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Zur Funktion und Bedeutung des Chors im zeitgenössischen Drama und Theater

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Edited By Paul Martin Langner and Joanna Gospodarczyk

Die Rückkehr des Chores in die Theaterstücke und Inszenierungen der Gegenwart macht erkennbar, eine wie hohe Aktualität dieses seit der Antike bekannte Strukturelement des Dramas hat. Dabei werden die antiken Formen für die Bedingungen der Gegenwart überarbeitet und wirkungsvoll weiterentwickelt. Die Beiträge des Bandes leuchten vielfältige Formen der Aneignung und Neubildung aus. Die Position des Chores zur Bühnenhandlung, seine Dimensionen, Artikulationsweisen, Bewegungsmomente werden ebenso in den Aufsätzen diskutiert, wie seine Stellung zur Geschichte und sein Beitrag zum Verhältnis von Individualität und Gemeinschaft. In den Ergebnissen des Bandes wird deutlich, von welcher Wichtigkeit der Chor für das gegenwärtige Drama und die aktuelle Theaterarbeit ist.

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Micha Braun: „Wir sind die Kinder der Maschinenrepublik“ Zum Chor als gespaltenem Geschichtssubjekt bei Josse de Pauw und Claudia Bauer

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Micha Braun (Leipzig)

„Wir sind die Kinder der Maschinenrepublik“ Zum Chor als gespaltenem Geschichtssubjekt bei Josse de Pauw und Claudia Bauer

Abstract: Der Vortrag nimmt, anhand zweier exemplarischer Inszenierungen den Chor als ein gespaltenes ‚Geschichtssubjekt‘ in gegenwärtiger Theaterpraxis in den Blick – verstanden sowohl in seiner ‚Rolle‘ als dramatischer Gegenspieler zum Protagonisten als auch als mediale Repräsentation einer (verlorenen) Gemeinschaft. In den gewählten Fällen handelt es sich um musikalische Chöre, welche die vermeintlich souveränen Berichte und Geschichtserzählungen der Protagnisten spiegeln, aufspalten und im Raum und unter dem Publikum verteilen. Die historische wie mediale Oppositionskraft des Chores gegenüber einer Vereinnahmung durch den dramatischen Sinn wird so im Spannungsfeld zwischen (national-)geschichtlicher Propaganda und individueller Verlusterfahrung verortet.

Keywords: Gemeinschaft; Geschichte; souveränes Erzählen; Verlust

„So im Wonne werdʼ ich untergehen“1. Gespenstische Verführung in Josse de Pauws Ruhe (2007)

Im Mendelssohn-Kammermusiksaal des Gewandhauses zu Leipzig sind Stühle in mehreren konzentrischen Kreisen angeordnet; bei meinem Eintreten sitzen bereits einige Personen darauf. Nach einiger Zeit erheben sie sich, stellen sich auf ihre Stühle und lassen einen chorischen Gesang im Raum kreisen. Es sind Lieder von Franz Schubert; romantische Weisen, die als ein sentimentales Korrektiv zu den sich beschleunigenden Lebensverhältnissen zu Beginn des 19. Jahrhunderts gesehen werden können. Die Körper der Sänger des Collegium Vocale Gent im Leipziger Gewandhaus sind mir und den anderen Besuchern nahe, beinahe so nah wie...

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