Show Less
Restricted access

Ich-Splitter

(Cross-)Mediale Selbstentwürfe in den Slawischen Kulturen

Series:

Edited By Ingeborg Jandl and Gernot Howanitz

Der Sammelband „Ich-Splitter“ rückt (auto-)biografische Formen ins Blickfeld, die über die textuelle Erschließung des Selbst hinausgehen. Rekonstruktion, Fragmentierung und Brechung des Ich im (cross-)medialen Zusammenspiel unterschiedlicher Medien stehen im Zentrum dieses Bandes, der den (inter-) medialen Wegen der Selbstinszenierung und Selbstsuche in den slawischen Kulturen nachspürt. Schnittstellen zu anderen (Auto-)Biografien werden dabei oft bewusst als Rahmen aufgegriffen, der die Verortung des Ich unterstützt. Die Beiträge befassen sich mit süd-, ost- und westslawischen (Auto-)Biografie-Projekten und zeichnen so ein Panorama, das mediale Praktiken der Selbst-erschließung in ihrer konzeptuellen Systematik aufzeigt und darüber hinaus auf eine vielseitige Reise durch unterschiedliche slawische Lebenswelten und historische Kontexte einlädt.
Show Summary Details
Restricted access

Virtuelle Husaren. Das Spiel mit virtueller Identität im Spannungsfeld indvidueller und kollektiver Biographie (Natalia Konradova, Henrike Schmidt)

Extract

Natalia Konradova & Henrike Schmidt

DIGITALE HUSAREN. DAS SPIEL MIT VIRTUELLER IDENTITÄT IM SPANNUNGSFELD INDIVIDUELLER UND KOLLEKTIVER BIOGRAPHIE

In Sergej Kuznecovs Detektivroman Гроб хрустальный / Das kristallene Grab gibt es eine Szene, in der sich die Protagonisten darüber unterhalten, wer in Wahrheit Autor jener ersten Netzkolumnen der 1990er Jahre sei, die mit weiblichen Namen unterzeichnet sind:1

    Спит голая под льняным одеялом, и все мечтают под него залезть – ясно же, что мужик писал, развлекался. Вообще, в Сети есть твердое правило: чем сексуальней девушка, тем больше шансов, что она – мужик (Kuznecov 2004).

    Sie schläft nackt, nur mit Leinen bedeckt, und alle träumen davon, zu ihr unter die Decke zu schlüpfen – ist ja klar, dass das ein Kerl schrieb, der sich einen Spaß erlaubte. Überhaupt gibt es im Netz eine eiserne Regel: Je verführerischer eine Frau, desto größer die Chance, dass sie ein Kerl ist.

Ein Jahrzehnt früher verblüffte die Möglichkeit, im Netz einfach neue – künstliche, multiple – Identitäten zu erschaffen, die amerikanischen und später auch die europäischen User. Jeder konnte sich eine neue Biographie, einen neuen Beruf, einen neuen Namen oder ein neues Geschlecht ausdenken und bei jedem Auftritt im Internet erneut verändern. Während dieser Prozess im Falle des Berufes oder der Biographie ein mehr oder weniger technischer war, verlangte der Wechsel des Geschlechts nicht nur die Wahl eines Namens, sondern auch eine den Genderstereotypen entsprechende Verhaltensänderung (Turkle 1997, 216).

Aus politischen und technischen Gründen entdeckten russischsprachige Nutzer die Anonymität im Netz erst Mitte der 1990er Jahre für sich. Dann aber eigneten sie sich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.