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Poetische Vereinnahmung gelehrten Wissens bei Konrad von Würzburg, Frauenlob und Heinrich von Mügeln

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Florian Führen

Der Band widmet sich der dichterischen Weiterverarbeitung von Fachvokabular und wissenschaftlichen Modellen. Hierzu vergleicht der Autor drei Dichter des Spätmittelalters, die zunehmend ihre Texte mit Fachwissen anreichern und als Blümer oder Meister nicht hinreichend erfasst sind. Um die Ergebnisse der interdisziplinären Analysen nicht einem neuen Fachbegriff unterordnen zu müssen, wendet er Ansätze aus der Motiv- und Überlieferungsanalyse mit Wissenschaftsgeschichte und Rhetorik überschneidend an, ohne die Ergebnisse anschließend künstlich zu synthetisieren. Das Buch soll somit helfen, die Autoren vor dem Hintergrund ihrer fachwissenschaftlichen Vorbildung zu betrachten und auf Probleme der Gattungstheorie hinzuweisen, die diese Grauzone bislang nicht begrifflich fassen kann.

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3. Frauenlob

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3.  Frauenlob

Das Frauenlobbild hat seit Beginn der Forschung einen Wandel erfahren wie kaum eine andere Autorenbewertung. Hier fällt besonders auf, dass die frühen Beiträge die wissenschaftlichen Inhalte weit ausgiebiger berücksichtigten als es die Forschung nach Stackmann – oft genug bis heute – getan hat. Für Willibald Nagel gilt Frauenlob noch als „Hauptvertreter der Scholastik in der deutschen Dichtung“.298 Kissling gesteht ihm zumindest den Status eines gelehrten Dichters und die indirekte Kenntnis Alans oder Wilhelms von Conches zu. Allerdings weist er zurecht darauf hin, dass Frauenlob – seinen sonstigen Legitimationsansprüchen gemäß – aller Wahrscheinlichkeit nach das Fachwissen eines Gelehrten wie Meister Eckhart nicht unmarkiert hätte stehen lassen. Da Frauenlob mit Eckhart gewisse ideelle Parallelen aufweist, hätte man hier einen Ansatz finden müssen, so Kissling. Von dieser Prämisse ausgehend scheint daher die Benennung Alans und anderer unter entsprechendem Vorzeichen zu stehen und Sachwissen aus summae nahezulegen.299 Auch wenn die Argumentation nachvollziehbar ist, soll diese Arbeit zeigen, dass selbst eine bekannte Quellenlage Schlüsse auf die verarbeitete Scholastik nicht erleichtert, sondern aufgrund der poetischen Bearbeitung erschweren kann.

Mit Verweis auf Thomas (1939) beschrieb Rosenthal Frauenlobs Gelehrtenstatus auch hinsichtlich des zu erwartenden Publikums:

Er ist ein auf der Höhe der Bildung seiner Zeit stehender Vertreter höfischer Spruchdichtung, dessen Werk nur einem kleinen Hörerkreis adäquater Bildung verständlich gewesen sein kann.300

Bevor man auf dieser Grundlage zu weit in eine pseudobiographische...

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