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Die Abwertung des Anderen mittels Sprache im Amateurfußball

Ein soziolinguistischer Vergleich in Deutschland und Frankreich

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Florian Koch

«Kanake» oder «Kartoffel»? Wörter beschreiben mehr als einzelne Objekte. Wörter teilen ein, grenzen aus und werten ab. Das soziale Phänomen der alltäglichen verbalen Gewalt stellt der Band am Beispiel des Amateurfußballs in Deutschland und Frankreich explorativ dar. Der Autor veranschaulicht, dass verbale Gewalt im Amateurfußball in beiden Ländern weit verbreitet ist. Die Mehrheit der berichteten konkreten verbalen Gewalt lässt dabei auf Gruppenbezogene Menschenfeindliche Einstellungen schließen. Hierbei überwiegen sexistische Beleidigungen. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass der Schiedsrichter verbale Gewalt höchst unterschiedlich bewertet. Landesspezifische Konflikte schlagen sich hingegen nicht signifikant bei der Bewertung von verbaler Gewalt durch den Amateurschiedsrichter nieder. Vielmehr kann angenommen werden, dass das Regelwerk der FiFA Richtschnur deutscher und französischer Amateurschiedsrichter ist.

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1 Einführung

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1.1 Aktualität und Relevanz

Aktuelle Beispiele für verbale Abwertungen im Sport und insbesondere im Fußball sind sowohl in Deutschland als auch in Frankreich zahlreich und werden zumeist stark mediatisiert.

Jüngstes Beispiel in Deutschland sind die Äußerungen des ehemaligen Nationalspielers Lukas Podolski, der berichtet, dass sich deutsche Nationalspieler gegenseitig als „Kanake“ bzw. „Kartoffel“ bezeichnen. Allerdings sind diese Ausdrücke nach Lukas Podolski „immer nur als Spaß zu verstehen und hatte[n]; definitiv nichts mit Rassismus zu tun.“ (Rieke 2018).

Dennoch verdeutlicht das Beispiel einen Prozess der Gruppenbildung innerhalb der deutschen Nationalmannschaft, der sich auch sprachlich niederschlägt und eine Unterscheidung zwischen Menschen mit und ohne türkischen Migrationshintergrund trifft.1 Hinzu kommt, dass sowohl der Ausdruck „Kartoffel“ als noch deutlicher der Ausdruck „Kanake“ keine wertfreien Bezeichnungen für eine Gruppe von Menschen sind. Vielmehr sind beide eindeutig (fremdenfeindliche) Abwertungen.

Dabei ist gerade der Ausdruck „Kanake“ für die vorliegende Untersuchung exemplarisch, da dieser verdeutlicht, dass ein Begriff, selbst nachdem er übersetzt wurde, völlig unterschiedlich interpretiert werden kann. Mit dem französischen Ausdruck „canaque“ wird nach einigen Bedeutungsveränderungen nunmehr weitgehend wertfrei die indigene Bevölkerung von Neukaledonien bezeichnet. Jedoch ist der ins Deutsche übernommene Ausdruck „Kanake“ eine eindeutig fremdenfeindliche Abwertung vor allem von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund (vgl. Niebling 2016).

Dass innerhalb der deutschen Nationalmannschaft Spieler unterschiedlichen (kulturellen) Gruppen zugeordnet werden, gab der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, auf einer Pressekonferenz unabsichtlich...

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