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Bundesordnung in der deutschen Geschichte

Christian Gellinek

Die Hauptstadtlosigkeit Deutschlands geht mit einer uns eigenen Bundesordnung Hand in Hand, die sich in verschiedenen Epochen auf zentrale Orte, bestimmte Burgen und dem Reiche zugewandte Klöster verteilt in größeren oder kleineren Territorien von Süden und Südwesten ab der Donau bis zur Wiedau, und manchmal nur bis zur Eider. Sie erstreckt sich in nördlicher Richtung, und auch vom Rhein bis zur Oder in östlicher. In dieser Wissensstudie wird die Bundesordnung als mittragendes Element der deutschen Geschichte in ihrer politischen Entwicklung vorgeführt. Die regulären Königswahlen fanden in Frankfurt am Main, die Krönungen ursprünglich in Aachen statt. Manche Orte wandten sich zeitweise dem Deutschen Reich zu, manche für immer von ihm ab. Die bündische Bestimmung wurde auf dem Wiener Kongress von Österreich, Russland, England, Preußen und endlich auch Frankreich durch Talleyrand durchgesetzt. Diese Grundlage erfüllte sich erst im Bonner Grundgesetz.

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Sechstes Kapitel: Die einflussreichsten Kaiser, ihre Dynastien und Reichsstädte

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Karl der Große in Aachen

Dieser Herrscher machte sich selbst und seinen Krönungsort . Zum Beinamen (der Große) gelangte er während seiner Kaiserkrönung 800 in Rom, wo die Floskel lautete: „ … imperator coronatus magnus pacificus“. Er beendete durch die Wahl Aachens zur Residenz- und Krönungsstadt die Hauptstadtwanderung durch die Franken, Schwaben und Alemannen, aber auch durch Unterwerfung Langobardiens (774), Bayerns (788) und des Awarenlands (800) die Völkerwanderung, und festigte den weiteren Zusammenhalt seines Reiches durch ein regierendes Grafschaftssystem. Er verflocht die Süd- Norderstreckung von der Donau bis zur Eider. Der Anspruch Frankreichs, dass sich Karls Frankenreich nirgends über den ostfränkischen oder deutschen Teil hinaus erstrecke außer dem eigentlich westfränkischen Austrasien (und nicht auch auf Lothringen), besteht zu Recht. Das macht ihn in erster Linie zu einem Charlemagne. Es gelang auch dem Enkel Karls des Großen, der ihm 843 auf dem Thron folgte, Ludwig dem Deutschen (806–876), nicht, die Reichsteilung gleichberechtigt unter sich und seinen Brüdern aufzusplitten. Lothar wurde sogar zum Mitkaiser gekrönt. Die nachgeborenen Brüder erhielten nach dem Vertrag von Meersen: 870 Pippin Aquitanien, Ludwig Ostfranken. Gemäß diesen Vertrags verschmälerte sich Lotharingien, das Zwischenreich Lothairs; aber Karl der Kahle konnte sein Aquitanien abrunden wie auch noch mehr Ludwig der Deutsche, vor allem nach Süden und nach Osten. Im Ganzen wurden in der Pfalzkapelle des Aachener Doms 30–31 Könige gekrönt, was nur...

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