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Islam auf dem Balkan

Muslimische Traditionen im lokalen, nationalen und transnationalen Kontext

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Edited By Jordanka Telbizova-Sack and Christian Voß

Die 13 interdisziplinär ausgerichteten Beiträge des Sammelbandes fokussieren die religiöse Landschaft des Balkans im Kontext zunehmender Globalisierung, erhöhter Mobilität und postsozialistischer Transformation. In den Panels «Historische Perspektiven: Islam, Staat und Politik», «Pluralisierung und Transformation», «Türkei: Transnationale Verflechtungen und Innenpolitik» und «Diversität, Identität und Debatten» werden politische, religiöse und kulturelle Prozesse auch im historischen Aufriss dargestellt und analysiert. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf die institutionelle Erneuerung und innere Diversifizierung als auch auf das komplizierte Verhältnis zwischen Staat, Politik und muslimischen Bevölkerungsgruppen.

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Religiöser Wandel durch Bürokratisierung? Bosnische Muslime unter habsburgischer Herrschaft (Heiner Grunert)

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Religiöser Wandel durch Bürokratisierung? Bosnische Muslime unter habsburgischer Herrschaft

Heiner Grunert

Die Habsburger traten 1878 die Herrschaft in Bosnien selbstbewusst und mit einer imperialen Kulturmission an. Das Land sollte grundlegend modernisiert und schnell in das Reich integriert werden, ohne dabei die soziale Struktur der Gesellschaft anzutasten. Dieser konservative Modernisierungsanspruch zeigte sich in der Geschwindigkeit und im Ausmaß des Wandels der Gesellschaft. Den politischen Eliten erschien die Modernisierung vor allem mit den Mitteln einer tiefgreifenden Bürokratisierung erreichbar – also durch den Aufbau von Institutionen, durch Normierung und Professionalisierung aller öffentlichen Bereiche. Zur Stabilisierung der Gesellschaft sollten die sozio-ökonomischen Verhältnisse erst einmal unangetastet bleiben.

Robert Crews bezeichnete das Russländische Reich des 19. Jahrhunderts als einen confessional state:1 Das imperiale Zentrum war tief in religiöse Belange involviert und es kontrollierte, unterstützte und besoldete Funktionsträger der religiösen Organisationen. Gleichzeitig spielte Religion eine hohe Bedeutung in der politischen Strukturierung des Reiches. Strukturell ähnlich war auch das Habsburger Reich aufgebaut. Konfession strukturierte das Imperium, welches wiederum die Religionsorganisationen unterstützte und kontrollierte. Konkret waren Religionsorganisationen unumgänglich in der Bevölkerungsevidenz für steuerliche, statistische und militärische Zwecke. Ein erheblicher Teil der Schulbildung im Land oblag den Religionsgemeinschaften und die regionalen wie lokalen Verwaltungsorgane der Konfessionen stabilisierten das Reich in erheblichem Maße. Diese Strukturen lieferten gerade im ländlichen Raum oftmals seit Jahrhunderten die Basis einer über den lokalen Raum hinausgehenden Herrschaft. All dies diente der hierarchischen Strukturierung...

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