Show Less
Restricted access

Von Menschen, Dingen und Räumen

Konstruktionen literarischer Gegenständlichkeit in ausgewählten Werken der deutschen und polnischen Gegenwartsliteratur

Series:

Jolanta Pacyniak

Das vorliegende Buch setzt sich mit der Problematik literarischer Gegenständlichkeit in den Werken der polnischen und deutschen Autorinnen: Olga Tokarczuk, Joanna Bator, Julia Franck, Tanja Dückers und Jenny Erpenbeck auseinander. Das Ziel der Arbeit ist es, Ähnlichkeiten zwischen den analysierten Romanen und Erzählungen in Bezug auf die Gestaltung der materiellen Welt festzustellen. Zur Analyse literarischer Gegenständlichkeit wurden Erkenntnisse der materiellen Kultur sowie Forschungsansätze von Bruno Latour, Jean Baudrillard, Gaston Bachelard und Dorothee Kimmich eingesetzt. In Bezug auf Figurenkonstellationen, Dinge im Raum und Eigenleben der Dinge wurden Ähnlichkeiten in den Welterschließungsstrategien der analysierten Werke festgestellt.

Show Summary Details
Restricted access

IV. Dinge

Extract



4.  Das Eigenleben der Dinge

In den vorherigen Kapiteln wurden Gegenstände jeglicher Art vor dem Hintergrund der Figurenkonstellationen und auch ihrer Situierung im Raum dargestellt. In diesem Teil werden Gegenstände in ihrer „Selbstständigkeit“ einer Analyse unterzogen. Die ausgewählten literarischen Texten werden mit soziologischen, kulturwissenschaftlichen und philosophischen Methoden hinsichtlich der Dingwelt befragt. Die postulierte Wiederkehr der Dinge1 scheint sich bei den untersuchten polnischen und deutschen Schriftstellerinnen bereits seit Langem etabliert zu haben. Die von Bruno Latour geschaffene Akteur-Netzwerk-Theorie, in der Dinge an Selbstständigkeit gewinnen und zu selbstständigen Partnern der Menschen werden,2 ist zwar in den Sozial- und Kulturwissenschaften kritisiert worden,3 für die zu analysierenden Romane und Erzählungen kann sie jedoch bedingt gelten, was im Weiteren aufzuzeigen ist.

Zuerst ist auf die Erkenntnisse von Friedrich Balke in Bezug auf die Welt der Dinge hinzuweisen, die für die folgende literarische Analyse bedeutsam sind. Demzufolge seien die Dinge zum Wirken bestimmt und diese Wirkkraft werde ihnen nicht sekundär verliehen, sondern sie gehen spezifische Arrangements mit der ihnen spezifischen Kraft ein.4 Andreas Ziemann, der die Theorie von Latour einer sorgsamen Analyse unterzieht, macht auf die Tatsache aufmerksam, dass die Dinge und die Technik im Allgemeinen in der Soziologie seit über hundert Jahren als extrasoziale Phänomene behandelt wurden und es erst in den Schriften von Latour zu einem Paradigmenwechsel kommt. Soziales Handeln basiert dementsprechend nicht nur auf (inter)subjektivem Sinn und menschlichen Intentionen, sondern wird durch Objekte...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.