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Sicherheit Denken

Entspannungspolitik auf der Zweiten Ebene 1969-1990

Sabine Loewe-Hannatzsch

Gerade wegen der Abkühlung des sowjetisch-amerikanischen Verhältnisses entwickelten sich die Beziehungen zwischen ost- und westdeutschen Instituten für Außen- und Sicherheitspolitik in den 1970er und 1980er Jahren beträchtlich weiter. Beide deutsche Staaten blieben sowohl an einem bi- wie multilateralen Entspannungsprozess über die Blockgrenzen hinweg interessiert und führten diesen teils auch gegen die explizit formulierten Erwartungen der jeweiligen Hegemonialmacht fort. Die Analyse greift sowohl den Perzeptionswandel einer deutsch-deutschen epistemic community als auch die sicherheits- und militärpolitischen Aspekte der Beziehungen zwischen Bonn und Ostberlin auf. Die Autorin holt somit die Bedeutung multilateraler Sicherheitspolitik in die Geschichte der Wiedervereinigung zurück und präsentiert eine neue Dimension der gegenseitigen Beeinflussung nicht nur der Institute sondern auch der Politikelite allgemein.

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4 Nutzung der ausgebauten Kontakte 1983 bis 1987: Das Konzept der Gemeinsamen Sicherheit

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Mit dem Beginn der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in mehreren westeuropäischen Ländern im Dezember 1983 brach die Sowjetunion zunächst alle Abrüstungsverhandlungen ab. Als einziges Forum, in dem Vertreter der beiden Großmächte einen Dialog weiterführten, blieb die im Januar 1984 beginnende Konferenz über Sicherheits- und Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm.1 Das drohende Ende der Entspannungspolitik und die zunehmenden weltweiten Spannungen konfrontierten beide deutsche Staaten mit ähnlichen Schwierigkeiten – dem Problem der Vereinbarkeit von Bündnistreue gegenüber Moskau und Washington und der Weiterführung der deutsch-deutschen Beziehungen. Dabei war die Situation für die DDR-Führung noch erheblich schwieriger als für die Bundesregierung.2 Ein mögliches Ende der Entspannung hätte auch den Verlust der überlebenswichtigen Wirtschaftsbeziehungen zum Westen bedeutet. In Ostberlin war man deshalb nicht bereit, den von Moskau verlangten Kurs der Westabgrenzung gegenüber Bonn umfänglich mitzutragen.3 Im Oktober 1983 plädierte Erich Honecker in einem öffentlichen Briefwechsel mit Bundeskanzler Helmut Kohl für eine deutsch-deutsche „Koalition der Vernunft“4 und die Fortsetzung des ←173 | 174→Entspannungsprozesses. Ein Abbruch der Ost-West-Kooperation wäre für die finanzielle und wirtschaftliche Situation der DDR katastrophal gewesen.

Bereits seit den 1970er Jahren hatte sich die Sowjetunion für die DDR immer wieder als unzuverlässiger Partner bei der Lieferung von Lebensmitteln, Rohöl und Rohstoffen erwiesen. Als Moskau Ende 1981 ankündigte, die verbilligten Rohöllieferungen erheblich zu senken, wurden die deutsch-deutschen Beziehungen, besonders auf...

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