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Jesus, Hauptdarsteller Gottes?

Inszenierung als Schlüssel für einen vernunftgemäßen Glauben

Eberhard Martin Pausch

Der Mensch Jesus kann verstanden werden als Gottes Hauptdarsteller in dem Theaterstück, das Weltgeschichte heißt. Das ist die These dieses Buches. Es gibt historische Indizien dafür, dass er sich selbst so sah, etwa die Nähe der Stadt Nazareth zum antiken Theater in Sepphoris. Die These lässt sich jedoch vor allem semiotisch begründen, wenn man die Person Jesu als ein mehrdimensionales Zeichen versteht. Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger machten Glaube, Hoffnung und Liebe als Grunddimensionen menschlicher Existenz sichtbar. Wer ihm nachfolgt, lebt ebenfalls in diesen Dimensionen und erkennt Gott als den Regisseur der Geschichte an. Dessen Hauptdarsteller Jesus ist auch heute noch leibhaft erfahrbar, unter anderem im Leben der Glaubenden und im Geschehen von Gottesdienst und Abendmahl.

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Vorwort

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Als ich sechs Jahre alt war, schenkte mir meine Urgroßmutter ein Kinderbuch, das auf jeweils einer Seite eine Geschichte von Jesus von Nazareth erzählte und auf der anderen Seite Platz zum Ausmalen bot, was ich als Kind mit bunten Stiften und mit viel Liebe zum Detail tat. So wurde mir die Person Jesu vertraut. Und ich war sofort von diesem außergewöhnlichen Menschen fasziniert. Dass er uns Menschen lehrte, Gott als unseren himmlischen Vater anzusehen und ihn im „Vaterunser“ vertrauensvoll anzusprechen, das habe ich für mein ganzes Leben mitgenommen. Dass er auf schreckliche Weise leiden musste und am Kreuz starb, das hat mich tief erschüttert. Dass er noch am Kreuz für seine Feinde und Mörder betete („Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“), das hat mich sehr bewegt und geprägt. Und dass Gott ihn von den Toten auferweckte, ihm auf unfassbare Weise neues Leben schenkte, das hat mich frohgemacht und mir für mein Leben Mut geschenkt. Diese Ausmal-Kinderbibel, die, wie ich heute weiß, eine „Evangelien-Harmonie“ war, hat meinen kindlichen Glauben geformt, aus dem mein erwachsener Glaube hervorging. Meine Urgroßmutter hat mich auch beten gelehrt. Für all dies bin ich ihr unendlich dankbar. Sicherlich hätte ich ohne diese Grundlagen niemals Theologie studiert und wäre nicht Pfarrer geworden.

Mein erwachsener Glaube aber schließt auch Vernunft ein. Ich denke gerne. Ich denke gerne kritisch. Ich würde mir das Denken niemals verbieten...

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