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Robert Musil und Amos Gitaï: Die Ethik des Möglichkeitssinns

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Bernadette Appel

Die literaturwissenschaftliche Studie widmet sich den Werken des österreichischen Schriftstellers Robert Musil (1880–1942) und des israelischen Filmemachers Amos Gitaï (*1950). Die Analyse erbringt erstmalig den Nachweis, dass sich Gitaï in seinen Filmen mit dem berühmten Musilschen Möglichkeitsdenken auseinandersetzt. Vor dem aktuellen Hintergrund des Israel-Palästina-Konfliktes wird der Möglichkeitssinn dabei als innovatives und visionäres Modell erkennbar, das sich sowohl in ethischer, in medienphilosophischer und letztlich auch in aktuell-politischer Hinsicht als Transmedium einer beweglichen kritischen Praxis auszeichnet.

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5 ‚Reise an den Rand des Möglichen‘: Aufbruch und Bewegung

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5 ‚Reise an den Rand des Möglichen‘: Aufbruch und Bewegung

5.1 Aufbruch: Das Verlassen des Hauses

5.1.1 Die Symbolik der Steine

Gitaï gestaltet den Abschied vom vermeintlich Unveränderlichen als „une sorte de tremblement de terre durant lequel on peut imaginer que de grands morceaux de pierre sont tombés. Puis nous allons à partir de là construire un orchestre de tailleurs de pierre.“552 Wie bereits in Kapitel 4.3 anklang, kommt dem Stein – neben seiner metaphorischen Bedeutung im sprachphilosophischen Kontext – auch als architektonische Grundeinheit eine große symbolische Bedeutung zu. Zunächst einmal rückt Gitaï ihn als Urbestandteil eines Landstrichs in den Fokus, der wie kaum ein anderer von kriegerischen Auseinandersetzungen zerrissen wird und damit sozusagen zum ‚Stein des Anstoßes‘ im Kontext der heiklen Fragen nach Grenzen, Herkunft, Heimat und Besitzverhältnissen wird.

Ein wichtiges Anliegen Gitaïs ist es, zu zeigen, dass „the Palestinians have attachments and memories, relations to a piece of land.“553 Eine besonders poetische Bildsprache, welche diese Verbundenheit der Palästinenser mit der israelisch-palästinensischen Erde deutlich macht, findet er im Spielfilm Le dernier jour d’Yitzhak Rabin. Die Kamera streift durch einen Landstrich im – eigentlich palästinensischen – Westjordanland, der gerade von israelischen Siedlern besetzt wird. In halbtotaler Einstellung filmt sie einen Kran, der einen großen Steinbrocken aus der Erde gerissen hat und ihn nun an einen anderen Ort transportiert, um Platz für einen Wohncontainer zu schaffen.554 Andere Siedler bearbeiten den Boden mit...

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