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Ich-Splitter

(Cross-)Mediale Selbstentwürfe in den Slawischen Kulturen

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Edited By Ingeborg Jandl and Gernot Howanitz

Der Sammelband „Ich-Splitter“ rückt (auto-)biografische Formen ins Blickfeld, die über die textuelle Erschließung des Selbst hinausgehen. Rekonstruktion, Fragmentierung und Brechung des Ich im (cross-)medialen Zusammenspiel unterschiedlicher Medien stehen im Zentrum dieses Bandes, der den (inter-) medialen Wegen der Selbstinszenierung und Selbstsuche in den slawischen Kulturen nachspürt. Schnittstellen zu anderen (Auto-)Biografien werden dabei oft bewusst als Rahmen aufgegriffen, der die Verortung des Ich unterstützt. Die Beiträge befassen sich mit süd-, ost- und westslawischen (Auto-)Biografie-Projekten und zeichnen so ein Panorama, das mediale Praktiken der Selbst-erschließung in ihrer konzeptuellen Systematik aufzeigt und darüber hinaus auf eine vielseitige Reise durch unterschiedliche slawische Lebenswelten und historische Kontexte einlädt.
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Selbstreflexivität und Selbstdarstellung Lilja Briks am Beispiel von Stekljannyj glaz / Das Glasauge (1929) (Adelheid Heftberger)

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Adelheid Heftberger

SELBSTREFLEXIVITÄT UND SELBSTDARSTELLUNG LILJA BRIKS AM BEISPIEL VON STEKLJANNYJ GLAZ / DAS GLASAUGE

Das Konzept der Selbstreflexivität ist im sowjetischen Avantgarde-Film wichtig und Stekljannyj glaz / Das Glasauge (1929) gehört zu denjenigen Filmen, die diesen Aspekt zentral herausstellen. In der philosophischen Tradition rekurriert man beim Begriff Selbstreflexivität üblicherweise auf eine Metapher aus der Optik. Die Aufmerksamkeit des Bewusstseins wird mit einem Lichtstrahl verglichen, der von einem reflektierenden Medium auf die ausstrahlende Lichtquelle zurückgeworfen wird. In diesem Prozess der Bewusstseinswerdung bezeichnet „Reflexion [...] zugleich eine Struktur und einen Prozess: die Struktur einer Bewusstseins- oder Aufmerksamkeitshaltung und einen mentalen Prozess von dieser Struktur“ (Keiper 1994, 85).1 Selbstreflexion bedeutet somit, dass statt des Lichts das Bewusstsein mithilfe eines Mediums auf sich selbst verweist. Wesentlich ist dabei auch, dass es sich bei Selbstreflexion um ein Verhältnis zu sich selbst handelt und nicht um ein Faktum, wobei dieses Faktum in der Schwebe bleibt, solange es nicht sprachlich artikuliert wird (vgl. Meyer 2005, 51).

Konkret für den Film könnte man argumentieren, dass Selbstreflexivität mehr sein müsste als eine sprachlich verfasste Reflexion des Mediums im Medium, sondern vielmehr eine filmische Reflexion der Voraussetzungen des Mediums (vgl. Keiper 1994, 85). Für filmische Selbstreflexivität kann man sich somit einer Anzahl von ästhetischen Möglichkeiten bedienen, die „von der Abbildung des filmischen Produktions- oder Wiedergabeapparates im Filmbild über die Inszenierung filmkünstlerischer Schaffensprozesse bis hin zu Formen des Selbstzitates und...

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