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Die Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseprosa von Wolfgang Büscher und Karl-Markus Gauß

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Anna Pastuszka

Eine extreme Fußreise durch Osteuropa, Forschungsreisen zu den versprengten Minderheiten ˗ in ihrer Reiseprosa erschliessen Büscher und Gauß das durch den Eisernen Vorhang jahrelang abgeschottete östliche Europa. Im Zentrum der Studie steht die Frage nach der Inszenierung der Reise und des durchwanderten fremden Raums im Hinblick auf die imaginären Raumentwürfe von Ost- und Mitteleuropa, auf die westlichen mental maps und die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Studie beleuchtet narrative Herangehensweisen an den ostmitteleuropäischen Raum und gewährt einen Einblick in die literarische Kartographierung Europas nach der Wende. Im Medium der Reiseliteratur erfolgt bei den Autoren eine subjektive Vermessung der osteuropäischen Fremde sowie ein Remapping der kognitiven Karten Europas.

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3. Die Konzeptualisierungen von Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseliteratur nach 1989

3. Die Konzeptualisierungen von Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseliteratur nach 1989

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Aus der Darlegung der begrifflichen Verwirrung in Bezug auf Ostmitteleuropa ging bereits hervor, wie dynamisch und fluktuierend sowohl die Konzepte der historisch-geographischen Regionen als auch ihre Betrachtung als feststehende Entitäten sind.181 Die reiseliterarische Konstituierung von ostmitteleuropäischen Räumen beinhaltet ebenfalls ihre dynamische, wechselnde Konzeptualisierung, die einen vielfältigen Zugriff auf den konkreten Raum und seine Imaginationen erlauben. Die Vorstellungen des Raumes werden aus den Elementen der kulturellen Erinnerung der vergangenen Epochen gebildet. Für den ostmitteleuropäischen Raum war eine wichtige Zäsur das Jahr 1989 als eine historische Wende, die die Literatur und die kulturelle Erinnerung von der Vorherrschaft der Ideologie, der Politik und der offiziellen Geschichtsversion befreite. Ohne Zensur und ideologisch bedingte Tabus sind die Erinnerungen an den gemeinsamen Kulturraum Mitteleuropa und an den von vielen Völkern bewohnten Osten Europas wieder erwacht. In den ostmitteleuropäischen Literaturen wurde die neuartige, enttabuisierte und geschärfte Wahrnehmung des Raumes zur wichtigen Schreibinspiration: die topographische Wende nahm hier die Form einer geopoetischen Wende an. Die Abwendung von statischen Raumvorstellungen lässt sich auch in der Reiseliteratur nach der Wende feststellen, denn sie beteiligt sich maßgeblich an der Konstituierung und Inszenierung von Raumprojektionen.182

Vor der Analyse der literarischen Repräsentationen von Ost- und Ostmitteleuropa in den einschlägigen Reisetexten soll daher zunächst auf die räumliche Wende in den Kultur- und Geschichtswissenschaften hingewiesen werden, der eine verstärkte Wahrnehmung von Raum und Räumlichkeit in der Literaturwissenschaft folgt.

Reisen finden im realen Raum...

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