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Die Reise nach Ost- und Ostmitteleuropa in der Reiseprosa von Wolfgang Büscher und Karl-Markus Gauß

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Anna Pastuszka

Eine extreme Fußreise durch Osteuropa, Forschungsreisen zu den versprengten Minderheiten ˗ in ihrer Reiseprosa erschliessen Büscher und Gauß das durch den Eisernen Vorhang jahrelang abgeschottete östliche Europa. Im Zentrum der Studie steht die Frage nach der Inszenierung der Reise und des durchwanderten fremden Raums im Hinblick auf die imaginären Raumentwürfe von Ost- und Mitteleuropa, auf die westlichen mental maps und die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Studie beleuchtet narrative Herangehensweisen an den ostmitteleuropäischen Raum und gewährt einen Einblick in die literarische Kartographierung Europas nach der Wende. Im Medium der Reiseliteratur erfolgt bei den Autoren eine subjektive Vermessung der osteuropäischen Fremde sowie ein Remapping der kognitiven Karten Europas.

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6. Ein „herrlich nutzloses Archiv des randständigen Europa“. Die Reiseliteratur von Karl-Markus Gauß

6. Ein „herrlich nutzloses Archiv des randständigen Europa“. Die Reiseliteratur von Karl-Markus Gauß

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Zu den Reisebüchern: Lange war ich wohl wirklich das, was man einen Stubengelehrten nennt. Die europäischen Minderheiten haben mich fasziniert, aber auf die Idee, sie selbst zu besuchen, bin ich nicht gekommen. Es schwebte mir auf alle Fälle ein wachsendes, herrlich nutzloses Archiv des randständigen Europa vor.510

Mit den Essaybänden Tinte ist bitter und Die Vernichtung Mitteleuropas begann Karl-Markus Gauß die literarische Exploration vergessener Welten, und zwar unter besonderer Berücksichtigung jüdischer Autoren.511 Seine erste Schaffensphase zeichnete sich durch eine intensive Arbeit an einem alternativen Kanon mitteleuropäischer Literatur aus, als deren Teil auch verkannte und verdrängte österreichische Autoren in Erinnerung gerufen wurden.512 Es entstanden drei Anthologien ostmitteleuropäischer Literatur: Das Buch der Ränder – Prosa (1992), Das reiche Land der armen Leute. Literarische Wanderungen durch Galizien (1992)513 und Das Buch der Ränder – Lyrik (1995). Seine ←187 | 188→„Mitteleuropa-Erkundungen“ unternimmt er „zunächst lesend von Schreibtisch aus“514, um sich anschließend an die Peripherien Europas zu begeben, deren geographisch-mental-kulturelle Verortung treffend mit dem Titel eines mit dem Fotografen Kurt Kaindl gemeinsam herausgegebenen Bildbandes Der Rand der Mitte. Reisen ins unbekannte Europa (2006)515 bezeichnet wurde.

2001 erscheint der erste Reisebericht von Karl-Markus Gauß, der den enthusiastischen Kritiken zufolge eine neue Eigengattung von hoher literarischer Qualität stiftet. Im Buch verbinde sich „politische Analyse, historischer Exkurs, kulturphilosophische Reflexion, Reportage, Interview und Reisebild“.516 In Die sterbenden Europäer. Unterwegs zu den Sepharden von Sarajewo, Gottscheer Deutschen, Arb...

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