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Das Wort-Ton-Verhältnis im Werk von Ludwig van Beethoven

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Małgorzata Grajter

Das Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung der Spezifik des Wort-Ton-Verhältnisses in Ludwig van Beethovens Schaffen sowohl auf struktureller als auch auf semantischer Ebene. Da Beethoven selbst nie eine Abhandlung über Komposition schrieb, erscheint es natürlich und naheliegend, als hauptsächlichen Bezugspunkt die musiktheoretischen Schriften aus dem 18. Jahrhundert heranzuziehen, um die musikästhetische Landschaft seiner Epoche zu rekonstruieren. Die durchgeführte Analyse von Beethovens Vokalmusik aus der Sicht der im 18. Jahrhundert üblichen Konzeption eines «Singstücks» beantwortet einige wesentliche Fragen nach den Prioritäten des Komponisten im Bereich der technischen und ästhetischen Aspekte der musikalischen Bearbeitung eines Textes.

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Einleitung

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„Noch vor wenig Jahren erschrack man allerdings über das unverständliche und ungeniessbare Chaos dieser Sinfonie von Beethoven. – Wir sind bereits ausgesöhnt damit und erkennen und geniessen ihre grossartigen Schönheiten. Nur die quälende und unerquickliche Ausführung der ungesangsmässigen Soli und Chöre im letzten Satz kann und wird nie Genuss gewähren […]” [Hervorh. durch M.G. ]1.

Obiger Kommentar von Friedrich Wieck (1785–1873) zu Beethovens 9. Sinfonie bringt zum Ausdruck, wie man im 19. Jahrhundert das Werk des Meisters aus Bonn sah und es in großem Maß auch heute noch sieht: als außergewöhnlich schöne Instrumentalmusik und zum Singen ungeeignete Vokalmusik, die, wie Wieck behauptet, niemals Freude bereiten wird2. Das ist ein bestimmtes Stereotyp, das zumindest aus zwei Gründen erstaunt: Zum einen hatte Beethoven in seiner Jugendzeit dank seines Vaters, der Tenor in der kurfürstlichen Kapelle war, zweifellos engen Kontakt zum vokalen Repertoire3. Zum anderen fand anfangs gerade die Vokalmusik Beethovens in höchstem Maße Widerhall in den Werken der romantischen Komponisten (in den Liederzyklen Schumanns, den großen←9 | 10→ vokal-instrumentalen Sinfonien), während die Rezeption z. B. der späten Streichquartette in dieser Zeit von verschwindend geringer Bedeutung war.

Zur Untersuchung von Beethovens Vokalmusik wurde die Autorin der vorliegenden Abhandlung durch ihre langjährigen Studien zum Schaffen dieses Komponisten veranlasst, die schon früher zur Entstehung ihrer Magisterarbeit „Chrystus na Górze Oliwnej“ op. 85 Ludwiga van Beethovena – dzieło i...

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