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Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe unter besonderer Berücksichtigung der Sterbehilfe bei Minderjährigen

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Kristin Pauly

Niemand fragt, ob man geboren werden möchte. Hat der Mensch dann immerhin das Recht, frei über sein Ableben zu entscheiden?

Diese Frage bildet den Kern der Diskussion, ob Sterbehilfe verboten bleiben, geduldet oder erlaubt werden sollte. Während Deutschland die rechtlichen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe sehr restriktiv gestaltet, haben insbesondere Belgien und die Niederlande jeweils ein umfassendes Sterbehilfegesetz ausgearbeitet. Um das undurchsichtige Geflecht der deutschen Rechtsordnung aufzulösen und das medizinische Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen zu stärken, bietet es sich an, von den Nachbarländern zu lernen, Vor- und Nachteile abzuwägen und eine ethisch sowie juristisch vertretbare Lösung für Deutschland zu entwickeln, die insbesondere auch Minderjährige berücksichtigt.

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Viertes Kapitel: Gesetzentwurf zur Regelung der Sterbehilfe unter Einbeziehung der Sterbehilfe bei Minderjährigen

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A.  Stellungnahme zur Sterbehilfe bei Minderjährigen

Während die Stellungnahme zur Sterbehilfe in Gestalt der aktiven und passiven Sterbehilfe sowie des ärztlich assistierten Suizids bei volljährigen Patienten unter eng gefassten Schranken zu Gunsten dieser Sterbehilfeformen ausfiel, gilt es, trotz vieler Gemeinsamkeiten, zum Schutz Minderjähriger weitergehende Überlegungen anzustellen. Legalen Zugang zu alkoholischen Getränken bekommen Minderjährige frühestens mit 16 Jahren, die Fahrerlaubnis kann ihnen mit 17 Jahren erteilt werden. Alkohol konsumieren oder im motorisierten Verkehr teilnehmen darf ein 12- oder 14-Jähriger nicht. Wie kann ihm dann genügend Reife zugestanden werden, über sein Ableben zu bestimmen? Kinder sollen vor Gefahren und Entscheidungen geschützt werden, deren Folgen sie wegen ihrer geringen Lebenserfahrung noch nicht einschätzen können. Gerade deshalb stehen Eltern ihren Kindern bei, indem sie Entscheidungsbefugnisse im Rahmen der elterlichen Sorge ausüben. Frei über den eigenen Tod entscheiden zu können, bringt mehr Belastung mit sich als jede Entscheidung des alltäglichen Lebens. So ist es zumindest vom Grundsatz her zu betrachten. Es ist allerdings zu bedenken, dass der Alltag eines Minderjährigen, der seit vielen Jahren gegen seine Krankheit ankämpft, ein anderer ist als der gesunder Gleichaltriger. Für diese Kinder geht es nicht darum, welche Computerspiele sie schon spielen dürfen oder ob sie eine Flasche Bier kaufen können. Für sie ist der Alltag ein Lebenskampf. Sie wachsen umgeben von medizinischen Fachtermini und Untersuchungen auf. Daher ist es natürlich, dass sie trotz...

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