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Die Abwertung des Anderen mittels Sprache im Amateurfußball

Ein soziolinguistischer Vergleich in Deutschland und Frankreich

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Florian Koch

«Kanake» oder «Kartoffel»? Wörter beschreiben mehr als einzelne Objekte. Wörter teilen ein, grenzen aus und werten ab. Das soziale Phänomen der alltäglichen verbalen Gewalt stellt der Band am Beispiel des Amateurfußballs in Deutschland und Frankreich explorativ dar. Der Autor veranschaulicht, dass verbale Gewalt im Amateurfußball in beiden Ländern weit verbreitet ist. Die Mehrheit der berichteten konkreten verbalen Gewalt lässt dabei auf Gruppenbezogene Menschenfeindliche Einstellungen schließen. Hierbei überwiegen sexistische Beleidigungen. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass der Schiedsrichter verbale Gewalt höchst unterschiedlich bewertet. Landesspezifische Konflikte schlagen sich hingegen nicht signifikant bei der Bewertung von verbaler Gewalt durch den Amateurschiedsrichter nieder. Vielmehr kann angenommen werden, dass das Regelwerk der FiFA Richtschnur deutscher und französischer Amateurschiedsrichter ist.

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4 Thematische Hinführung

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4.1 Das Sprachverhalten im Sport

„Ce que je sais de la morale, c’est au foot que je le dois: il faut toujours respecter scrupuleusement les règles du jeu élaborées en commun et librement acceptées.“ (Albert Camus, In: FIFA 2011, S. 1)100

Gemeinsam ist mittlerweile allen modernen (westlichen) Gesellschaften, dass sowohl verbale als auch physische Gewalt als Mittel der Konfliktlösung in nahezu allen Bereichen strikt abgelehnt und zumeist per Gesetz sanktioniert wird. Das umfasst nunmehr auch Bereiche, in denen einst nicht exzessiv ausgeübte Gewalt zumindest toleriert wurde. Ein aktuelles Beispiel ist die Ächtung und strafrechtliche Verfolgung der Gewaltausübung von Eltern gegenüber ihren Kindern (vgl. Pinker 2011, S. 11).

Norbert Elias (1897–1990) bezeichnet den Prozess der Bändigung menschlicher Triebe, Affekte und Emotionen, der mit dem Verzicht des Individuums auf Gewaltausübung zugunsten einer monopolisierten Staatsgewalt einhergeht als „Zivilisationsprozess“ (vgl. Elias 1994, S. 37ff.).

Allerdings ist der Prozess der Gewaltminimierung nicht stetig, sondern höchst fragil, insbesondere bei tief greifenden Krisen. Elias (1994, S. 391ff.) führt bspw. die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und somit den Zusammenbruch zivilisatorischer Errungenschaften auf eine politische, ökonomische und soziale Krise während der Weimarer Republik zurück. Ein aktuelles Beispiel ist die Hochphase der Flüchtlingskrise 2015. Die massive Zunahme an verbaler und körperlicher Gewalt führt Thomas de Mazière, ehemaliger deutscher Bundesinnenminister, auf eine Auflösung zivilisatorischer Schranken zurück (vgl. Gaugele und...

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