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Das Wort-Ton-Verhältnis im Werk von Ludwig van Beethoven

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Małgorzata Grajter

Das Ziel der vorliegenden Studie ist die Untersuchung der Spezifik des Wort-Ton-Verhältnisses in Ludwig van Beethovens Schaffen sowohl auf struktureller als auch auf semantischer Ebene. Da Beethoven selbst nie eine Abhandlung über Komposition schrieb, erscheint es natürlich und naheliegend, als hauptsächlichen Bezugspunkt die musiktheoretischen Schriften aus dem 18. Jahrhundert heranzuziehen, um die musikästhetische Landschaft seiner Epoche zu rekonstruieren. Die durchgeführte Analyse von Beethovens Vokalmusik aus der Sicht der im 18. Jahrhundert üblichen Konzeption eines «Singstücks» beantwortet einige wesentliche Fragen nach den Prioritäten des Komponisten im Bereich der technischen und ästhetischen Aspekte der musikalischen Bearbeitung eines Textes.

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Kapitel 1. Theorie der Vokalmusik im 18. Jahrhundert

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Kapitel 1. Theorie der Vokalmusik im 18. Jahrhundert

1.1. Die Rolle von Wort und Musik in musikästhetischen Theorien des 18. Jahrhunderts

Leben und Werk Beethovens fallen in eine Zeit, in der das ästhetische Denken über die Musik einem starken Wandel unterlag. Etwa bis Ende des 18. Jahrhunderts war die Tätigkeit des Komponisten meist den Erwartungen der Mäzene oder auch der Auftraggeber untergeordnet. Dies war sicher in hohem Maße eine Folge der niedrigen Position der Musik in der Hierarchie der Künste, wovon u. a. die ästhetischen Ansichten Immanuel Kants (1724‒1804) zeugen, die in seiner Kritik der Urteilskraft (1790) zum Ausdruck kommen. Kant war ein Erbe der Ästhetik des 18. Jahrhunderts, die ihr Verständnis der Schönen Künste auf die aristotelische Theorie der mimetischen (die Natur nachahmenden) Künste stützte. Er unterteilte die Künste in ästhetische und mechanische, in Anlehnung an Charles Batteux (1713‒1780), der als Erster den Begriff der Schönen Künste (Poesie, Malerei und Musik) definierte, indem er sie von den „mechanischen“, also den angewandten Künsten (Bauwesen, Architektur, Gartenbau, Tanz) unterschied. Obwohl die Musik zu den schönen Künsten gerechnet wurde, stand sie hinsichtlich ihrer Fähigkeit, die Natur nachzuahmen, hinter den anderen Künsten zurück.

Die Unterteilung Kants war etwas komplexer. Während Batteux die schönen Künste sowohl als „gefällige“ (ästhetische Erlebnisse hervorrufende) als auch als „die Natur nachahmende“19 bezeichnete, trennte Kant ganz entschieden...

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