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Sicherheit Denken

Entspannungspolitik auf der Zweiten Ebene 1969-1990

Sabine Loewe-Hannatzsch

Gerade wegen der Abkühlung des sowjetisch-amerikanischen Verhältnisses entwickelten sich die Beziehungen zwischen ost- und westdeutschen Instituten für Außen- und Sicherheitspolitik in den 1970er und 1980er Jahren beträchtlich weiter. Beide deutsche Staaten blieben sowohl an einem bi- wie multilateralen Entspannungsprozess über die Blockgrenzen hinweg interessiert und führten diesen teils auch gegen die explizit formulierten Erwartungen der jeweiligen Hegemonialmacht fort. Die Analyse greift sowohl den Perzeptionswandel einer deutsch-deutschen epistemic community als auch die sicherheits- und militärpolitischen Aspekte der Beziehungen zwischen Bonn und Ostberlin auf. Die Autorin holt somit die Bedeutung multilateraler Sicherheitspolitik in die Geschichte der Wiedervereinigung zurück und präsentiert eine neue Dimension der gegenseitigen Beeinflussung nicht nur der Institute sondern auch der Politikelite allgemein.

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3 Ausbau und Inhalte der Kontakte 1977 bis 1983: Die Etablierung eines institutionellen Netzwerkes

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Bereits ein Jahr nach der Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte in Helsinki schien die Phase der Entspannung zwischen Ost und West ihren Zenit überschritten zu haben. US-Präsident Gerald Ford strich den Begriff „Détente“ im Wahlkampf 1976 sogar ganz aus seiner Sprache und ersetzte ihn mit dem Terminus „Friede durch Stärke“.1 Auch das erste KSZE-Folgetreffen, das im Jahr 1977 begann und in Belgrad stattfand, war gekennzeichnet durch unüberbrückbare Gegensätze zwischen den östlichen und westlichen Teilnehmerstaaten. Obwohl das Belgrader Treffen nur ein sehr schwaches Abschlussdokument hervorbrachte, sicherte das Treffen doch eine Kontinuität und Debatte über die Umsetzung und Weiterführung des Détente-Prozesses.2 An dem in Helsinki begonnenen multilateralen Prozess wurde festgehalten und ein Mechanismus für Dialog zwischen Experten, Diplomaten und Politikern etabliert. Letztendlich fiel in Belgrad auch die Entscheidung das nächste KSZE-Folgetreffen 1980 in Madrid abzuhalten.3

Trotz der Abkühlung des Verhältnisses zwischen den beiden Großmächten Ende der 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre, blieben beide deutsche Staaten weiterhin sowohl an einem bi- wie multilateralen Entspannungsprozess über die Blockgrenzen hinweg interessiert – und führten diesen teils auch gegen die explizit formulierten Erwartungen der jeweiligen Hegemonialmacht fort. Die deutsch-deutschen Beziehungen auf institutioneller Ebene entwickelten sich, gerade wegen ←119 | 120→der Verschlechterung des Verhältnisses der beiden Großmächte in den folgenden Jahren qualitativ und quantitativ beträchtlich weiter. Neben der Erweiterung der Kontakte zwischen Instituten und Wissenschaftlern veränderten sich auch die Inhalte der Gespr...

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