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Sängerliebe – Sängerkrieg

Lyrische Narrative im ästhetischen Gedächtnis des Mittelalters und der Neuzeit

Edited By Nikolas Immer and Cordula Kropik

Geschichten über die Liebe und den Streit mittelalterlicher Sänger haben eine lange Tradition. So berichten Dichter vom Mittelalter bis in die Gegenwart vom Tannhäuser im Venusberg, von Meistersängern in- und außerhalb Nürnbergs oder vom Sängerkrieg auf der Wartburg. Imaginationen lyrischer Handlungs- und Lebensweisen verdichten sich dabei zu einer spezifisch selbstbezogenen Reflexion über Kunst. Die Frage, inwiefern darin zugleich ein Phänomen ästhetischer Gedächtnisbildung vorliegt, bildet den Gegenstand des Sammelbandes. Er spannt den Bogen von den mittelalterlichen Textzeugen hin zu neuzeitlichen Adaptionen von der Romantik bis in die Postmoderne.

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Sängergeschichten als ästhetisches Gedächtnis: Konzeptueller Ansatz und historische Perspektiven. Zur Einführung (Cordula Kropik)

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Cordula Kropik

Sängergeschichten als ästhetisches Gedächtnis

Konzeptueller Ansatz und historische Perspektiven. Zur Einführung

1. Thema und These

Am Anfang unserer Überlegungen stand eine Beobachtung, die sich rasch zu einer Idee und weiter zu einer These verdichtete. Beobachtet hatten wir, dass die vielfältigen Darstellungen, die das Leben, Lieben und Streiten mittelalterlicher Sänger bis in die jüngste Gegenwart hinein präsent halten, sich in Text, Ton und Bild um einen bestimmten thematischen Kern gruppieren. Je mehr wir uns mit literarischen und historiographischen Adaptionen, mit Opernlibretti und Gemälden beschäftigten, desto deutlicher zeichnete sich für uns ab, dass das Erzählen von Sängerliebe und Sängerkrieg von seinen Anfängen an und in all seinen generischen und medialen Erscheinungsformen1 ein Erzählen von Kunst ist. In mittelalterlichen, frühneuzeitlichen, romantischen und modernen, in kanonisierten, randständigen und populären Sängergeschichten – überall zeigte sich derselbe Befund: Wo es um die Sänger des Mittelalters geht, da geht es zumeist auch um Kunst. Es geht um Fragen nach dem Wesen der Kunst, nach dem Verhältnis zwischen Kunst und Macht oder nach dem Ort des Künstlers in der Gesellschaft.

Allerdings zielt der Diskurs über verschiedene Aspekte der Kunst kaum je auf das historische Mittelalter und die realen Hintergründe der dargestellten Sänger-Leben. Stattdessen wird die Schilderung regelmäßig auf ästhetische Selbstvergewisserungen und Positionierungen im Kunstverständnis der eigenen Gegenwart hin durchsichtig gemacht. Weil...

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