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Bundesordnung in der deutschen Geschichte

Christian Gellinek

Die Hauptstadtlosigkeit Deutschlands geht mit einer uns eigenen Bundesordnung Hand in Hand, die sich in verschiedenen Epochen auf zentrale Orte, bestimmte Burgen und dem Reiche zugewandte Klöster verteilt in größeren oder kleineren Territorien von Süden und Südwesten ab der Donau bis zur Wiedau, und manchmal nur bis zur Eider. Sie erstreckt sich in nördlicher Richtung, und auch vom Rhein bis zur Oder in östlicher. In dieser Wissensstudie wird die Bundesordnung als mittragendes Element der deutschen Geschichte in ihrer politischen Entwicklung vorgeführt. Die regulären Königswahlen fanden in Frankfurt am Main, die Krönungen ursprünglich in Aachen statt. Manche Orte wandten sich zeitweise dem Deutschen Reich zu, manche für immer von ihm ab. Die bündische Bestimmung wurde auf dem Wiener Kongress von Österreich, Russland, England, Preußen und endlich auch Frankreich durch Talleyrand durchgesetzt. Diese Grundlage erfüllte sich erst im Bonner Grundgesetz.

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Zweites Kapitel: Die Vor-Deutschen bei der Arbeit

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In der Natur

Das ursprüngliche Reservoir der vordeutschen Natur ist eigentlich der ungerodete Wald, wie ihn der österreichische Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter (1805–1868) in seinem Roman Der Hochwald (1841) beschrieben hat. Er wuchs übrigens an den Ufern der Moldau im Böhmerwald auf. Mit seinem Erzählstil erreichte Stifter eine im Deutschen neuartig genaue Naturbeschreibung als Landschaftsbild, die im Verlaufe des späten neunzehnten Jahrhunderts beim Lesepublikum Resonanz fand. Seine Beschreibung der österreichischen Seelenlandschaft in seinen Figuren, die aus der Naturspiegelung gezogen werden, bildet meines Erachtens das Pendant zur Landbebauung als ländlicher Beschreibung ab. Viel später ist man geneigt, von einer Kulturlandschaft zu sprechen. Ihre Vorstufe zeichnet sich durch eine gewisse Trägheit aus. Sie erinnert von weitem an Bedrich Smetana (1824–1884) Sinfonie Die Moldau (1874), der sich in der zweiten Hälfte seines Lebens als Tscheche fühlte, dessen Tagebücher aber immer auf Deutsch geführt wurden.

Land

Das Land ist in Altdeutschland mit wenigen Ausnahmen, wie etwa der Lüneburger Heide, ein liebevoll fachmännisch bearbeitetes, d. h., Nicht-Ackerland gewesen. Ungeforsteter Wald ist ursprünglich keine Seltenheit. Die Flüsse wurden schon frühzeitig mit kleinen Kanälen verbunden. Das Gebirge ragt von Süden in Richtung Norden weniger hoch empor und gibt ab dem Main eine klare Trennung von der norddeutschen Tiefebene ab. Eine Ausnahme davon bildet der Harz. Das Land wird beackert, kolonisiert und besessen, so dass es ein Gebiet errichtet....

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