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Das «auto sacramental» Calderóns zwischen Tridentinum und Theatralität

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Dorothea Kraus

Die Autorin geht der Frage nach, warum die allegorischen Fronleichnamsspiele des Siglo de Oro dezidiert auf ihre theatrale Umsetzung angewiesen sind. Durch die Adaption moderner Kategorien von Theatralität auf die «autos sacramentales» lässt sich der didaktische Hintergrund der Gegenreformation mit den performativen Elementen eines Theaterspiels in Verbindung bringen. Dabei eröffnet die Thematisierung der körperlichen Präsenz einen wirkungsästhetischen Zugang zu diesen inhaltlich wie formal komplexen Stücken.

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A Präliminarien

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1 Die loa – Zur Lesbarkeit des Theaters

Die von J. E. Duarte editierte Ausgabe des Divino Orfeo1 enthält auch die loa zum gleichnamigen auto sacramental aus dem Jahr 1663. Dieses kurze dramatische Vorspiel dient der Profilierung der theatralen Thematik der Fronleichnamsspiele: Sie ist nicht mehr nur als inhaltlicher Prolog2 zu verstehen, vielmehr verweist sie durch die Konzentration theatraler Elemente auf die ungeheure Kapazität des auto als Mittlerstelle zwischen Sein und Schein.3 Die loa behandelt einen (musikalischen) Wettstreit4: Musiker preisen den Tag des Corpus, den Fronleichnamstag, durch „divinas y humanas letras“ (v. 4), wobei festgestellt werden soll, welcher Buchstabe am ehesten die Größe Gottes auszudrücken vermag. Um die Buchstaben, aus denen sich das Wort „Eucharistie“ zusammensetzt, wird ein „hochingeniöses anagrammatisches Spiel“ aufgeführt, welches „das Prinzip des ganzen Komplexes“5 beinhaltet. Hier vereinen sich das Heilige, i.e. der dem Fest zugrundeliegende biblische Text, und das Profane, i.e. der Text der loa bzw. des auto.6 Diese Vereinigung ist möglich, so wird es die loa in der Folge zeigen, durch die Tatsache, dass beiden Texten die gleichen Buchstaben zugrunde liegen und ihnen der Kontext die Bedeutung gibt, die der Text schließlich erhält. Darüber hinaus wird eine Verbindung über den Anlass hergestellt, dass nämlich die Besonderheit des Ereignisses der Eucharistie sowohl der bereits vergangenen Passion Christi als auch deren Übertragung in das auto zugrunde liegt. Damit wird das ganze Stück zu einer Art Monotopos, in welchem sich Fest, Religion...

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