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Sängerliebe – Sängerkrieg

Lyrische Narrative im ästhetischen Gedächtnis des Mittelalters und der Neuzeit

Edited By Nikolas Immer and Cordula Kropik

Geschichten über die Liebe und den Streit mittelalterlicher Sänger haben eine lange Tradition. So berichten Dichter vom Mittelalter bis in die Gegenwart vom Tannhäuser im Venusberg, von Meistersängern in- und außerhalb Nürnbergs oder vom Sängerkrieg auf der Wartburg. Imaginationen lyrischer Handlungs- und Lebensweisen verdichten sich dabei zu einer spezifisch selbstbezogenen Reflexion über Kunst. Die Frage, inwiefern darin zugleich ein Phänomen ästhetischer Gedächtnisbildung vorliegt, bildet den Gegenstand des Sammelbandes. Er spannt den Bogen von den mittelalterlichen Textzeugen hin zu neuzeitlichen Adaptionen von der Romantik bis in die Postmoderne.

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Ästhetische Gedächtnisbildung. Legende und Mythos in Richard Wagners Tannhäuser (Yvonne Nilges)

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Yvonne Nilges

Ästhetische Gedächtnisbildung

Legende und Mythos in Richard Wagners Tannhäuser

Abstract: This article sheds light on Richard Wagner’s Grand Romantic Opera Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg (1845). It examines Wagner’s conflation of two separate mediaeval sources against the backdrop of aesthetic memory. In so doing, it draws on Wagner’s theoretical foundations, his revisions of the score and the libretto, the performance history as well as the literary aftermath of Wagner’s opera.

Große Hoffnungen – wie man nun einmal ist! – hege ich für eine neue Oper, von der ich gegenwärtig das Textbuch fertig habe: es hat drei Acte und beruht auf einer Verschmelzung der Sage vom Tannhäuser mit der vom Wartburgkriege.

(Richard Wagner an Robert Schumann, 12. Mai 1843)1

Richard Wagners zweite romantische Oper, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg (1845), ist für das ästhetische Gedächtnis der Neuzeit insofern grundlegend geworden, als diese Oper zwei ursprünglich separate Stofftraditionen wirkungsmächtig miteinander verbindet: Es ist dies zum einen die spätmittelalterliche „Sage vom Tannhäuser“2 und zum anderen diejenige „vom Wartburgkriege“, d. h. vom Sängerkrieg auf der Wartburg, die ihrerseits auf das bedeutendste Zeugnis des hochmittelalterlichen Literaturbetriebs in Thüringen zurückgeht. Die Quellen, die Wagner für diese denkwürdige „Verschmelzung“ konsultierte, waren freilich ausschließlich moderner Provenienz; wir werden darauf noch zu sprechen kommen.

Der Ausdruck ‚ästhetische Gedächtnisbildung...

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