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Zur Funktion und Bedeutung des Chors im zeitgenössischen Drama und Theater

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Edited By Paul Martin Langner and Joanna Gospodarczyk

Die Rückkehr des Chores in die Theaterstücke und Inszenierungen der Gegenwart macht erkennbar, eine wie hohe Aktualität dieses seit der Antike bekannte Strukturelement des Dramas hat. Dabei werden die antiken Formen für die Bedingungen der Gegenwart überarbeitet und wirkungsvoll weiterentwickelt. Die Beiträge des Bandes leuchten vielfältige Formen der Aneignung und Neubildung aus. Die Position des Chores zur Bühnenhandlung, seine Dimensionen, Artikulationsweisen, Bewegungsmomente werden ebenso in den Aufsätzen diskutiert, wie seine Stellung zur Geschichte und sein Beitrag zum Verhältnis von Individualität und Gemeinschaft. In den Ergebnissen des Bandes wird deutlich, von welcher Wichtigkeit der Chor für das gegenwärtige Drama und die aktuelle Theaterarbeit ist.

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Hans-Christian Stillmark: Bemerkungen und Beobachtungen zum Chor im deutschen Drama

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Hans-Christian Stillmark (Potsdam)

Bemerkungen und Beobachtungen zum Chor im deutschen Drama

Abstract: Es kommt mir im Beitrag darauf an, die Funktion des Chores allgemein zu umreißen und speziell auf Varianten des Chores in der Moderne und Postmoderne einzugehen. Dazu betrachte ich den Chor im Lehrstück Die Maßnahme bei Brecht und gehe zu Heiner Müllers „Verabschiedung des Lehrstücks“ über. Von der „Krise“ des Chores führe ich meine Überlegungen zu Botho Strauß und zu seinem Stück Schlußchor weiter. Mich interessiert dabei vor allem der Chor als Subjekt von Politik und Geschichte. Wie wird die traditionelle Funktion des Chores in die postdramatische Zeit transferiert und welchen Umbau erfährt sie dabei?

Keywords: Aristoteles, Lehrstück, Christentum, Kommunismus, Kalter Krieg, Geschichtsdrama

Der Chor ist einer – so behaupten zumindest die einschlägigen Rekonstruktionen zum antiken Drama – der ältesten Bausteine, die im Übergang vom Ritus zum Kultus aus der Götterbeschwörung eine Angelegenheit zum Schauen machten. Schon in meinem ersten Satz habe ich mich undeutlich ausgedrückt. Also genauer: Der Chor wandelt sich in der Spaltung der Gemeinde, die tanzend und singend sich der Gottesbeschwörung hingegeben hatte, also vom gemeinschaftlichen Akteur zum nur noch betroffenen Zuschauer und Zuhörer, für den andere, die stellvertretend die Gemeinschaft repräsentieren etwas zur Anschauung gebracht haben. Rekonstruiert man zutreffend, so steht die Gemeinde wahrscheinlich einem Einzelnen gegenüber, der einst aus der Funktion des Priesters kommend eine Wandlung zum Chorf...

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