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Zur Funktion und Bedeutung des Chors im zeitgenössischen Drama und Theater

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Edited By Paul Martin Langner and Joanna Gospodarczyk

Die Rückkehr des Chores in die Theaterstücke und Inszenierungen der Gegenwart macht erkennbar, eine wie hohe Aktualität dieses seit der Antike bekannte Strukturelement des Dramas hat. Dabei werden die antiken Formen für die Bedingungen der Gegenwart überarbeitet und wirkungsvoll weiterentwickelt. Die Beiträge des Bandes leuchten vielfältige Formen der Aneignung und Neubildung aus. Die Position des Chores zur Bühnenhandlung, seine Dimensionen, Artikulationsweisen, Bewegungsmomente werden ebenso in den Aufsätzen diskutiert, wie seine Stellung zur Geschichte und sein Beitrag zum Verhältnis von Individualität und Gemeinschaft. In den Ergebnissen des Bandes wird deutlich, von welcher Wichtigkeit der Chor für das gegenwärtige Drama und die aktuelle Theaterarbeit ist.

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Frank Starke: Mit Puppen und schlagkräftigem Chor – Stefan Puchers neue Sicht auf Peter Weiss’ Marat/Sade am Deutschen Theater in Berlin.

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Frank Starke (Potsdam)

Mit Puppen und schlagkräftigem Chor – Stefan Puchers neue Sicht auf Peter Weiss’ Marat/Sade am Deutschen Theater in Berlin.

Abstract: Peter Weiss galt Mitte der 1960er Jahre als einer der führenden Theaterautoren weltweit, mit eindeutig politischer Intention. Das alles schien lange Zeit der Schnee von gestern. Zu seinem 100. Geburtstag hat sich das Deutsche Theater in Berlin 2016 des Dramatikers erinnert: Stefan Pucher brachte eine ambitionierte Inszenierung von „Marat/Sade“ heraus. Mit einem völlig neu formierten Chor, der letztlich zum Hauptdarsteller wurde. Für den Regisseur ist der Chor „nicht wie in der Antike die Stimme der Vernunft und des Ausgleichs, sondern oftmals die der Wut und des Volkszorns“. Er gibt damit dem Stück eine Botschaft, die mitten in die aktuellen politischen Debatten zielt.

Keywords: Berlin, Brecht, Brook, Chor, episches Theater, Gewalt, Marat, Populismus, Potsdam, Pucher, Puppentheater, Revolution, Sade, Swinarski, Utopien, Versmaß, Volk, Weiss

Als ich die Einladung zu dieser Tagung bekam, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Chor, das war eigentlich so gar nicht mein Ding. Wenn es etwas Chorisches auf der Bühne gab, was in den letzten Jahren ohnehin nur selten vorkam, hat mich das kaum vom Hocker gerissen. Da war immer der schale Beigeschmack von Belehrung. Und das ist nicht eben das, was ich vom Theater erwarte, vielmehr suche ich Anregungen, um selbst zu neuen Schlüssen zu kommen.

Nur einmal hat mich der Chor wirklich umgehauen, bei Einar Schleefs „Verratenem...

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