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Jesus, Hauptdarsteller Gottes?

Inszenierung als Schlüssel für einen vernunftgemäßen Glauben

Eberhard Martin Pausch

Der Mensch Jesus kann verstanden werden als Gottes Hauptdarsteller in dem Theaterstück, das Weltgeschichte heißt. Das ist die These dieses Buches. Es gibt historische Indizien dafür, dass er sich selbst so sah, etwa die Nähe der Stadt Nazareth zum antiken Theater in Sepphoris. Die These lässt sich jedoch vor allem semiotisch begründen, wenn man die Person Jesu als ein mehrdimensionales Zeichen versteht. Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger machten Glaube, Hoffnung und Liebe als Grunddimensionen menschlicher Existenz sichtbar. Wer ihm nachfolgt, lebt ebenfalls in diesen Dimensionen und erkennt Gott als den Regisseur der Geschichte an. Dessen Hauptdarsteller Jesus ist auch heute noch leibhaft erfahrbar, unter anderem im Leben der Glaubenden und im Geschehen von Gottesdienst und Abendmahl.

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Abstract: Jesus, Hauptdarsteller Gottes?

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Immanuel Kant zufolge darf Religion niemals die „Grenzen der bloßen Vernunft“ überschreiten. Daher muss die christliche Theologie mit klaren und eindeutigen Begriffen arbeiten und die Regeln der Logik respektieren. Die christliche Religion ist ein Phänomen, das auf zumindest drei Dimensionen beruht: Glaube, Hoffnung und Liebe. Glaube meint ein grundlegendes Vertrauen zu Gott, Liebe eine zwischenmenschliche Beziehung, und Hoffnung ist auf den Horizont von Zeit und Ewigkeit ausgerichtet. Jesus von Nazareth versuchte, sein Leben ganz in diesen drei grundlegenden Dimensionen zu leben. Vielleicht wurde er dabei angeregt durch die Theateraufführungen in der Stadt Sepphoris, die nahe bei Nazareth lag. Er verstand sich selbst (seinen „Leib“ in einem semiotischen Sinn) womöglich als Sohn Gottes und als Zeichen von dessen Liebe. Vielleicht stellte er sich vor, er sei ein Schauspieler in einem eschatologischen Drama. Von dieser Hypothese aus kann man möglicherweise Jesus und seine Jünger als eine Art „Schauspieltruppe“ sehen. Als Jesus nach Jerusalem kam, wurde er verhaftet, gefoltert und gekreuzigt. Aber sein Tod war nicht das Ende des Schauspiels, das er inszeniert hatte. Das Zeichen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, das von ihm ausgegangen war, hatte einen überwältigenden Einfluss auf seine Nachfolger. Sie glaubten fest daran, dass der Leib Jesu immer noch lebendig war: im Leben der Nachfolger selber, in Brot und Wein als den Elementen des Abendmahls und in der Gemeinschaft, die sie auf der Grundlage des Abendmahls pflegten. Der Begriff „Leib Christi“ ist daher zwar mehrdeutig, aber dennoch sinnvoll....

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