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Islam auf dem Balkan

Muslimische Traditionen im lokalen, nationalen und transnationalen Kontext

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Edited By Jordanka Telbizova-Sack and Christian Voß

Die 13 interdisziplinär ausgerichteten Beiträge des Sammelbandes fokussieren die religiöse Landschaft des Balkans im Kontext zunehmender Globalisierung, erhöhter Mobilität und postsozialistischer Transformation. In den Panels «Historische Perspektiven: Islam, Staat und Politik», «Pluralisierung und Transformation», «Türkei: Transnationale Verflechtungen und Innenpolitik» und «Diversität, Identität und Debatten» werden politische, religiöse und kulturelle Prozesse auch im historischen Aufriss dargestellt und analysiert. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf die institutionelle Erneuerung und innere Diversifizierung als auch auf das komplizierte Verhältnis zwischen Staat, Politik und muslimischen Bevölkerungsgruppen.

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Die türkische Minderheitenpolitik (Gülistan Gürbey)

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Die türkische Minderheitenpolitik

Gülistan Gürbey

Ideologische und rechtliche Grundlagen des Minderheitenschutzes

Die Türkei verfolgt in Bezug auf die Rechte von Minderheiten nach wie vor einen restriktiven Ansatz. Dies hängt mit den ideologischen und rechtlichen Grundlagen von Staats- und Nationsverständnis zusammen.

1923 wurde die moderne Republik auf den Trümmern des multiethnischen und multikonfessionellen Osmanischen Reiches gegründet. Die neue Republik sollte ein zentralistischer und streng laizistischer Einheitsstaat mit einer Einheitsideologie – dem Kemalismus – werden. Dabei waren mindestens drei Komponenten von zentraler Bedeutung und dienten als ideologische Grundlage: erstens das Postulat eines Gleichheitsgrundsatzes mit dem Ziel der Homogenisierung von Politik und Gesellschaft; zweitens die strikte Trennung von Religion und Politik und die Kontrolle der Religion (sunnitischer Islam) durch den Staat (Präsidium für religiöse Angelegenheiten), sowie drittens ein autoritäres Staats- und Nationsverständnis. Die Republik sollte ein moderner Nationalstaat werden und berief sich auf die türkische Nation. Dem Geist der Zeit entsprechend sollte die Nation sprachlich, religiös, kulturell und ethnisch homogen sein. Oder anders formuliert: Das strenge Staatsnationen-Konzept definiert die türkische Nation ungeachtet der ethnischen Zugehörigkeit als die Summe der Staatsangehörigen und negiert in seiner rechtlichen Auslegung die Existenz von ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten und Minderheitenschutz. Auf dieser Grundlage wurde jegliche Artikulation von kultureller Andersartigkeit als eine Gefahr für die kulturelle und nationale Einheit perzipiert und vehement abgelehnt. Auf der Basis der kemalistischen Definition der türkischen...

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