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Der zweite deutsch-französische Städtepartnerschaftsboom (1985-1994)

Akteure, Motive, Widerstände und Praxis

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Tanja Herrmann

Entgegen der Annahme, dass der deutsch-französische Städtepartnerschaftsboom von 1963 bis 1975 einzigartig war, weisen die Jahre 1985 bis 1994 einen Zuwachs auf. Die Arbeit analysiert 40 Fallstudien: Wer war warum und in welchem Kontext am zweiten Boom beteiligt? Sie beleuchtet das Zusammenspiel von politischer Richtungsvorgabe, halböffentlichen Institutionen, Zivilgesellschaft und privaten Kontakten, widerlegt die Hypothese, dass zu diesem Zeitpunkt Ressentiments Verschwisterungen nicht mehr beeinträchtigten, und betont Verdienste in der Vergangenheitsaufarbeitung. Auch wenn der Fokus auf den Jahren 1985 bis 1994 liegt, zeigen die Schlussfolgerungen aktuelle Trends auf und bieten verschiedene Erklärungsansätze für die weltweit einmalige Anzahl von deutsch-französischen Partnerschaften.

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1. Einleitung

1. Einleitung

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„Nirgendwo anders auf der Welt gibt es so enge und vielschichtige Beziehungen und gesellschaftliche Verflechtungen zwischen zwei Ländern wie im sogenannten ‚franco-allemand‘.“1

Die deutsch-französischen Beziehungen zeichnen sich heute durch eine konstante Zusammenarbeit auf politischer, wissenschaftlicher, wirtschaftlicher, kultureller und gesellschaftlicher Ebene und durch einen hohen Institutionalisierungsgrad aus. Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), die Deutsch-Französische Hochschule (DFH), das Deutsch-Französische Institut (DFI), der Fernsehkanal ARTE und die deutsch-französischen Minister-, Kultur- sowie Verteidigungs- und Sicherheitsräte sind nur einige Beispiele für die Förderung der bilateralen Kooperation. Der ‚deutsch-französische Motor‘ nimmt innerhalb der Europäischen Union häufig eine führende Rolle ein und auch wirtschaftlich sind die beiden Länder eng miteinander verflochten. Es gibt deutsch-französische Kindergärten, Gesellschaften, Wirtschaftsclubs und Chöre sowie ein Schulgeschichtsbuch und eine Agenda 2020. Das Programm DeutschMobil/FranceMobile ermuntert Schüler2 zum Erlernen der Partnersprache, sie treffen sich dank einiger tausend Schulpartnerschaften und können ein deutsch-französisches Abitur erwerben. Studierende profitieren von unzähligen Hochschulkooperationen und absolvieren Doppelabschlüsse. Nicht zuletzt festigen Partnerschaften zwischen den Gemeinden, Städten, Landkreisen, Kantonen, Bezirken, Departements, Bundesländern und Regionen die Zusammenarbeit beider Länder.

Mit knapp 2200 deutsch-französischen Städtepartnerschaften ist auf kommunaler Ebene die Vernetzung zwischen Deutschland und Frankreich weltweit einmalig.3 Der Begriff ‚Städtepartnerschaft‘ scheint sich zunächst nur auf Verbindungen zwischen Städten zu beziehen, die vorliegende Dissertation nutzt ihn jedoch im Einklang mit der Bedeutung laut Duden auch für Verbindungen „zwischen...

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