Show Less
Restricted access

Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe unter besonderer Berücksichtigung der Sterbehilfe bei Minderjährigen

Series:

Kristin Pauly

Niemand fragt, ob man geboren werden möchte. Hat der Mensch dann immerhin das Recht, frei über sein Ableben zu entscheiden?

Diese Frage bildet den Kern der Diskussion, ob Sterbehilfe verboten bleiben, geduldet oder erlaubt werden sollte. Während Deutschland die rechtlichen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe sehr restriktiv gestaltet, haben insbesondere Belgien und die Niederlande jeweils ein umfassendes Sterbehilfegesetz ausgearbeitet. Um das undurchsichtige Geflecht der deutschen Rechtsordnung aufzulösen und das medizinische Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen zu stärken, bietet es sich an, von den Nachbarländern zu lernen, Vor- und Nachteile abzuwägen und eine ethisch sowie juristisch vertretbare Lösung für Deutschland zu entwickeln, die insbesondere auch Minderjährige berücksichtigt.

Show Summary Details
Restricted access

Erstes Kapitel: Sterbehilfe bei Volljährigen

Extract



A.  Überblick zur Sterbehilfe bei Volljährigen

Befasst man sich mit dem Thema „Sterbehilfe“, ruft dies meist Assoziationen mit schwerkranken Krankenhauspatienten oder betagten Menschen hervor, die ihr Leiden nicht mehr ertragen können oder des Lebens überdrüssig sind. Der Gesetzgeber hat sich vorrangig mit Sterbehilfe bei Volljährigen auseinandergesetzt und mit dem in das Betreuungsrecht eingegliederten Patientenverfügungsgesetz in den §§ 1901a ff. BGB eine Grundlage für einwilligungsunfähige volljährige Personen geschaffen. Die Patientenverfügung steht in engem Zusammenhang mit der passiven Sterbehilfe. Was aber verbirgt sich hinter „passiver Sterbehilfe“ und wie unterscheidet sie sich von der aktiven und indirekten Sterbehilfe, der Tötung auf Verlangen und der Beihilfe zur Selbsttötung? Diese Begrifflichkeiten bilden das undurchsichtige Geflecht, das es aufzulösen gilt. Einführend sei dafür das Schicksal des Vincent Humbert vorgestellt.

I.  Der Fall „Vincent Humbert“

Die Französin Marie Humbert bringt 1981 einen gesunden Jungen zur Welt, Vincent. Am 24. September 2000 führt ein schwerer Autounfall zur vollständigen Lähmung des 19-Jährigen. Vincent liegt neun Monate lang im Koma. Als er erwacht, steht fest, der junge Mann hat seine intellektuellen Fähigkeiten behalten, bleibt aber für immer gelähmt, blind und stumm11. Dass er seine Umwelt nur noch akustisch wahrnehmen und lediglich mit seinem rechten Daumen kommunizieren kann, ist Vincent nicht genug. Er möchte sterben.

Das Leisten von Sterbehilfe ist in Frankreich verboten und wird mit fahrlässiger T...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.