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Sängerliebe – Sängerkrieg

Lyrische Narrative im ästhetischen Gedächtnis des Mittelalters und der Neuzeit

Edited By Nikolas Immer and Cordula Kropik

Geschichten über die Liebe und den Streit mittelalterlicher Sänger haben eine lange Tradition. So berichten Dichter vom Mittelalter bis in die Gegenwart vom Tannhäuser im Venusberg, von Meistersängern in- und außerhalb Nürnbergs oder vom Sängerkrieg auf der Wartburg. Imaginationen lyrischer Handlungs- und Lebensweisen verdichten sich dabei zu einer spezifisch selbstbezogenen Reflexion über Kunst. Die Frage, inwiefern darin zugleich ein Phänomen ästhetischer Gedächtnisbildung vorliegt, bildet den Gegenstand des Sammelbandes. Er spannt den Bogen von den mittelalterlichen Textzeugen hin zu neuzeitlichen Adaptionen von der Romantik bis in die Postmoderne.

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Die „Zauber-Gewalt“ des Tannenhäusers. Ludwig Tiecks Der getreue Eckart und der Tannenhäuser als innovative Adaption volkspoetischer Prätexte mit geschmackserzieherischer Absicht (Jesko Reiling)

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Jesko Reiling

Die „Zauber-Gewalt“ des Tannenhäusers

Ludwig Tiecks Der getreue Eckart und der Tannenhäuser als innovative Adaption volkspoetischer Prätexte mit geschmackserzieherischer Absicht

Abstract: At the end of the 18th century many German writers were highly interested in the ‚Volkspoesie‘. This kind of literature was appreciated due to its aesthetic and cultural potential and its origins in the common and shared culture of the whole nation. This is the background of Ludwig Tieck’s novel: Repeating the old lores of Eckart and Tannhäuser, Tieck is part of the national tradition. In addition, Tieck also rearranged and rewrote the old stories and created therefore a new one which reflects the psychology of modern man and society. This article investigates how Tieck transformed the traditional stories into modern literature.

In der Einleitung zu seinem im Jahre 1800 erschienenen Poetischen Journal ging Ludwig Tieck kritisch mit dem zeitgenössischen Literaturbetrieb ins Gericht. „Poesie und Kunst“ seien zu „Manufacturwaaren“ verkommen,1 enthielten „leeres Geschwätz“2 und seien als „kunstlose Ausgeburten“ anzusehen.3 Der literarische Geschmack sei „gemein und flach“4 geworden und „alle Poesie und aller wahrer Geschmack“ aus Deutschland verschwunden.5 Ausgenommen von diesem vernichtenden Urteil ist im Hinblick auf die moderne Poesie selbstverständlich Goethe, in historischer Perspektive konstatierte Tieck, dass mit „den Minnesängern und Hans Sachs […] die eigentliche Schule der Poeten untergegangen“ sei und seit jener Zeit „ein Stillstand, eine Geistesträgheit“ herrsche, die lediglich Werke voller „Pedanterie und Kunstlosigkeit“ hervorgebracht...

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