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Poetische Vereinnahmung gelehrten Wissens bei Konrad von Würzburg, Frauenlob und Heinrich von Mügeln

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Florian Führen

Der Band widmet sich der dichterischen Weiterverarbeitung von Fachvokabular und wissenschaftlichen Modellen. Hierzu vergleicht der Autor drei Dichter des Spätmittelalters, die zunehmend ihre Texte mit Fachwissen anreichern und als Blümer oder Meister nicht hinreichend erfasst sind. Um die Ergebnisse der interdisziplinären Analysen nicht einem neuen Fachbegriff unterordnen zu müssen, wendet er Ansätze aus der Motiv- und Überlieferungsanalyse mit Wissenschaftsgeschichte und Rhetorik überschneidend an, ohne die Ergebnisse anschließend künstlich zu synthetisieren. Das Buch soll somit helfen, die Autoren vor dem Hintergrund ihrer fachwissenschaftlichen Vorbildung zu betrachten und auf Probleme der Gattungstheorie hinzuweisen, die diese Grauzone bislang nicht begrifflich fassen kann.

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4. Heinrich von Mügeln

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4.  Heinrich von Mügeln

Ebenso wie die Debatte um die geblümte Rede weist auch die Forschung um das Verhältnis zwischen Meistergesang und Minnesang eine lange Reihe von Beiträgen auf. Da Mügeln mitunter am Anfang dieser Gattungsentwicklung steht, sei diese einleitend skizziert.

Bert Nagel hat die Tendenzen der Forschungsgeschichte treffend zusammengefasst, weshalb sie hier nur kurz umrissen werden: Während die frühe Forschung noch ein klares Abhängigkeitsverhältnis zwischen Meistergesang und Minnesang sah und ersteren somit als Endpunkt einer Genese betrachtete, kamen spätere Forscher zu der Ansicht, dass man von einer eigenen Form und separaten Bildungsidealen ausgehen müsse, was nicht zuletzt durch die Vielzahl der Einflüsse auf den Meistergesang erklärbar sei. Die Eingrenzung der Meistersänger auf eine soziale Schicht ist somit ein spätes Thema der Forschung, eingeführt durch Stackmann und vor besagtem Hintergrund der Diversität von Nagel kritisiert.491 Weit häufiger als die Klärung des gesellschaftlichen Standes der Autoren taucht diejenige der verarbeiteten Stoffe, der vorauszusetzenden Bildung und sich wandelnder Bildungsmodelle auf:

Die notwendige Anwesenheit der gebildeten Merker und der Meisterschulen hält Schnorr von Carolsfeld für das 16. Jh. fest, wobei er einen vergleichbaren Zustand für vorausgehende Meistersänger implizit vorauszusetzen scheint.492 Demgegenüber wurde die im Meistergesang omnipräsente Verbindung von Scholastik und Formspiel schon früh erkannt:

Die Meistersinger haben spitzfindige scholastische Probleme in langatmigen Reimereien behandelt, und...

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