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Die Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseprosa von Wolfgang Büscher und Karl-Markus Gauß

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Anna Pastuszka

Eine extreme Fußreise durch Osteuropa, Forschungsreisen zu den versprengten Minderheiten ˗ in ihrer Reiseprosa erschliessen Büscher und Gauß das durch den Eisernen Vorhang jahrelang abgeschottete östliche Europa. Im Zentrum der Studie steht die Frage nach der Inszenierung der Reise und des durchwanderten fremden Raums im Hinblick auf die imaginären Raumentwürfe von Ost- und Mitteleuropa, auf die westlichen mental maps und die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Studie beleuchtet narrative Herangehensweisen an den ostmitteleuropäischen Raum und gewährt einen Einblick in die literarische Kartographierung Europas nach der Wende. Im Medium der Reiseliteratur erfolgt bei den Autoren eine subjektive Vermessung der osteuropäischen Fremde sowie ein Remapping der kognitiven Karten Europas.

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Einführung

Einführung

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Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer immer noch untypischen Reiserichtung in der neuesten deutschsprachigen Reiseliteratur – der Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa. Zur Untersuchung stehen Reisetexte von zwei Autoren: der vom deutschen Journalisten und Schriftsteller Wolfgang Büscher 2003 veröffentlichte Reisebericht Berlin-Moskau. Eine Reise zu Fuß und die Reiseberichte des österreichischen Schriftstellers und Publizisten Karl-Markus Gauß von Die Hundeesser von Svinia (2004) über Die versprengten Deutschen. Unterwegs in Litauen, durch die Zips und am Schwarzen Meer (2005) bis Im Wald der Metropolen (2010).

In dieser Studie geht es primär um die Erfahrung und literarische Inszenierung der Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa sowie um die ästhetische Gestaltung der untersuchten Reiseberichte. Dabei rückt als eine der zentralen Fragen die der literarischen Fremderfahrung in den Vordergrund. Die Reise konfrontiert den Reisenden mit dem Fremden, was in der Reiseliteratur in der Darstellung des Kulturkontakts und im Kulturvergleich ihren Niederschlag findet. In der neuen Definition der Reiseliteratur von Anne Fuchs wird dieser diskurstheoretische Aspekt besonders herausgestrichen: Diese Literaturgattung wird als „eine kulturrelativierende Diskursform“ verstanden und ist „ein bedeutender Reflektor kulturspezifischer Vorstellungen des Eigenen und des Fremden, die sich dann im Zuge der Fremdbegegnung verschieben können“.1

Die literarische Fremderfahrung gilt in der anvisierten Reiseliteratur einem immer noch wenig bekannten Teil Europas. Aufgrund historischer Entwicklungen und politischer Entscheidungen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Länder Ostmitteleuropas als Ostblockländer unter kommunistischer Vorherrschaft der Sowjetunion vom Westen abgeschirmt. Der Fall der Berliner Mauer ließ das künstliche...

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