersetzungen vgl. F[ritz] Mierau: Deutsche Esenin-Übersetzungen. In: Zeitschrift für Slawistik, Nr. 3/1966, S. 317–330.

30 N.N.: Tod des ältesten Proletarierdichters in Rußland. In: RF (11.12.1925), S. 6.

31 N.N.: Selbstmordversuch des russischen Dichters Jessenin. In: Neue Freie Presse (29.12.1925, Abendblatt), S. 2.

32 Vgl. die Angaben in Friedrich Hübner: Russische Literatur des 20. Jahrhunderts in deutschsprachigen Übersetzungen. Eine kommentierte Bibliographie. Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2012, S. 78.

33 Vgl. Schweikert, Russische Literatur, S. 282.

34 V. Lenin: Leo Tolstoj. Zum 15. Todestag Tolstojs. In: RF (4.12.1925), S. 2.

35 N.N.: Aus dem roten Rußland. In: RF (7.12.1925), S. 6.

36 Vgl. N.N.: Eduard Schiemann. Online unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Schiemann.

37 Zur Funktion der Verlage als Kulturvermittler vgl. Carmen Sippl: Verlage und Übersetzer als russisch-deutsche Kulturvermittler in der Zwischenkriegszeit. In: Karl Eimermacher/Astrid Volpert (Hgg.): Stürmische Aufbrüche und enttäuschte Hoffnungen. Russen und Deutsche in der Zwischenkriegszeit. München: Fink 2006, S. 783–803; zu politisch links orientierten deutschen und österreichischen Verlagen zwischen 1917 und 1932 und deren Produktion an russischen Büchern vgl. Hübner, Russische Literatur, S. 78–83 bzw. 132–137.

38 Vgl. Lothar Baier: Ordnung im Tohuwabohu. „Die Reiterarmee“ – zum hundertsten Geburtstag Isaak Babel’s hat Peter Urban eine neue Ausgabe vorgelegt. In: Zeit Online [8.7.1994]. Online unter: http://www.zeit.de/1994/28/ordnung-im-tohuwabohu; Ulrike Jekutsch: Isaak Babel’s „Konarmija“ im Deutschland der zwanziger Jahre. In: Zeitschrift für Slawistik, Nr. 3/2005, S. 255–269.

39 Zur revolutionären Rhetorik in Babel’s Sol’ vgl. Gareth Williams: The Rhetoric of Revolution in Babel’’s „Konarmija“. In: Russian Literature, Nr. 3/1984, S. 279–298, hier S. 281–284.

40 Isaak Babel: Salz. In: RF (6.12.1925), S. 8f.

41 Vgl. als Beispiel einer spätsowjetischen Ausgabe: I[saak] Babel’: Izbrannoe. Minsk: Mastackaja litaratura 1986, in der sich Salz (S. 62–64) immer noch ohne die ursprüngliche Erwähnung Lev Trockijs findet. Auch in der 1980 erschienen Ausgabe der Reiterarmee, die eingangs als „erste vollständige Ausgabe“ bezeichnet wird, bleiben in der betreffenden Passage der Erzählung sowohl Lenin als auch Trockij unerwähnt (vgl. Isaak Babel: Die Reiterarmee. Darmstadt: Luchterhand 1980, S. 83).

42 N.N.: Bücher, die der Proletarier schenkt. In: RF (19.12.1925), S. 2.

43 N.N.: Bücher, die der Proletarier schenkt. In: RF (22.12.1925), S. 6.

44 Zur Reiterarmee im literaturpolitischen Kontext der 1920er Jahre und zu zeitgenössischen Polemiken zu Babel’s Erzählungen vgl. Li Su Ёn: Spor ėstetiki i politiki (polemika 1920–1930-ch godov vokrug „Konarmii“ i „Odesskich rasskazov“ I. Babelja), In: Russkaja literatura, Nr. 3/2004, S. 211–220; Ju. Parsamov/D. Fel’dman: Grani skandala: cykl novell I. Babelja „Konarmija“ v literaturno-političeskom kontekste 1920-ch godov. In: Voprosy literatury, Nr. 6/2011, S. 229–286; zur Aufnahme der Texte Babel’s beim zeitgenössischen russischen Lesepublikm vgl. Grigorij Frejdin: Revoljucija kak ėstetičeskij fenomen. S očkami Nicše na nosu i osen’ju v serdce u russkich čitatelej Isaaka Babelja (1923–1932). In: Novoe literaturnoe obozrenie, Nr. 4/1993, S. 228–242.

45 Vgl. beispielhaft: Marc Schreurs: Two Forms of Montage in Babel’s „Konarmija“. In: Russian Literature, Nr. 2/1987, S. 243–292; Wolf Schmid: Ornamentales Erzählen in der russischen Moderne: Čechov – Babel’ – Zamjatin. Frankfurt a.M.: Peter Lang 1992, S. 135–154.

46 Als weiteres Element des kulturpolitisch-ideologischen Diskurses, das an den Geschenkvorschlägen der Roten Fahne ablesbar ist, firmiert die Ablehnung der Tradition zugunsten der Gegenwart. Neverovs literarische Darstellung von Arbeitern und Bauern wird gegen die „sogenannte“ klassische Literatur gehalten, die schon alleine durch diesen Zusatz in ihrem Rang relativiert wird: „Dostojewskische Mystik“ und „Tolstoianischer Passivismus“ bilden die negative Hintergrundfolie für Neverovs positiv gewertete Erzählungen.

47 N.N.: Ueber neue Kunst und Wissenschaft in Sowjetrußland. In: RF (2.12.1925), S. 2.

48 Hans Günther: Die Verstaatlichung der Literatur: Entstehung und Funktionsweise des sozialistisch-realistischen Kanons in der sowjetischen Literatur der 30-er Jahre. Stuttgart: Metzler 1984.

49 V[ladimir] V. Majakovskij: Izbrannye sočinenija v dvuch tomach, t. 2. Moskva: Chudožestvennaja literatura 1981, S. 349.

50 Zu Majakovskijs Begräbnis als Massenspektakel vgl. Kissel, Kult des toten Dichters, S. 161–173.

51 Biha: Wladimir Majakowskis Ende. In: RF (18.4.1930), S. 4.

52 N.N.: Zum Tode Wladimir Majakowskys … In: RF (24.4.1930), S. 6. Zur ersten Phase der Rezeption in Deutschland bis zum Tode des Dichters vgl. Roswitha Loew/Bella Tschistowa (Hgg.): Majakowski in Deutschland: Texte zur Rezeption 1919–1930. Berlin: Akademie 1986.

53 N.N.: Die russische Arbeiterschaft ehrt ihren revolutionären Dichter. In: RF (19.4.1930), S. 5.

54 N.N.: Wladimir Majakowski. In: RF (20.4.1930), S. 4. Bihalji-Merins Nekrolog wurde von der sowjetischen Jugend mit Empörung aufgenommen, sodass sich der Sekretär des Exekutivkomitees der Kommunistischen Jugendinternationale am 30.4. brieflich an das Sekretariat der Russischen Assoziation Proletarischer Schriftsteller (RAPP) wandte, um gegen den im Umfeld der RAPP entstandenen Artikel zu protestieren und (erfolglos) ein Dementi in der Roten Fahne zu fordern (vgl. Loew/Tschistowa, Majakowski, S. 79).

55 Zur Arbeiter-Zeitung vgl. Selber, Parteilinie, S. 23–38.

56 N.N.: Selbstmord eines russischen Dichters. In: Arbeiter-Zeitung (15.4.1930), S. 3.

57 N.N.: Selbstmord des russischen Dichters Majakowsky. In: Neue Freie Presse (15.4.1930), S. 8.

58 Majakovskijs Poem Vojna i mir wurde in der Übertragung von Yvan Goll unter dem Titel Der Krieg und die Welt 1921, das Poem Vladimir Il’ič Lenin unter dem Titel Lenin in der Übertragung von Reinhold v. Walter ebenfalls auszugsweise 1927 veröffentlicht (vgl. Loew/Tschistowa, Majakowski, S. 127f.). Die Titelvarianten Der Krieg und die Welt sowie Krieg und Frieden für Vojna i mir resultieren aus der doppelten Bedeutung des russischen Lexems „mir“.

59 Zur Rezeption Majakovskijs in Österreich vgl. Johann Holzner: Majakowskij in Österreich. In: Alexandr W. Belobratow/Alexej I. Žerebin (Hgg.): Dostojewskij und die russische Literatur in Österreich seit der Jahrhundertwende (Literatur, Theater). St. Petersburg: Fantakt 1994 (= Jahrbuch der Österreich-Bibliothek in St. Petersburg 1/1994), S. 117–130. Holzner erwähnt die Nekrologe in der Neuen Freien Presse und in der deutschen Roten Fahne (vgl. ebd., S. 118). Eine Auflistung von weiteren Nekrologen aus dem Jahr 1930 findet sich bei: Loew/Tschistowa, Majakowski, S. 115f.

60 Zur Darstellung der Frauenfrage in der österreichischen kommunistischen Tagespresse zu Beginn der Zwischenkriegszeit vgl. Schwarz, Kommunistische Tagespresse, S. 194–200.

61 Maxim Gorki: Die Frau und die Religion. In: RF (6.4.1930), S. 7. Der Beitrag erschien 1930 in drei weiteren Periodika (darunter die Hamburger Volkszeitung und Das neue Rußland), sodass hier wohl von einem nicht ausgewiesenen Nachdruck auszugehen ist (vgl. Gorki in Deutschland, S. 196).

62 Vgl. N.N.: Ein Triumph der Sowjetunion an der Kulturfront. Gastspiel des Moskauer Kammertheaters in Wien. In: RF (10.4.1930), S. 4.

63 Zu den rhetorischen Ausdrucksmitteln dieses Diskurses (Pathos, Schematisierung, Übertreibung u.a.) vgl. Schwarz, Kommunistische Tagespresse, S. 173–193.

64 Vgl. N.N.: Ein Triumph der Sowjetunion an der Kulturfront. Gastspiel des Moskauer Kammertheaters in Wien. In: RF (10.4.1930), S. 4.

65 Roman Jakobson: Poetik. Ausgewählte Aufsätze 1921–1971. Hg. v. Elmar Holenstein u. Tarcisius Schelbert. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 31993, S. 90 bzw. 92.

66 Vgl. Selber, Parteilinie, S. 129.