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Bundesordnung in der deutschen Geschichte

Christian Gellinek

Die Hauptstadtlosigkeit Deutschlands geht mit einer uns eigenen Bundesordnung Hand in Hand, die sich in verschiedenen Epochen auf zentrale Orte, bestimmte Burgen und dem Reiche zugewandte Klöster verteilt in größeren oder kleineren Territorien von Süden und Südwesten ab der Donau bis zur Wiedau, und manchmal nur bis zur Eider. Sie erstreckt sich in nördlicher Richtung, und auch vom Rhein bis zur Oder in östlicher. In dieser Wissensstudie wird die Bundesordnung als mittragendes Element der deutschen Geschichte in ihrer politischen Entwicklung vorgeführt. Die regulären Königswahlen fanden in Frankfurt am Main, die Krönungen ursprünglich in Aachen statt. Manche Orte wandten sich zeitweise dem Deutschen Reich zu, manche für immer von ihm ab. Die bündische Bestimmung wurde auf dem Wiener Kongress von Österreich, Russland, England, Preußen und endlich auch Frankreich durch Talleyrand durchgesetzt. Diese Grundlage erfüllte sich erst im Bonner Grundgesetz.

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Siebtes Kapitel: Fortschritte in Richtung Bundesstaat bis zum Wiener Kongress

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1235 Reichsfriedengesetz

Zunächst müssen wir weit zurückgreifen. Auf dem Reichstag zu Mainz erlässt Kaiser Friedrich II. ein Land- oder Reichsfriedengesetz. Da es sich an den Deutschen Reichsteil wendet, wird dieses Gesetz gleichzeitig in lateinischer und in mittelhochdeutscher Sprache ausgefertigt. Wegen vieler im ganzen Reich unentschiedener Fehden sah sich Kaiser Friedrich II. gezwungen, ein schlichtendes Landfriedengesetz zu erlassen, das die Zeit solcher Auseinandersetzungen auf anderthalb Jahre beschränkte. Der Kaiser befand sich mit seinem ältesten Sohn aus erster Ehe (mit Konstanze von Sizilien) in einer Dauerfehde, die sich über mehrere Jahre erstreckte. Heinrich der Klammersiebte, wie er in der Zunft abfällig genannt wird, wurde schon als Elfjähriger auf Wunsch seines Vaters genötigt, die sieben Jahre ältere Margarethe von Babenberg und Österreich zu heiraten. Sie wurde in nervöser Voraussicht schon 1227 in Aachen zur Königin gekrönt. Margarethe überlebte ihren Mann um 24 Jahre als 1. Ehefrau Premysl Otakar II., eben desjenigen, der bei Dürnkrut gefallen ist. Auch Ottokar wäre gerne zum deutschen Kaiser gewählt worden, fand aber in dieser Schlacht sein Ende. Heinrich lehnte sich gegen seinen Vater dermaßen massiv auf, dass dieser 1242 Reichs-Gubernatoren für seinen Stiefbruder Konrad IV. [den Sohn seiner zweiten Frau Isabella, die bei dessen Geburt starb] einsetzte. Konrad wurde zum Vater Konradins. Zum Schutz des Erben wurden noch hinter einander Reichsprokuratoren eingesetzt. Denn der Papst hatte Friedrich II. 1239 exkommuniziert. Mit 24 Jahren wird Heinrich von seinem erz...

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